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Umfrage der Pflegekammer Rheinland-Pfalz Pflegefachpersonen weiterhin stark belastet

Trotz gestiegener Zufriedenheit bleiben die beruflich Pflegenden in Rheinland-Pfalz hoch belastet. Zeitmangel, Dokumentationslast und häufige Übergriffe drücken besonders auf die Stimmung.

© Baba Images / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell)Hoher Dokumentationsaufwand, wenig Zeit für Patienten. Eine Belastung nicht nur für Pflegefachpersonen in Rheinland-Pfalz.

Die Berufszufriedenheit der Pflegefachpersonen in Rheinland-Pfalz ist zwar gewachsen, aber die Beschäftigten stehen weiter unter hohem Druck. Das geht aus einer Allensbach-Umfrage im Auftrag der Landespflegekammer hervor, die in der vergangenen Woche vorgestellt wurde. 

Größte Belastung: Zeitmangel und überbordende Dokumentation 

Symptomatisch für die hohe Belastung sind vor allem Zeitdruck und ein hoher Verwaltungsaufwand. 70 bzw. 73 Prozent der Befragten empfinden diese Faktoren als die größten Belastungen. 

Laut einer begleitenden Umfrage mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft verbringt jeder und jede Dritte Befragte täglich 1,5 bis 2 Stunden mit Dokumentation. Bei einem Fünftel sind es sogar bis zu fünf Stunden. Für die direkte Patientenversorgung bleibe dann oft nur wenig Zeit, so die Kammer. 

Die zunehmende Gewalt gegen Beschäftigte im Gesundheitswesen macht den Pflegefachpersonen ebenfalls zu schaffen: Rund 70 Prozent der Befragten berichten von körperlichen Übergriffen durch Patienten oder Angehörige. 

Im Flächenland Rheinland-Pfalz sind ferner die Themen Mobilität und Krankenhausreform für die Pflegefachpersonen ein wichtiges Thema. Mit 84 Prozent pendelt der Großteil mit dem Auto zur Arbeit. Mit der Umstrukturierung der Krankenhauslandschaft drohten längere Arbeitswege und ein zusätzlicher Personalverlust, befürchtet die Kammer. 

Ein besonderes Schlaglicht wirft die Umfrage auf die Situation junger Pflegefachpersonen: Knapp die Hälfte der unter 30-Jährigen fühlen sich demnach fachlich nicht ausreichend vorbereitet. Junge Pflegende seien darüber hinaus überdurchschnittlich oft von Gewalt betroffen. 

Zufriedenheit gewachsen, zentrale Probleme ungelöst

Die positive Nachricht: Erstmals zeigten sich mehr als die Hälfte der befragten Kammermitglieder mit ihrer beruflichen Situation und ihrem Einkommen zufrieden. Diese „erfreuliche Entwicklung“ dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, „dass die zentralen Probleme ungelöst bleiben“, betonte Kammerpräsident Markus Mai. 

„Wenn Pflegefachpersonen immer mehr Zeit mit Dokumentation und fachfremden Tätigkeiten verbringen und zugleich Gewalt ausgesetzt sind, gefährdet das nicht nur ihre Gesundheit, sondern die gesamte pflegerische Versorgung“, so sein Resümee. Ohne konkrete politische und strukturelle Verbesserungen drohten Abwanderung aus dem Beruf und weitere Überlastung.

Die Pflegekammer Rhein-Pfalz befragt ihre Mitglieder seit 2019 regelmäßig zu ihrer beruflichen Situation und den Belastungsfaktoren. Erhoben werden grundlegende Informationen zum Ausmaß der Belastung, der Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder der Belastung durch Personalnot, psychische Belastungen oder Übergriffe. (ne)

Bildnachweise
Pflegerin am Computer/© Baba Images / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell)