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08.03.2018 | Politik | Nachrichten

Nursing Now: WHO will Frauen in der Pflege fördern

Autor:
Matthias Wallenfels

In der Krankenpflege und der Geburtshilfe stehen weltweit Personalengpässe bevor, warnt die WHO. Mit der Kampagne "Nursing Now" rührt sie die Werbetrommel für einen besseren Zugang von Frauen zu diesen Berufen. In vielen Ländern sind die Hürden hoch.

Große Medienresonanz erfuhr der Start von "Nursing Now" in London. Dort eröffnete Kate, die Herzogin von Cambridge, trotz fortgeschrittener Schwangerschaft die Kampagne. In ihrer Eröffnungsrede sagte die Ehefrau des britischen Prinzen William: "Ich gratuliere und danke allen beruflich Pflegenden weltweit für das, was sie bei ihrer Arbeit jeden Tag leisten und erreichen."

Nursing Now bei Twitter

Bis 2030 werden neun Millionen Pflegekräfte fehlen

Doch was genau ist der Anlass für die Kampagne? Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden weltweit im Jahr 2030 neun Millionen Pflegekräfte und Hebammen fehlen.

Die WHO geht davon aus, dass 2030 insgesamt 71,8 Millionen Menschen im Gesundheitsbereich arbeiten müssten, um den weltweiten Bedarf zu decken - davon entfielen 37,2 Millionen auf Pflegekräfte und Hebammen, so die WHO in ihrem jüngst erschienenen Bericht "Nursing and Midwifery in the History of the World Health Organization 1948–2017".

Im Rahmen der auf drei Jahre angelegten globalen Offensive soll in Zusammenarbeit mit dem International Council of Nurses (ICN) die Gesundheitsversorgung verbessert werden – durch eine Profilschärfung und eine Besserstellung der Krankenpflege und Geburtshilfe.

Fünf Kernbereiche wollen WHO und ICN mit ihrer gemeinsamen Kampagne adressieren: So soll zum einen den Pflegerinnen und Hebammen – mehr als die Hälfte der Angehörigen der beiden fokussierten Versorgungsbereiche sind weiblich – im gesundheitspolitischen Kontext mehr Gehör verschafft werden, zum anderen wird für ein stärkeres finanzielles Engagement geworben – und damit um mehr staatliche wie private Investitionen in das bestehende Gesundheitspersonal sowie in potenzielle Arbeitskräfte.

In diesem Kontext kommt erschwerend hinzu, dass vor allem in vielen Entwicklungsländern Frauen der Zugang zu Bildung und damit zum Erwerb einer entsprechenden Berufsqualifikation zur Pflegekraft und/oder zur Hebamme verweigert oder zumindest mit hohen Hürden versehen wird.

Frauen bei Bildung oft außen vor

Die Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen wie der Gesundheit, der Erziehung oder der Wasserversorgung weltweit hat gezeigt, dass im Zuge dessen arme Menschen – und hier besonders Frauen – davon ausgeschlossen werden. Das geht aus einem im vergangenen Jahr im Vorfeld des 47. Weltwirtschaftsforums in Davos vorgestellten Bericht der internationalen Nothilfeorganisation Oxfam hervor.

Der dritte Eckpfeiler von WHO und ICN bei ihrer Kampagne "Nursing Now" ist die Forderung, mehr Pflegekräfte und Hebammen als Führungskräfte in den Gesundheitssystemen und den jeweiligen Gesundheitswirtschaften einzubinden.

Ergänzt werden soll dies mit der vierten Säule: der Forschungsförderung. Wissenschaftler sollen somit identifizieren, wo die Assistenzkräfte den meisten Einfluss im System ausüben könnten. Als fünfte Maßnahme setzen die beiden Partner auf den internationalen Vergleich via Best-Practices-Modellen in der Krankenversorgung.

Wie die WHO mitteilt, fußt die Kampagne auf Erkenntnissen, die im Zuge des 2016 erschienenen "Triple Impact Report" einer überparteilichen britischen Parlamentariergruppe zum Thema Global Health gewonnen wurden.

Die Autoren des Berichts kommen zu dem Schluss, dass eine gestärkte Position der Krankenpflege und Geburtshilfe nicht nur für die Weltgesundheit förderlich sein könnte, sondern auch – mit Blick auf den hohen Frauenanteil in diesen beiden Berufszweigen – zu einer besseren Gleichberechtigung der Geschlechter beitragen könne. Im Nebeneffekt sollen so auch die Wirtschaften gestärkt werden.

Erinnerung an Florence Nightingale

Mit der Abwicklung der Kampagne betraut ist die unabhängige gemeinnützige britische Stiftung Burdett Trust for Nursing. Nach deren Angaben soll bis zum Jahr 2020 unter anderem erreicht werden, dass alle Länder einen Plan zur Entwicklung von Krankenpflege und Geburtshilfe haben, mehr Gelder in diese beiden Versorgungsbereiche fließen und sich mehr Pflegekräfte sowie Hebammen in der Berufsausübung oder in der Ausbildung befinden.

Das Jahr 2020 ist dabei nicht zufällig gewählt. Denn dann steht der 200. Geburtstag der berühmten britischen Krankenschwester Florence Nightingale an, die als Begründerin der modernen westlichen Krankenpflege und als einflussreiche Reformerin des Sanitätswesens und der Gesundheitsfürsorge in Großbritannien gilt.

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