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01.07.2020 | Politik | Nachrichten

Pflege muss Thema in der EU werden

Deutschland übernimmt heute (01. Juli 2020) die EU-Ratspräsidentschaft. Der Deutsche Pflegerat sieht dies als eine große Chance für europaweite Verbesserungen im Gesundheitswesen, insbesondere für die pflegerische Versorgung der europäischen Bevölkerung.

Die Bewältigung der Corona-Krise hat im Gesundheitswesen wie auch im Pflegesystem europaweit Schwachstellen offengelegt, die jetzt analysiert und behoben werden müssen. Darauf  weist Irene Maier, Vize-Präsidentin des Deutschen Pflegerats e.V. (DPR), hin: „Europa muss daraus seine Lehren ziehen. Nur so können wir die Pflege für die Zukunft besser vorbereiten und damit die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung europaweit sichern. Deutschland muss die Pflege in der EU zum Thema machen.“

Zu den Themen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft müssen aus Sicht des Deutschen Pflegerats „neben der europaweiten Sicherung einer ausreichenden, qualitativ hochwertigen pflegerischen Infrastruktur, die Bereitstellung von Schutzausrüstung, europaweit finanzierte Pflegepersonal-Poolkonzepte sowie eine bessere Kommunikation und Abstimmung und europaweit qualitativ hochwertige Aus- und Fortbildungsinhalte für die Profession Pflege“ gehören. Europa sollte eine Einheit sein. In der Bewältigung der ersten Welle der Corona-Pandemie war Europa dies aber nicht“, macht Maier weiter deutlich. Die letzten Monate hätten erneut gezeigt, dass die Profession Pflege in viele Entscheidungen und Krisenstäbe nicht eingebunden ist. Auch komme Pflege bisher nicht vor, wenn vom digitalen Wandel gesprochen wird. Der Deutsche Pflegerat erwartet, dass während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft alle Bereiche der Pflege in die Zukunftstechnologien des digitalen Wandels eingebunden werden.

Gesundheitspolitische Schwerpunkte

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft wird gesundheitspolitisch vier Schwerpunkte haben: Aufbau einer strategisch positionierten europäischen Gesundheitsindustrie, Aufbau einer europäischen Reserve an Arzneimitteln, Impfstoffen, Testkits und Schutzausrüstung, Ausbau des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle und -vorbeugung (ECDC) zu einer europäischen „Gesundheits-Taskforce“ und Aufbau einer sicheren europäischen Dateninfrastruktur auch für den Austausch von Gesundheitsdaten. (deutscher-pflegerat.de)

So geht der Ratsvorsitz

Rat der Europäischen Union: Die Länder der Union übernehmen im halbjährlichen Wechsel die Ratspräsidentschaft. Zuletzt hatte Deutschland den Vorsitz 2007.

Trio-Präsidentschaft heißt, dass Deutschland die Arbeit mit Portugal und Slowenien koordiniert, die die beiden Präsidentschaften 2021 innehaben. Anfang 2022 folgt Frankreich.

Die Ratspräsidentschaft organisiert und leitet die geschätzt 1.500 Arbeitstreffen in rund 200 Arbeitsgruppen im kommenden Halbjahr.

Die Themen der deutschen Präsidentschaft werden stark von der Corona-Pandemie bestimmt. Dazu kommen der Finanzrahmen (Haushalt), Klimaschutz, Digitalisierung, Rechtsstaatlichkeit und die Europa-Außenpolitik.

Ministerrat ist ein anderer Begriff für Rat der Europäischen Union. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat seine Kollegen bereits für Mitte Juli nach Berlin eingeladen.

In Trilogverhandlungen zwischen Rat, Europäischer Kommission und Parlament wird die europäische Gesetzgebung verhandelt.

(Quelle Ärztezeitung)

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