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CARE Klima-Index: Düstere Aussichten im Pflegemarkt

Die Situation im Pflegemarkt wird in der aktuellen Umfrage durchweg als schlecht bewertet. Besonders alarmierend: 70% der Pflegenden glauben nicht, dass die Pflegeversorgung im nächsten Jahrzehnt gewährleistet werden kann.

Pflegekraft_nachdenklich © gpointstudio / Getty Images / iSIm Vergleich zum Vorjahr nehmen Pflegende die Arbeitsbedingungen in der Branche noch negativer wahr als zuvor.

Die Ergebnisse des aktuellen CARE Klima-Index zeichnen ein düsteres Bild von der Situation im deutschen Pflegemarkt. Auch dieses Jahr bleibt das Pflege-Klima unterhalb der 100er-Grenze, die  vergleichbar ist mit der Nulltemperatur eines Thermometers. Der Wert fällt von 94,7 Punkten im Vorjahr auf 93,2 Punkte. Seit 2017 befragt das Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos im CARE Klima-Index jährlich 1.000 Personen aus bis zu 13 Ziel- oder Berufsgruppen, die selbst Pflege benötigen oder einen pflegerelevanten Beitrag leisten. Die neuen Ergebnisse sind alarmierend.

Pflege kommt in der Politik zu kurz

Der Blick des Pflegemarkts richtet sich insbesondere in Richtung der Politik. Vielen kommen die Bedürfnisse der Pflege auf der Prioritätenliste der Politik anscheinend zu kurz. So stufen 80 Prozent der Befragten den politischen Stellenwert der Pflege im Vergleich zu anderen Themen als niedriger ein – ein Negativrekord seit 2017. Dieser Anteil wird von der Berufsgruppe Pflege mit einer Zustimmungsquote von 90 Prozent sogar noch getoppt, dicht gefolgt von Pflege- und Sozialberatern mit 89 Prozent. Auffallend negativ äußern sich auch die Kostenträger. Während 2021 nur 39 Prozent einen negativen Stellenwert der Pflege angaben, tun dies in der aktuellen Befragung 72 Prozent!

Dauerbrenner: Arbeitsbedingungen, Qualität der Versorgung und Kompetenzerweiterung

Im Vergleich zum Vorjahr nehmen Pflegende die eigenen Arbeitsbedingungen noch negativer wahr als zuvor. Sowohl 55 Prozent der Berufsgruppe Pflege selbst als auch 59 Prozent der außenstehenden Personen erteilen den Arbeitsbedingungen das Urteil „schlecht“.

Die Qualitätsbewertung der Pflegeversorgung bleibt für alle Sektoren der Pflege (ambulant, stationär, Krankenhaus) unverändert im Mittelfeld. Auffällig ist die harsche Selbstkritik der Berufsgruppe Pflege mit ihrer eigenen Pflegequalität. Nur jeder Zehnte (10%) attestiert seiner Profession „hochwertige Pflege“. Anders in der häuslichen Pflege: Hier lobt jeder zweite (56%) die eigene bzw. die häusliche

Drei Viertel der Befragten (72%) sprechen sich außerdem für eine Kompetenzerweiterung der Berufsgruppe Pflege aus – deutlich häufiger im Vergleich zu anderen Gesundheitsberufen. So liegen die Zustimmungswerte für Hebammen, Therapeuten und Notfallsanitätern nur bei etwa 58 Prozent.

Kann die künftige Versorgung sichergestellt werden?

Jeder zweite Studienteilnehmer (51%) glaubt nicht, dass die Pflegeversorgung in den kommenden zehn Jahren sichergestellt werden kann – der negativste Wert seit fünf Jahren aus Sicht aller Befragten des CARE Klima-Index. Die Berufsgruppe Pflege ist diesbezüglich besonders pessimistisch mit sieben von zehn Befragten (70%), die nicht an eine gesicherte Pflegeversorgung glauben – ebenfalls der schlechteste Wert im Fünf-Jahres-Zeitverlauf.

Für Stephanie Hollaus, Pflegeforschungsexpertin bei Ipsos, zeigen diese Ergebnisse einmal mehr, wie wichtig es ist, Stimmungen gerade in einem so bedeutenden Markt wie der Pflege zu messen: „Der CARE Klima-Index kann als jährlicher Indikator oder eine Art Frühwarnsystem gesehen werden, um pflegerelevante Strategien ggf. nachzujustieren und auf aktuelle Bedürfnisse anzupassen. […] Die Ergebnisse zeigen die Dringlichkeit auf, mit der das Fundament für eine gesicherte Pflege in Deutschland zeitnah gegossen werden muss.“

CARE Klima-Index - Fakten

Im Fokus der einmal jährlichen syndizierten Studie mit mehr als 1.000 Befragten stehen professionell Pflegende, Haushalte, in denen gepflegt wird, Haus-, Fach- und Zahnärzte, Apotheker, Kostenträger mit Pflegestützpunkten, Arbeitgeber in der Pflege, Wirtschaftsunternehmen, Kommunen und Verbände. Bis zu dreizehn Ziel- und Berufsgruppen liefern Benchmarks und Zeitreihen-Analysen für den deutschen Pflegemarkt. (SK)

Bildnachweise
Pflegekraft_nachdenklich/© gpointstudio / Getty Images / iS