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15.01.2020 | Rahmenbedingungen | Nachrichten

Care Klima Index verzeichnet nur leichte Aufhellung

Trotz aller Anstrengungen der Politik, die Rahmenbedingungen in der Pflege zu verbessern, bleibt die Stimmung in der Branche getrübt. Der aktuelle „Care Klima Index“ kann keine echte Trendwende verzeichnen.

Die Stimmung in der Pflegebranche ist  im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen. Dennoch bleibt der Wert unter dem im Jahr 2017 erhobenen Basiswert. Das geht aus dem gestern vom Umfrageinstitut Psyma vorgestellten „Care Klima Index 2019“ hervor. So liegt der anhand verschiedener Fragebereiche ermittelte Index-Wert für 2019 mit 97,3 um 2 Punkte höher als 2018.  Den Ausgangswert 100 aus dem Jahr 2017 kann er jedoch nicht erreichen.

Immerhin teilen weniger professionell Pflegende die Ansicht, die Pflege erhalte nicht genug Stellenwert in der Politik, als noch vor drei Jahren. Mit 82% gegenüber 91% ist sie aber auch 2019 noch erschreckend hoch. In der Wahrnehmung von 37 % der befragten professionell Pflegenden hat sich der Pflegealltag durch gesetzliche Reformen sogar verschlechtert. Das sind 11 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr und 18 Prozentpunkte über dem Ausgangswert von 2017.  

Für den Pflegebeauftragten der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, müssen die Änderungen noch in der Praxis ankommen: „Die Zahl der Gesetzesänderungen und Reformen seit 2017 ist rekordverdächtig“. Viele würden jedoch erst in diesem Jahr in Kraft treten oder ihre Wirkung entfalten. So bewerten 56% der Befragten ihre Arbeitsbedingungen noch immer als schlecht. Dies stellt zwar einen Rückgang um 4 Prozentpunkte dar, liegt aber nach wie vor über dem Vergleichswert von 51 % aus dem Jahr 2017.

Mehrheit der Pflegekräfte sieht die Pflegequalität nicht gesichert

„Zentrales Problem ist weiterhin die chronisch zu hohe Arbeitsbelastung, die durch die Schwierigkeiten bei der Besetzung freier Stellen noch verschärft wird“, stellte der Präsident des Deutschen Pflegerates (DPR), Franz Wagner, fest. Aus Sicht des DPR kommt es einer „Bankrotterklärung“ für das Gesundheitssystem gleich, wenn 39 % aller Befragten und 59 % der Pflegefachpersonen angeben, die Qualität der pflegerischen Versorgung sei nicht gesichert.

Vor diesem Hintergrund verwies Wagner auf ein weiteres Problem, das die Situation zusätzlich verschärfen wird: Rund 40% der Pflegefachpersonen gehen in den nächsten 15 Jahren in Rente. Damit sitze die Pflege auf einer „demographischen Zeitbombe“. 86 % der Pflegenden sähen den künftigen Bedarf an Pflegefachpersonen als nicht gesichert an. Der DPR-Präsident fordert: „Deutschland muss deutlich mehr in die pflegerische Versorgung investieren.“

Der Care-Klima-Index wird seit 2017 vom Deutschen Pflegetag gemeinsam mit dem Institut Psyma Health & Care erhoben. Er soll ein repräsentatives Stimmungsbild von der größten Berufsgruppe des Gesundheitswesens, der Pflege, zeichnen.  (ne)

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