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04.12.2017 | Psychiatrie | Nachrichten

Flucht: Auch die Psyche braucht Hilfe

Menschen, die aus Krisen- und Kriegsgebieten in Deutschland ankommen, brauchen nicht nur ein Dach über dem Kopf. Viele benötigen auch psychiatrische Unterstützung. Kompetente Hilfe finden sie im Berliner Zentrum für transkulturelle Psychiatrie (ZTP).

Boot mit Flüchtenden vor Lampedusa (Querformat) © Alexander Stein / picture-alliance / JOKERViele Geflüchtete haben Traumatisches erlebt. Dieses Archivfoto zeigt ein mit Menschen überladenes Boot vor der italienischen Insel Lampedusa.

Tiefe Trauer über den Verlust der Heimat, multiple Ängste, Unruhe, Flashbacks und Alpträume. Das sind nur einige der Symptome, mit denen die Patienten zu Dr. Ramona Pietsch in die Ambulanz des ZTP kommen. Auch Schmerzen oder Ausfallerscheinungen, für die sich keine Ursachen finden, sind häufig, erklärt die ärztliche Leiterin des ZTP im Interview mit HEILBERUFE.

Das ZTP ist angesiedelt  an der Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) des Vivantes Humboldt-Klinikums. Nicht erst seit der großen „Flüchtlingswelle“ betreuen die Mitarbeiter der PIA hier Menschen mit Migrationshintergrund. Doch als immer mehr Geflüchtete psychiatrische Hilfe benötigten, wurde das Angebot im Herbst 2015 um das ZTP erweitert.

Meistens sind Betroffene dankbar, wenn ihnen Hilfe angeboten wird

„Mein Kopf ist erkältet“, „Meine Leber ist kalt“ – die Mitarbeiter des ZTP müssen die Schilderungen der Patienten entschlüsseln lernen, weiß auch die psychologische Leiterin Christina Härtel. Wichtig sei es genau hinzuhören und kulturspezifische Metaphern deuten zu können. Möglich machen das muttersprachliche Teams, in die Patienten so schnell wie möglich übergeben werden.

Im ZTP wird eine bedarfsgerechte Behandlung der psychischen Störungen eingeleitet. Die Mitarbeiter klären die Patienten aber auch über weitergehende psychotherapeutische Maßnahmen auf. „Viele kommen aus Ländern, in denen unser Krankheitsverständnis, das Psychologie- und Psychotherapiekonzept nicht vertraut sind“, weiß Dr. Pietsch.

Die Mitarbeiter des ZTP raten daher Pflegekräften, die geflüchtete Menschen versorgen, auch auf Zeichen von psychischen Leiden zu achten. Bei Stimmungschwankungen, Antriebsmangel, Unruhezustände oder somatoformen Beschwerden sollten die Beobachtungen im Team besprochen und gegebenenfalls weitere Schritte veranlasst werden.  Pietsch: „Meistens sind die Betroffenen dankbar, wenn Hilfe angeboten wird“. (ne)

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