Sexuelle Belästigung: Moll will mehr Präventionsangebote
- 21.04.2022
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Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist in der Pflege trauriger Alltag. Dennoch scheuen sich viele Pflegende dagegen vorzugehen. Die Pflegebevollmächtigte will Präventionangebote verstärken.
Klare Grenzen aufzeigen – Pflegende sollen besser für den Umgang mit herausforderndem Verhalten ausgebildet werden.
Die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Claudia Moll (SPD), hat mit Blick auf sexuelle Belästigung in der Pflege bessere Arbeitsbedingungen gefordert. Um über solche Ereignisse zu sprechen und Fälle aufzudecken, brauche es auch mehr Zeit und damit mehr Personal, sagte sie am Mittwoch im ARD-Mittagsmagazin. Pflegende ermunterte sie, mehr Supervisionsangebote in Anspruch zu nehmen. Betroffene sollten zudem im Team und gegenüber ihrem Arbeitgeber offen über ihre Erfahrungen sprechen. Arbeitgeber seien verpflichtet, sich darum zu kümmern, betonte die SPD-Politikerin.
Sexuelle Belästigung nach wie vor ein Tabu
Laut einer in der Sendung zitierten Studie der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) aus dem vergangenen Jahr wurden fast 70 % der befragten Pflegekräfte in stationären Pflegeeinrichtungen binnen zwölf Monaten mindestens einmal mit verbaler sexueller Belästigung konfrontiert. Körperliche Übergriffe erlebte rund die Hälfte (53%) der Pflegenden.
Moll verwies darauf, dass sexuelle Belästigung in der Pflege allerdings nach wie vor ein großes Tabu sei und betonte: „Ich spreche das an, egal wo ich bin.“ Sie selbst habe als Pflegende sexuelle Belästigung erlebt und sich damals nicht getraut, darüber zu reden.
Mehr Prävention, Beratung und Supervision
Die Problematik ist offenbar in der Politik zumindest angekommen. Auf ARD-Nachfrage hieß es aus dem Bundesgesundheitsministerium, Ziel sei es, die Gewaltprävention in der Pflege zu optimieren. Pflegende sollten zudem besser für den Umgang mit herausforderndem Verhalten qualifiziert werden. Individuelle sowie institutionelle Präventionsmaßnahmen, Beratungs- und Supervisionsangebote würden ausgebaut.
„Allein mit Prävention ist schon viel getan, das heißt aber nicht, dass es ausreicht“, räumte die Pflegebevollmächtigte in der Sendung ein und bestätigte, dass auch verpflichtende Standards Sinn machten. Moll: "Wir arbeiten daran, dass sich die Bedingungen verbessern." (ne)