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BKK-Gesundheitsreport Klapper: Es bedarf grundlegender Reformen für die Pflege

Die Arbeitsbedingungen in der Pflege bleiben prekär, die Unzufriedenheit im Beruf groß. Das geht aus dem BKK-Gesundheitsreport hervor. Ändern können das nur grundlegende Reformen, findet Bernadette Klapper vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK).

Reform (Symbolbild) © EtiAmmos / stock.adobe.com

Der BKK-Dachverband hat am Mittwoch seinen Gesundheitsreport 2022 „Pflegefall Pflege?“ vorgestellt. Die Studie bestätigt einmal mehr, wie kritisch es um die Pflege bestellt ist:

Demnach fühlen sich mehr als 40 % der Altenpfleger*innen und Gesundheits- und Krankenpflegekräfte aktuell den Anforderungen ihrer Arbeit nur teilweise oder gar nicht gewachsen. Das sind mehr als doppelt so viele wie in anderen Berufen. Dazu passt, dass jede vierte Pfleger*in über einen Jobwechsel in den kommenden beiden Jahren nachdenkt und jede fünfte überlegt, den Beruf ganz aufzugeben. Über eine „nicht angemessene“ Bezahlung klagen zwei Drittel der Befragten. Eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf sieht mehr als jede zweite Pflegekraft nur „schlecht gegeben“.

Die körperlich und psychisch Belastungen im Beruf machen sich auch in hohen Fehlzeiten bemerkbar: Mit 25,7 Krankheitstagen in der Akutpflege und 33,2 Tagen in der Langzeitpflege liegt der Krankenstand in Pflege weit über dem allgemeinen Durchschnitt (18,2 Fehltage).

Grundlegende Reformen notwendig

Für Bernadette Klapper, Bundesgeschäftsführerin des DBfK und Autorin eines Gastbeitrags im Report, ist klar: Um die berechtigte Unzufriedenheit professionell Pflegender zu beenden, bedarf es grundlegender Reformen. Ausschlaggebend für die Unzufriedenheit sind aus Sicht von Klapper im wesentlichen drei Faktoren:

  • Personalmangel
  • Mangelnde Wertschätzung des Berufs und der pflegerischen Kompetenz
  • sowie Fremdbestimmung.

Neuer Blick auf die Pflege

Unzufriedenheit der professionell Pflegenden sei ein wichtiger Faktor im Personalmangel und könne zu Berufsaustritten führen. Der Personalmangel belaufe sich Schätzungen zufolge auf derzeit rund 200.000 Vollzeitstellen und führe zu dauerhafter Überlastung. Dies zeige sich auch im überdurchschnittlich hohen Krankenstand der Berufsgruppe.

Zur Aufwertung des Berufsbildes ist es aus Sicht von Klapper wichtig, deren Wert und eigenständigen Beitrag im Gesundheitswesen anzuerkennen.

Die Pflege werde zudem mit einer Fremdbestimmung konfrontiert, die an das Familienbild der 50er Jahre erinnere: „Der Vater als Haushaltungsvorstand – in dem Fall der Mediziner – sagt an, was richtig ist in Sachen Gesundheit. Die Mutter, also die Pflege, kümmert sich um die Kinder, hat vermeintlich diffuse Aufgaben, aber sorgt dafür, dass der Laden läuft. Und sie muss den Mann fragen, ob sie arbeiten gehen, ein eigenes Konto eröffnen oder studieren darf. Sprich, sie wird in jedem Schritt gesteuert und darf nicht eigenständig agieren.“

Um die Berufszufriedenheit wiederherzustellen, bedarf es laut Klapper eines neuen Blicks auf die Pflege. Dieser müsse die notwendigen Investitionen und Maßnahmen leiten:

„Anstatt die berufliche Pflege in Verrichtungslogiken engzuführen und sie unter ihren Möglichkeiten einzusetzen, sollte ihre Rolle als Profession und Partnerin im Gesundheitssystem – sowohl an der Basis der Gesundheitsversorgung als auch in der Systemgestaltung – gestärkt und erweitert werden. Die Potenziale der Pflege liegen in ihrer Professionalisierung.“

Schritte zur Professionalisierung

Notwendig sind dafür laut Klapper eine bundeseinheitliche Pflegeassistenzausbildung, die Stärkung der generalistischen Pflegeausbildung, die Sicherung der primärqualifizierenden Studiengänge, die Einrichtung von Studiengängen für erweiterte pflegerische Rollen sowie die Umsetzung des Qualifikationsmixes in der Pflegepraxis. Darüber hinaus brauche es berufliche Selbstbestimmung in Form von Pflegeberufekammern.  

Doch auch die Arbeitgeber sieht Klapper in der Pflicht: „Beruflich Pflegende wollen verlässliche Dienstpläne, und ihr Beruf muss mit dem Privatleben vereinbar sein.“ Wertschätzung, Partizipation und Angebote wie Supervision und Betriebliches Gesundheitsmanagement sollten für einen attraktiven Arbeitsplatz selbstverständlich sein.

Klapper betont: „Der Schlüssel für den Erfolg der Maßnahmen auf allen Ebenen sind die Anerkennung und Wertschätzung professioneller Pflege für eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung.“ (ne)

BKK Gesundheitsreport 2022

Für den BKK-Gesundheitsreport wurden 6000 Beschäftigte in einer repräsentativen Umfrage nach ihrer Berufszufriedenheit und den Arbeitsbedingungen in der Pflege gefragt. Den ausführlichen Report finden Sie hier.


Bildnachweise
Reform (Symbolbild)/© EtiAmmos / stock.adobe.com