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Vortrag zu seltener Herzerkrankung nach der Geburt Maternale Todesfälle verhindern

Eine seltene Herzerkrankung kann Mütter nach der Geburt in Lebensgefahr bringen. Forscherinnen der Medizinischen Hochschule Hannover haben neue Erkenntnisse gewonnen und wollen über die Erkrankung informieren, um mütterliche Todesfälle zu verhindern.

Deutschland gilt zwar als Land mit niedriger Müttersterblichkeit, doch Fachleute gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Eine mögliche Ursache für maternale Todesfälle ist die seltene und bislang wenig erforschte peripartale Kardiomyopathie (PPCM), eine Herzmuskelschwäche, die zwischen dem letzten Trimenon oder bis zu sechs Monate nach der Entbindung auftreten kann. Die Symptome reichen von Erschöpfung über Atemnot bis hin zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen.

Zusammenhang mit Stillhormon

An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wies das Team um Prof. Dr. Denise Hilfiker-Kleiner einen Zusammenhang zwischen dem Stillhormon Prolaktin und der PPCM nach. Dr. Melanie Ricke-Hoch, Leiterin der MHH-Arbeitsgruppe für Molekulare Kardiologie, führt diese Forschung fort. Ihr Ziel: Mehr Aufmerksamkeit für die Erkrankung schaffen, damit sie frühzeitig erkannt und behandelt wird.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Herrenhausen Late" im Xplanatorium Herrenhausen Hannover stellt Dr. Ricke-Hoch aktuelle Erkenntnisse zur Entstehung von PPCM vor und erklärt, wie Prävention, Diagnostik und Therapie künftig aussehen könnten. Die Teilnahme ist kostenfrei – während der Präsenzveranstaltung wird auch ein Livestream verfügbar sein.

Gefährdete Mütter bleiben oft unerfasst

Wie groß das Risiko ist, dass weitgehend unbekannte schwangerschaftsassoziierte Erkrankungen wie PPCM in der Statistik gar nicht auftauchen, zeigt eine Untersuchung der Charité Universitätsmedizin, die nun im Journal of Health Monitoring veröffentlicht wurde. Die Analyse von mehr als 2.300 Leichenschauscheinen in Berlin ergab: In rund drei Viertel der Fälle war nicht eindeutig vermerkt, ob die Frau schwanger war oder kürzlich entbunden hatte. Nur durch zusätzliche Informationen konnten 23 schwangerschaftsassoziierte Todesfälle identifiziert werden, von denen lediglich vier in die offizielle Statistik einflossen.

Ein bundesweiter Vergleich zeigte zudem erhebliche Unterschiede in der Dokumentation. Nur Bayern und Bremen folgen der WHO-Definition für mütterliche Todesfälle, die Müttersterblichkeit als den Tod einer Frau während der Schwangerschaft oder bis 42 Tage danach definiert. Sachsen-Anhalt erfasst den Schwangerschaftsstatus gar nicht. Viele Länder berücksichtigen wiederrum Zeiträume bis zu zwölf Monaten nach der Geburt.

Die Forschenden fordern auf Basis dieser Ergebnisse bundesweit einheitliche Leichenschauscheine, verbindliche Vorgaben zum Ausfüllen und regelmäßige Schulungen. Nur so könne verhindert werden, dass Todesfälle übersehen werden. Eine präzisere Erhebung könnte nicht nur die Dunkelziffer bei mütterlichen Todesfällen senken, sondern auch die Forschung zu seltenen Erkrankungen wie PPCM entscheidend voranbringen. (jr)

volkswagenstiftung.de

rki.de

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Eine Frau hat ihre Hände auf ihren Kopf und ihre Brust gelegt/© brizmaker / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)