Offener Brief Verbände drängen auf Tempo bei Pflegereform
- 06.03.2026
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Der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege (DEVAP) hat sich mit einem offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil gewandt. Unterstützt von mehr als 100 Organisationen kritisiert der DEVAP die aktuelle Pflegepolitik und fordert zeitnah eine große Reform.
Bereits Ende November hatte der Verband in einem offenen Brief Kanzler und Vizekanzler auf die prekäre Lage der Langzeitpflege hingewiesen. Leider liege die in Aussicht gestellte Antwort bisher nicht vor, heißt es in dem neuen Schreiben vom 4. März. Damit sei wertvolle Zeit verstrichen für dringend notwendige Reformen.
Verbindliche Roadmap gefordert
Wie der DEVAP betont, greifen die im Dezember veröffentlichten Reformpläne des „Zukunftspakts Pflege“ zu kurz. „Es muss jetzt der Mut für eine große sektorenübergreifende Pflegereform gefasst werden. Jetzt müssen die Weichen für die Sicherung der pflegerischen Versorgung gestellt werden“, erklärt Anna Leonhardi vom Vorstand des Trägerverbands.
Die unterzeichnenden Organisationen drängen auf eine Absicherung der Leistungen für Pflegebedürftige, einen schnelleren Einsatz internationaler Pflegekräfte sowie eine sichere Refinanzierung der Pflege.
Es brauche eine verbindliche Roadmap, die kurz-, mittel- und langfristige Reformschritte definiert, so Leonardi weiter. Um das System „neu zu denken“, müsse zudem noch in diesem Jahr ein Pflegegipfel auf Bundesebene stattfinden.
Auch der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) stellt sich hinter die Forderungen. „Wenn es um die sichere Versorgung der Bürgerinnen und Bürger geht, dann ist das Chefsache“, erklärt bpa-Präsident Bernd Meurer. Der Brief von mehr als hundert Akteuren der Pflege sei ein „wichtiges Signal.“
Pflege wahlentscheidend
Den zweiten offenen Brief haben nach Angaben des DEVAP noch deutlich mehr Akteure und Betroffene unterzeichnet als das erste Schreiben. Damit repräsentiere man den „überwiegenden Teil der Pflegelandschaft“. Der Verband betont die enorme gesellschaftspolitische Bedeutung der Pflege. Jeder sechste Mensch in Deutschland sei direkt oder indirekt von Pflege betroffen. Das mache die Pflege zu einem wahlentscheidenden Thema. (ne)