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Besser hören – Bayern startet Projekt in Pflegeheimen

Altersschwerhörigkeit ist auch in der stationären Langzeitpflege ein unterbehandeltes Problem. Ein neues Projekt in Bayern soll in Pflegeheimen eine bessere Versorgung betroffener Menschen ermöglichen.

Seniorin (Symbolbild mit Fotomodell) © GordonGrand - FotoliaSchwerhörigkeit macht einsam. Auch in Pflegeeinrichtungen sind viele Senioren nicht ausreichend mit Hörhilfen versorgt. 

Mehr als 60 Prozent der über 60-Jährigen leiden Schätzungen zufolge unter Altersschwerhörigkeit. Allerdings sind nur etwa 15 Prozent der Betroffenen mit einer Hörhilfe versorgt. Mit dem Projekt „Hören und Kommunikation in Pflegeeinrichtungen“, will das bayrische Gesundheitsministerium im Verbund mit verschiedenen Pflegekassen gegen das Problem vorgehen.

Im Rahmen des Programms wird über einen Zeitraum von drei Jahren ein „Präventionsteam“ 75 Pflegeeinrichtungen in Bayern besuchen. In den Einrichtungen werden sogenannte Hörspezialisten weitergebildet, Pflegekräfte und Angehörige geschult sowie Betroffene mit Geräten versorgt und bestehende Versorgungen überprüft, teilte das Ministerium mit.

Hörprobleme  auch die Pflegequalität leidet

Die Verschlechterung des Hörsinns sei ein schleichender Prozess und bleibe lange Zeit unbemerkt, heißt es. Auch von den Betroffenen selbst würden Hörprobleme oft unterschätzt oder verdrängt – mit schwerwiegenden Auswirkungen: „Bleibt der fortschreitende Hörverlust unbehandelt, kann dies zu Isolation, einer Einschränkung der Mobilität und auch zu Depressionen führen“, erläuterte Gesundheitsminister Klaus Holetschek zum Start des Projekts.

Aber auch die Versorgung von Bewohnern wird durch Hörprobleme erschwert: „Gerade im Bereich der Pflege leidet die Qualität, wenn die Kommunikation zwischen Pflegekräften und Bewohnern mühsam und missverständlich ist“, so Holetschek.

Hochbetagte auf Unterstützung durch Dritte angewiesen

Dabei seien insbesondere hochbetagte Menschen im Bereich Hören und Kommunikation auf Unterstützung durch Dritte angewiesen. Die Handhabung von Hörhilfen und die Gewöhnung an Geräte falle mit zunehmendem Alter immer schwerer, betonte der Gesundheitsminister.

Angesiedelt ist das Präventionsprojekt am Blindeninstitut Würzburg, das von der Universität Köln wissenschaftlich begleitet wird. Seit 2016 gibt es in Bayern bereits das Präventionsprogramm „Gutes Sehen in Pflegeeinrichtungen“, das auf den Erfahrungen aus einem Modellprojekt fußt. (ne)


Bildnachweise
Schwerhörigkeit/© Philippe LERIDON / Fotolia