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26.07.2022 | Prävention | Nachrichten

Darmkrebs: Bayerisches Modellprojekt empfiehlt Vorsorge ab 30

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In Deutschland ist Darmkrebs die zweithäufigste Krebstodesursache. Etwa zehn Prozent der jährlichen Neuerkrankungen betreffen Menschen vor dem 50. Lebensjahr. Das bayerische Modellprojekt FARKOR zeigt nun, warum die Darmkrebsvorsorge bereits ab 30 Jahren angeboten werden sollte.

Krebsvorsorge Darmkrebs © Wolfilser / stock.adobe.comBei Menschen mit positiver Familienanamnese für Darmkrebs sind bereits ab einem Alter von 30 Jahren regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll. 

Die gesetzlichen Vorsorge-Leistungen zur Darmkrebsprävention beginnen im Alter von 50 Jahren. Doch etwa zehn Prozent der Neuerkrankten sind jünger. Dem Großteil dieser Fälle liegt ein familiäres oder erbliches Risiko zugrunde.

Auf Initiative der Felix Burda Stiftung hatten sich nahezu alle bayerischen Krankenkassen unter der Konsortialführung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) zur Durchführung des vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) Bundesregierung geförderten Modellprojekts FARKOR (2017-2021) zusammengeschlossen. Ziel des Projekts war es, ein vorhandenes familiäres Darmkrebsrisiko bei Versicherten im Alter von 25 bis 49 Jahren möglichst früh zu identifizieren, so dass diese Personen vor einer Darmkrebserkrankung bewahrt werden können und die Sterblichkeit bei unter 50-Jährigen gesenkt wird. Die wissenschaftlichen Ergebnisse des Modellprojektes wurden in München vom Konsortialführer und den Partnern vorgestellt.

Während in der Gruppe 50+ die Neuerkrankungen seit Einführung der gesetzlichen Vorsorge-Darmspiegelung zurückgingen, stiegen die Inzidenzen bei den 25- bis 49-jährigen seit 2002 um rund 11 Prozent an. „[…] Eine klare Erklärung hierfür gibt es noch nicht, aber eine Hypothese“, so Dr. Berndt Birkner, Kurator der Felix Burda Stiftung und Vize-Präsident des Netzwerk gegen Darmkrebs e.V. „Diese Hypothese betrifft das familiäre Risiko. Würde sich die Hypothese bestätigen, […] dann wird mit der Integration der FARKOR-Strategie in die Regelversorgung, tatsächlich eine Reduktion der Erkrankungen bei unter 50-jährigen erreicht“, so der Magen-Darm-Arzt.

„FARKOR nimmt dabei eine besondere Rolle unter den Innovationsprojekten ein, die wir als KVB mit begleiten“, erläutert Dr. Marcel Jedraßczyk von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). „Zum einen ist es die finanzielle Größe des Projektes [knapp 11 Mio. Euro]. Aber auch die Teilnahme fast aller bayerischen Krankenkassen ist hier ein Novum, das die Relevanz des Themas Darmkrebsvorsorge unterstreicht.“

Die Erkenntnisse aus FARKOR basieren auf einer breiten Datenbasis von rund 26.000 einfachen Familienanamnesen unter Arztbesucher*innen im Alter von 25-49 Jahren, die in der Regel aus anderen Gründen eine Haus- oder fachärztliche Praxis aufgesucht haben.

Die Ergebnisse im Einzelnen

Bei 22,3 Prozent dieser Patient*innen wurde die Familienanamnese positiv dokumentiert. 1.188 der Studienteilnehmer entschieden sich aufgrund dieses Risikos für einen immunologischen Stuhltest (iFOBT), 1.595 nahmen eine Darmspiegelung in Anspruch. So konnten bei 287 Teilnehmern Adenome, Vorstufen von Darmkrebs, gefunden werden. Das mittlere Alter lag bei 41,2 Jahren. Zudem wurden bei den symptomfreien Versicherten insgesamt 76 fortgeschrittene Adenome und vier kolorektale Karzinome (Darmkrebs) gefunden.

Das Überraschende: Adenome und fortgeschrittene Adenome treten bei FARKOR-Patient*innen mit positiver Familienanamnese im Alter 25-49 Jahren in ähnlicher Häufigkeit auf, wie bei Patient*innen der Normalbevölkerung ab 50 Jahren. Basierend auf diesen Analysen erscheint eine Vorsorge mittels Darmspiegelung im Abstand von zehn Jahren oder alternativ eine Früherkennung mittels iFOBT im Abstand von zwei Jahren – jeweils im Alter von 30 bis 70 Jahren – sinnvoll. FARKOR habe gezeigt, dass dieses Modell kosteneffektiv sein kann. Eine Senkung der Altersgrenze für die Vorsorgekoloskopie sowie den iFOBT auf 30 Jahre bei Personen mit positiver Familienanamnese erscheint laut den Konsortialpartnern daher sinnvoll in Bezug auf vermiedene Todesfälle und Kosten.

Prävention als Investition in die Zukunft

Assoc.-Prof. Dr. Gaby Sroczynski von der UMIT Tirol – Private Universität für Gesundheitswissenschaften und -technologie sagt mit Blick auf die ökonomischen Herausforderungen im Gesundheitssektor: „Präventionsmaßnahmen sollten gerade in diesem Zusammenhang immer mehr an Aufmerksamkeit gewinnen, da hierdurch deutliche Anteile der Krankheitslast und damit auch der Krankheitskosten langfristig oft vermeidbar sind.“ Und weiter: „Mit der Vermeidung insbesondere schwer gradiger Darmkrebsfälle sind neben einer Morbiditäts- und Mortalitätssenkung auch deutliche Kosteneinsparungen möglich.“ Sie spricht von einem Einsparungspotenzial von im Durchschnitt bis zu 400 Euro pro Person, wenn Menschen mit einem familiären Darmkrebsrisiko schon ab 30 Jahren an dem Darmkrebs-Früherkennungsprogramm teilnehmen würden.

Und Klaus Schwarzer von der AOK Bayern stellt fest: „Die Krebsvorsorge-Programme retten Leben und mindern Belastungen und Einschränkungen durch eine frühzeitig erkannte Erkrankung. Insbesondere bei Darmkrebs senkt die Vorsorge die Neuerkrankungsraten. Im Ergebnis ist die Investition in Früherkennungsuntersuchungen eine Investition für die Zukunft.“

Darmkrebsvorsorge unter 50 bald als Kassenleistung?

Schwarzer gibt sich hoffnungsfroh: „Damit diese Vorsorge in die Regelversorgung aufgenommen werden kann, ist eine Weiterentwicklung der Krebsfrüherkennungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses notwendig. Aufgrund der nunmehr vorliegenden positiven Ergebnisse des Innovationsfondsprojekts FARKOR rechnen wir mit einer positiven Empfehlung des Innovationsfondsausschusses zur Übernahme dieser Vorsorgemaßnahme bereits in jüngerem Alter in die Regelversorgung. (…) [In dem Fall] ist mit einer Erbringung und Abrechnung durch Ärzte im Rahmen der Regelversorgung in rund einem Jahr zu rechnen.“ (SK)

Mehr Informationen zum Modellprojekt finden Sie auf den Seiten der Felix Burda Stiftung.

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