PSYCH up2date 2024; 18(03): 253-267
DOI: 10.1055/a-2094-0065
Störungsübergreifende Themen und Methoden

Psychopharmaka in der Praxis: Ein Blick auf Antipsychotika

Johanna Seifert
,
Hannah B. Maier
,
Sermin Toto
,
Dominik Dabbert

Antipsychotika (AP) wurden ursprünglich entwickelt, um Symptome der Schizophrenie zu behandeln – heute werden sie auch häufig bei geriatrischen Patienten, v.a. bei Demenz Erkrankten, eingesetzt. Dieser Beitrag erläutert den Einsatz von AP bei Schizophrenie und Verhaltensauffälligkeiten bei Demenz gemäß den jeweiligen Behandlungsleitlinien. Auch die unerwünschten Wirkungen häufig verwendeter AP und ihre Behandlungsmöglichkeiten werden vorgestellt.

Abstract

Antipsychotic drugs were originally developed to treat the positive symptoms of schizophrenia (e.g., delusions, hallucinations). Nowadays, antipsychotic drugs are also commonly used in the treatment of geriatric patients, especially those suffering from dementia. When treating behavioural symptoms of dementia, the use of antipsychotic drugs should not be first choice and when they do present the best treatment option, they should not be used long-term. Patients suffering from schizophrenia, on the other hand, may require long-term treatment with antipsychotic drugs in order to avoid relapse. In the following, the use of antipsychotic drugs in the treatment of schizophrenia and behavioural symptoms in dementia according to the respective treatment guidelines will be explained. In addition, the pharmacological receptor profiles of frequently used antipsychotic drugs (e.g., risperidone, haloperidol, quetiapine, aripiprazole) are presented and the expected adverse drug reactions, such as extrapyramidal symptoms and hyperprolactinemia, are explained. Treatment options of the most common adverse drug reactions associated with antipsychotic drugs are also presented.

Kernaussagen
  • FGA und SGA verfügen über eine vergleichbare antipsychotische Wirksamkeit. SGA sind jedoch wahrscheinlich günstiger hinsichtlich der Negativsymptome einer Schizophrenie.

  • Das Verordnungsvolumen von AP hat in den letzten Jahren stark zugenommen, dabei sind v.a. die „Off-Label“-Anwendung sowie die Behandlung von Altenheimbewohnern äußert kritisch zu sehen.

  • Die zu erwartenden UAW eines APs können aus dem jeweiligen Rezeptorprofil abgeleitet werden. Ein starker Antagonismus am D2-Rezeptor erklärt einige der bekannten UAW wie EPS und Prolaktinerhöhung.

  • Stark anticholinerg wirksame AP wie Promethazin und Olanzapin, aber auch Biperiden, können bei geriatrischen Patienten eher ungeeignet sein. Ihre Anwendung kann das Risiko eines anticholinergen Delirs erhöhen.

  • AP verfügen über ein hohes Interaktionspotenzial mit Antihypertensiva, wodurch sie deren Wirkung verstärken können. Dies kann ggf. eine Dosisreduktion der beteiligen Arzneistoffe notwendig machen.

  • Während Frühdyskinesien gut auf eine Behandlung mit Biperiden ansprechen, ist Biperiden bei Spätdyskinesien und Akathisien wirkungslos und sollte vermieden werden.

  • Das Absetzen oder die Dosisreduktion eines APs bei Patienten mit einer Schizophrenie kann zu einer 60%igen Erhöhung des Rezidivrisikos beitragen. Das Ansprechen auf ein AP kann im Falle eines Rezidivs verschlechtert sein. Daher sollte die antipsychotische Therapie erst nach entsprechender Kosten-Nutzen-Abwägung verändert werden.

  • Eine antipsychotische Therapie bei demenzkranken Patienten sollte nicht die erste Wahl in der Behandlung von Unruhezuständen oder Verhaltensauffälligkeiten darstellen. Sollte sie dennoch für notwendig erachtet werden, sollte die Dosis möglichst niedrig und der Behandlungszeitraum möglichst kurz gehalten werden.



Publication History

Article published online:
03 May 2024

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