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PolitTalk Hamburg: Pflegesituation vor Ort kontrovers diskutiert

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Pflegeberufekammer nicht in Sicht, Ausbildung mangelhaft, die Pflege im Krankenhaus prekär. Darüber setzten sich beruflich Pflegende bei dem vom DBfK Nordwest initiierten virtuellen Lifetalk mit den gesundheitspolitischen Sprecherinnen und Sprechern der in der Hamburger Bürgerschaft vertretenen Parteien auseinander.

Eines der „heißen“ Themen ist die Pflegeberufekammer. In dem Austausch am 23. Oktober machten sich die Vertreter der Pflege ausnahmslos für die Einführung einer Pflegeberufekammer in Hamburg stark. Diese ist nach wie vor umstritten, obwohl die Option auf einen Neustart im Koalitionsvertrag vorgesehen ist. Die Politiker und Politikerinnen äußerten jedoch Bedenken hinsichtlich der Akzeptanz. Rückhalt fanden die Pflegenden nur beim Vertreter von Bündnis 90/Die GRÜNEN, Linus Jünemann, der die Notwendigkeit einer Kammer für Pflegefachpersonen als Körperschaft des öffentlichen Rechts sieht und das Akzeptanzproblem in der Berufsgruppe durch absolute Transparenz und Klarheit hinsichtlich der Kammerbefugnisse lösen will. „Was nicht zielführend ist, ist eine Reduktion der Kammerdiskussion auf Beiträge und Pflichtmitgliedschaft“, sagte  Swantje Seismann-Petersen, stellvertretende Vorsitzende des DBfK Nordwest. Sie sieht die Politik „in der Verantwortung, die pflegerische Versorgung der Bevölkerung auf einem hohen Niveau zu gewährleisten. Und genau dafür wird sie die Kammer brauchen.“

Corona verschärft Probleme in Ausbildung und auf Station

Zur Sprache kamen außerdem die Probleme in der Ausbildung, die durch COVID-19 drastisch verschärft wurden. Der Spagat zwischen der digitalen und der analogen Lehre misslang häufig wegen unzureichender elektronischer Ausrüstung. Hier wurde die fehlende Unterstützung von Seiten der Politik bemängelt. Weiterhin machten Auszubildende deutlich, dass es keine Testungen beim kritischen Übergang vom praktischen in den theoretischen Unterricht gebe, dass die Schutzausrüstung in vielen Bereichen mangelhaft sei und dass Auszubildende im Krankenhaus völlig fachfremd im Sicherheits- und Ordnungsdienst eingesetzt würden, um entsprechende Kosten zu sparen.

Die Pflege im Krankenhaus ist nach wie vor dominiert von Personalnot, schlechter Ausstattung, ständigem „Holen aus dem Frei“ und unnötiger Mehrfachdokumentation. Pflegende von den Stationen machten deutlich, dass die Situation keineswegs neu ist, sondern durch Corona erst richtig deutlich wird. Sie seien nicht nur die größte Berufsgruppe, sondern auch die am „besten ausgenutzte“.

Konkrete Forderungen an die Politik

Die Pflegenden äußerten klar, was sie von der Politik erwarten: ernsthafte Wertschätzung, dauerhaft bessere Bezahlung und einheitliche Direktiven an die Gesundheitsämter beim Umgang mit COVID-19, insbesondere in Bezug auf Teststrategien, Quarantäneregelungen und Isolierungsmaßnahmen.

„Wir konnten gemeinsam deutlich machen, wo der Schuh gerade unter den jetzigen Bedingungen drückt“, resümiert Swantje Seismann-Petersen den virtuellen Livetalk. „Nun erwarten wir, dass die politischen Sprecherinnen und Sprecher ihrerseits zügig Maßnahmen ergreifen, die zur Verbesserungen der Situation für beruflich Pflegende beitragen.“ (sk)

Hier können Sie den PolitTalk Hamburg anschauen:

https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=739341096621225&id=136943566336600



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Hamburg/© Hamburg Tourismus GmbH