Neue WHO-Empfehlungen HIV-Prophylaxe bei Säuglingen
- 08.10.2025
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Die Weltgesundheitsorganisation hat neue Empfehlungen zur HIV-Prophylaxe bei Kindern von Müttern, die mit HIV leben, ausgesprochen – denn je nach Viruslast sieht die Medikation unterschiedlich aus. Das Stillen sei laut der WHO kein Problem – sofern einige Faktoren berücksichtigt werden.
Die Raten einer vertikalen HIV-Übertragung sind noch immer hoch und es kommt vermehrt zu neuen kindlichen Infektionen während der postnatalen Phase. Mittlerweile stehen Optionen für eine sichere Dosierung einer antiretroviralen Therapie (ART) während der neonatalen Phase zur Verfügung, konstatierte Dr. Francoise Renaud, Weltgesundheitsorganisation (WHO), Genf.
Wie sie bei der diesjährigen Conference on HIV Science der International Aids Society (IAS) berichtete, sprach die WHO neue Empfehlungen für die postnatale Prophylaxe bei Säuglingen aus [1]. Für Kinder mit HIV-Exposition aber niedrigem Risiko empfiehlt die WHO bevorzugt eine sechswöchige Prophylaxe mit Nevirapin (NVP), alternativ mit Dolutegravir (DTG) oder Lamivudin (3TC).
Diejenigen mit hohem Risiko sollen ein Regime aus drei Medikamenten für sechs Wochen erhalten, bevorzugt mit Abacavir (ABC), 3TC und DTG. Während der Stillzeit sollte die Therapie mit einer Einzelsubstanz fortgeführt werden, bevorzugt mit NVP, alternativ mit DTG oder 3TC. Für DTG-enthaltene Formulierungen stehen zudem neue Dosierungen für Kinder zur Verfügung.
Was blieb gleich?
Zwei Empfehlungen zur ART-Initiierung bei schwangeren und stillenden Frauen haben sich in den aktuellsten WHO-Empfehlungen nicht geändert. So soll eine ART dringend bei allen schwangeren und stillenden Frauen, die mit HIV leben, initiiert werden – auch, wenn die Schwangerschaft weit fortgeschritten ist und auch nach der Geburt. „Die Reduktion der maternalen Viruslast ist der effektivste Weg, eine vertikale HIV-Übertragung zu verhindern“, so Renaud.
Auch die Risikostratifizierung blieb unverändert. Demnach ist die maternale Viruslast der bedeutendste Faktor, wenn es darum geht, das Risiko einer vertikalen Übertragung zu definieren. In die Gruppe der Säuglinge mit einem hohen Risiko für HIV-Infektionen fallen diejenigen, die von Frauen mit HIV-Infektion geboren wurden,
- die weniger als vier Wochen vor der Geburt eine ART erhalten haben
- die eine Viruslast von mehr als 1.000 Kopien pro Milliliter haben
- deren HIV-Infektion während der Schwangerschaft oder Stillzeit aufgetreten ist
- deren HIV-Infektion erstmals während der Postpartum-Zeit identifiziert wurde, mit oder ohne negativen pränatalen HIV-Test
Das gilt für's Stillen
Bei maternaler viraler Suppression und einer kindlichen postnatalen Prophylaxe (PNP) sei das Risiko einer vertikalen HIV-Übertragung gering, erklärte Renaud. Manche Länder mit hohem Einkommen hätten sich aber konsistent gegen das Stillen ausgesprochen, wenn die Mütter mit HIV infiziert sind. Allerdings unterstütze die WHO in Zeiten moderner ART- und PNP-Strategien einen Ansatz, der die Entscheidungsfreiheit der Mütter fördert. Die Expertinnen und Experten empfehlen daher, Stillen als eine Option anzubieten, wenn die Mutter eine ART erhält und viral supprimiert ist.
Renaud verwies abschließend auf online verfügbare Informationen zu Kindern und Jugendlichen, die mit HIV leben [2]. Diese beinhalten Interventionen, neue Überlegungen, zentrale Lücken und wichtige Maßnahmen.