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Trauer um Rita Süssmuth Politikerin mit Mut und Haltung

Die frühere Bundestagspräsidentin und Bundesgesundheitsministerin Rita Süssmuth ist tot. Sie starb am 1. Februar im Alter von 88 Jahren. Zeit ihres Lebens kämpfte sie für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung – auch im Gesundheitswesen. 

© Malte Ossowski / SVEN SIMON / Picture AllianceRita Süssmuth: Die ehemalige Bundestagspräsidentin und Bundesgesundheitsministerin starb am Sonntag im Alter von 88 Jahren.
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Die CDU-Politikerin und frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist am Sonntag nach schwerer Krankheit verstorben. Ihr Lebenswerk war geprägt vom Einsatz für die Gleichstellung der Geschlechter und ein besseres soziales Miteinander. In Nachrufen danken zahlreiche Organisationen der Ausnahmepolitikerin und drücken ihre Hochachtung aus.

Gertrud Stöcker, langjährige Vizepräsidentin des DBfK, würdigte die Politikerin am Dienstag im Namen des Berufsverbands, dem Süssmuth stets verbunden war. Diese habe Frauenpolitik in Regierung und Gesellschaft sichtbar gemacht hat und ihr Gewicht gegeben – und das auch gegen Widerstände. Stöcker bezeichnete die CDU-Politikerin als Vorbild, in der Art, wie sie Politik machte,  auf Menschen zuging und Dinge einforderte.

Ihr frauenpolitisches Verständnis habe Süssmuth auch auf den Pflegeberuf übertragen. Sie warb dafür, soziale Berufe nicht kleinzureden, sondern als das zu behandeln, was sie sind: unverzichtbar für eine funktionierende Gesellschaft und keine „professionalisierte Mütterlichkeit.“ 

Stöcker hob Süssmuths Verständnis vom Pflegeberuf hervor. Dieses sei geprägt gewesen von einem hohen Qualitäts- und Professionalitätsgedanken. Bereits vor Jahrzehnten machte sich die Politikerin für eine akademische Ausbildung von Pflegelehrenden und professionell Pflegenden stark. Auch für eine selbstbestimmte Pflegeprofession, die die eigenen Interessen vertritt, habe sich Süssmuth eingesetzt. 

„Wir bekämpfen die Krankheit, nicht die Kranken“

Die Deutsche AIDS-Stiftung und die Deutsche Aidshilfe würdigten die großen Verdienste von Rita Süssmuth bei der Bekämpfung von HIV/AIDS. Mit ihr verliere Deutschland eine prägende Persönlichkeit und ein großes Vorbild für Engagement, Beharrlichkeit und eine klare Haltung gegen Diskriminierung. 

Unter dem Leitspruch „Wir bekämpfen die Krankheit, nicht die Kranken“ hatte Süssmuth in den 1980er Jahren als Bundesgesundheitsministerin die Weichen für einen solidarischen Umgang mit der HIV/Aids-Epidemie gestellt. Dabei musste sie sich gegen die Befürworter eines restriktiven Kurses vor allem in der eigenen Partei durchsetzen.  

„Rita Süssmuth stand für eine zutiefst menschenfreundliche Aids-Politik in Deutschland“, schreibt die Aidshilfe. Statt auf Ausgrenzung habe sie auf Aufklärung, Prävention und Partnerschaftlichkeit gesetzt. Indem sie den Weg einer „gesellschaftlichen Lernstrategie“ der klassischen Seuchenbekämpfung und Sündenbockmentalität vorzog, habe sie in der Krise Menschlichkeit und Weitblick gezeigt. Dieses Vorgehen habe sich später weltweit als erfolgreich in der Bekämpfung von HIV/AIDS erwiesen. (ne)

Bildnachweise
Rita Süssmuth (CDU), ehemalige Bundestagspräsidentin und Bundesgesundheitsministerin/© Malte Ossowski / SVEN SIMON / Picture Alliance