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06.08.2019 | Rahmenbedingungen | Nachrichten

Überpflege – Wann ist es des Guten zu viel?

Über mangelnde Pflege wurde schon viel berichtet. Doch kann es auch des Guten zu viel geben? Ja, meint Markus Wohlmanstetter aus Wien und ermuntert zu mehr Selbstreflexion.

© Gina Sanders / FotoliaPflege sollte sich an den individuellen Bedürfnissen des Patienten orientieren und seine Ressourcen fördern. 

Für die Intensivmedizin ist es schon lange bekannt: Unreflektierte pflegerische Handlungen können den Gesundheitszustand des Patienten verschlechtern. Daher haben sich Konzepte wie Minimal Handling oder Optimal Handling etabliert.

In der Augustausgabe der Pflegezeitschrift diskutiert der Diplom Gesundheits- und Krankenpfleger Markus Wohlmannstetter, ob es auch in anderen Bereichen „Überpflege“ gibt, die den Genesungsprozess verzögert, zu verlängerten Aufenthalten in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen beiträgt und weitere Komplikationen begünstigt.

Wohlmannstetter hinterfragt typische Rituale wie das „Durchmessen“ oder die sogenannte „Pflegerunde“. Diese seien zwar organisatorisch gute Lösungen,  würden aber die tatsächlichen Bedürfnisse der Patienten nicht selten außer Acht lassen. Das ist aus seiner Sicht auch der Fall, wenn sich Pflege zu sehr am äußeren Erscheinungsbild orientiert, weil beispielsweise Außenstehende daran Pflegequalität festmachen. Ob eine Pflegekraft den Patienten nach kinästhetischen Gesichtspunkten positioniert oder ihn nach einem speziellen Konzept betreut, sei für andere vielfach unerheblich. Wohlmannstetter: „Am Ende zählt das Erscheinungsbild, das auch schon mal mit Worten kommentiert wird wie: ,Danke Schwester, heute haben Sie meinen Mann aber schön rasiert!‘“

Wenn Pflege zum Selbstzweck wird

Pflege als „Selbstzweck“ fällt für den Wiener Kranken- und Gesundheitspfleger ebenso unter Überpflege wie Pflege, die die Ressourcen des Patienten nicht erkennt und fördert. Dafür sei auch Zeit- und Personalmangel verantwortlich. So werden Patienten im Bett gewaschen, statt sie zu mobilisieren und zur Körperpflege anzuleiten, weil es "unkomplizierter" erscheint. 

„Oftmals ist in der Betreuung von Patienten weniger mehr“, stellt Wohlmannstetter fest und betont, dass es nicht um ein Weniger an Pflege geht: „In der Praxis sind wahrscheinlich ein Weniger an übertriebener Fürsorge, ein Weniger an unreflektiertem Handeln und ein Weniger an Ritualen Schritte in die richtige Richtung.“ Gleichzeitig brauche es aber auch ein Mehr an Selbstvertrauen, Selbstreflexion und vor allem ein Mehr an individualisierter Pflege. (ne)


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