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27.11.2017 | Psychoonkologie | Nachrichten

Krebsdiagnose als traumatisches Ereignis

Die Diagnose Krebs ist für die Betroffenen ein Schock. Bei manchen Patienten ist die seelische Erschütterung sogar so nachhaltig, dass sie eine Posttraumatische Belastungsstörung entwickeln.

Krebsdiagnose als traumatisches Ereignis. Symbolybild mit Fotomodellen © JPC-PROD - FotoliaKrebsdiagnose als traumatisches Ereignis (Symbolybild mit Fotomodellen)

Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) treten meist als Folgen von schweren Unfällen auf oder wenn Menschen Zeugen oder Opfer von Gewalt werden. Aber auch Krebspatienten können betroffen sein, wie Dr. Caryn Mei Hsien Chan von der Nationalen Universität Malaysia herausfand.

Mit ihrem Team unterzog Chan 469 Krebspatienten einen Monat nach ihrer Diagnose einem Screeningtest für depressive Symptome und Ängste. Patienten mit auffälligen Ergebnissen wurden genauer untersucht. Sechs Monate nach der Diagnose litten 21 Prozent von ihnen an einer PTBS. Vier Jahre später war ihr Anteil auf rund 6 Prozent abgefallen. Allerdings zeigte rund ein Drittel der anfangs betroffenen Patienten auch nach vier Jahren noch Symptome. Zum Teil hatten diese sich sogar verschlimmert. Auffällig war zudem, dass Brustkrebspatientinnen nach sechs Monaten deutlich seltener von einer PTBS betroffen waren als Patienten mit anderen Krebserkrankungen. Vier Jahre später ließ sich dieser Unterschied nicht mehr beobachten. Die Forscher sehen einen Zusammenhang mit der engmaschigen Betreuung und Beratung von Brustkrebspatientinnen im ersten Erkrankungsjahr. Die Symptome der PTBS machen sich daher erst später bemerkbar.

Krebspatienten suchen zu selten Hilfe

Aus Sicht der Forscher suchen betroffene Patienten zu selten Hilfe. Viele Krebspatienten würden sich eine „Kriegermentalität“ zulegen, um ihre Krankheit zu besiegen, so Chan. Das heißt: Immer optimistisch bleiben, positiv denken von der Diagnose bis zum Ende der Behandlung. „Für diese Patienten bedeutet die Suche nach Hilfe bei emotionalen Problemen das Eingeständnis von Schwäche“, so Chan weiter. Krebspatienten müssten wissen, dass es völlig in Ordnung ist, wenn sie Unterstützung brauchen, um den mit der Krankheit verbundenen emotionalen Aufruhr zu bewältigen. Zudem würden viele Patienten in der ständigen Angst leben, dass die Krankheit wieder kommt. Jede Veränderung des Körpers registrieren sie mit großer Sorge. Teilweise würden Patienten Besuche beim Arzt vermeiden, nur um nicht mehr an ihre Krankheit erinnert zu werden. Dieses Verhalten könnte zu verzögerten Diagnosen und Behandlungen, nicht nur bei Rezidiven sondern auch bei anderen Krankheiten führen.

Aus Sicht von Chan sollten Krebspatienten besser und vor allem längerfristig psychologisch begutachtet und auch betreut werden. Das seelische Wohlergehen sei ebenso wichtig wie die körperliche Gesundheit. (ne)

Literatur

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