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21.09.2017 | Politik | Nachrichten

Forensiker untersuchen immer häufiger Flüchtlinge

Rechtsmediziner analysieren bekanntlich nicht nur Leichen. Mehr und mehr werden sie gerufen, um bei Flüchtlingen mögliche Folterspuren und das Alter zu untersuchen.

© WoGi / stock.adobe.com

Viele Flüchtlinge geben an, in ihren Heimatländern gefoltert worden zu sein. "Im Asylverfahren wird ihnen in aller Regel erst mal nicht geglaubt", sagt Ritz-Timme. Lange habe auch die Meinung vorgeherrscht, bei alten Narben seien keine genauen Rückschlüsse auf die Entstehung mehr möglich. "Das ist aber in vielen Fällen gar nicht so."

Systematische Untersuchung gefordert

Die Düsseldorfer Rechtsmedizin macht sich besonders stark für Folteropfer. In einer "Düsseldorfer Erklärung" forderten Mediziner eine systematische und interdisziplinäre Begutachtung von Folterüberlebenden und mehr Hilfe für sie.

Neben einer körperlichen Untersuchung müssen sich die Ärzte präzise von den oft traumatisierten Betroffenen erzählen lassen, was ihnen zugefügt wurde. Wo genau sind die glühenden Zigaretten ausgedrückt worden? Was ist über den Körper gegossen worden?

Der Bericht wird nach internationalen Standards mit den Narben auf Plausibilität abgeglichen: Doppelstriemige Hautunterblutungen weisen auf Stockschläge hin, Narben mit unregelmäßigem, kurvigen Verlauf auf Schläge mit Drahtkordeln. Allerdings: Viele Foltermethoden wie etwa Waterboarding oder Schlafentzug hinterlassen keine körperlichen Spuren.

Altersnachweise für Geflüchtete

Angesichts der vielen unbegleiteten jungen Flüchtlinge ohne Ausweispapiere werden Rechtsmediziner auch verstärkt um Altersschätzungen gebeten. Erlaubt ist das nur im Rahmen eines Strafverfahrens wie derzeit im Freiburger Prozess um den Mord an einer Studentin. Dazu gehören Röntgenaufnahmen des Gebisses und des Handwurzelknochens sowie Computertomografien der Schlüsselbeingelenke. "Die Gelenk-Enden der Schlüsselbeine verknöchern am spätesten im Leben", sagt Ritz-Timme.

Altersschätzungen bei jungen Flüchtlingen ohne strafrechtlichen Hintergrund werden jedoch als unethisch, zu belastend und ungenau kritisiert. Stattdessen forschen die Mediziner nun daran, wie man über einen Mundschleimhaut-Abstrich und die dadurch gewonnene DNA das Alter präzise bestimmen könnte. (dpa)

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