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14.07.2017 | Politik | Nachrichten

Fachkräftemangel in der Pflege: Wer ist schuld?

In der Pflege fehlen Fachkräfte. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Wie ernst die Lage ist, haben Berichte in den vergangenen Wochen deutlich gemacht. Im Vergleich mit anderen Berufsgruppen sind Pflegende zum Beispiel länger krank als Angehörige anderer Berufsgruppen. Das verschärft die Personalnot zusätzlich.

Doch was sind die Ursachen dieser Misere? Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) sieht die Verantwortung bei Politik und Wirtschaft. Dort getroffene Fehlentscheidungen zeigten jetzt Wirkung. "Es wird immer schwieriger, Stellen mit Pflegefachpersonen zu besetzen. Das liegt aber nicht an einem generellen Mangel an qualifizierten Personen, sondern an der abnehmenden Bereitschaft qualifizierter Pflegender, die prekären Arbeitsbedingungen hinzunehmen", sagt DBfK-Bundesgeschäftsführer Franz Wagner.

Altenpflege: Offene Stellen bleiben ein halbes Jahr unbesetzt

In der Altenpflege ist der Mangel besonders stark ausgeprägt. Aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zufolge kommen hier auf 100 freie Stellen nur 32 arbeitslos gemeldete Altenpflegerinnen und Altenpfleger. Um eine Position zu besetzen, braucht es im Schnitt 167 Tage, also fast ein halbes Jahr. In der Gesundheits- und Krankenpflege kommen 69 Arbeitslose auf 100 offene Stellen; Jobs sind bleiben 140 Tage vakant.

"Arbeitgeber und Politik ernten nun, was sie gesät haben. Jahrelang ist die Pflegepersonalausstattung grob vernachlässigt, die überfällige Ausbildungsreform unnötig verschleppt worden und falsche, rein ökonomische Prioritäten haben den Beruf ausbluten lassen", heißt es vonseiten des DBfK.

Verbesserung der Stellenschlüssel "wird Geld kosten"

Wie könnte sich die Situation verbessern? Geringere Ausbildungsstandards seien der falsche Weg, um mehr Personal für die Pflege zu finden, argumentiert der DBfK. Der Berufsverband fordert stattdessen: "Die Arbeitsbedingungen müssen sich spürbar verbessern. Das bedeutet zuallererst eine deutliche Anhebung der Stellenschlüssel." Dies ließe sich durch eine Absenkung der Teilzeitquote, einen Abbau von Krankenhausbetten und die Rückgewinnung von Pflegefachpersonen, die den gewählten Beruf enttäuscht verlassen haben, erreichen. Allerdings: "Geld wird es auch kosten!"

Bisher, so der Berufsverband, zahlen die Menschen, die Pflege brauchen, den Preis für fehlende Pflege. Ist ihr Leid oder gar ein vorzeitiger Tod ausgeglichene Bilanzen oder gar eine zweistellige Dividende Wert? Bisher offensichtlich ja. "Das muss sich jetzt ändern", heißt es beim DBfK. (jk)

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