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Wenn Pflegeleistungen wegfallen müssen Pflegende mit Entscheidungen nicht allein lassen

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Die Ethikkommission für Berufe in der Pflege Niedersachsen rückt die verdeckte Rationierung von Pflegeleistungen in den Fokus. Das Problem müsse klar benannt und angegangen werden - auch um Pflegefachpersonen zu schützen. 

Kompass mit Icon Ethik © Zerbor / stock.adobe.comIm Berufsalltag ringen Pflegefachpersonen täglich mit dem Dilemma, abwägen zu müssen, was fachlich notwendig und praktisch machbar ist. (Foto: Zerbor / stock.adobe.com)

Zeit- und Personalmangel prägen fast überall den Pflegealltag. Für Pflegefachpersonen bedeutet das häufig: Sie müssen fachlich notwendige Maßnahmen verschieben, verkürzen oder ganz weglassen. Da verbindliche Leitlinien fehlen, treffen sie diese Entscheidungen oft allein und im Stillen, berichtet die Ethikkommission für Berufe in der Pflege Niedersachsen

Unerledigte Pflegeleistungen als berufsethisches Dilemma 

Diese verdeckte Rationierung widerspreche nicht nur den Grundwerten des Berufs. Die ständigen Konflikte hätten bei den Pflegekräften auch moralische Belastung, Erschöpfung oder sogar einen Berufsausstieg zur Folge. Langfristig drohe eine schleichende Deprofessionalisierung, warnt das Gremium. 

In ihrer zweiten Empfehlung veranschaulicht die Kommission exemplarisch, wie Pflegefachpersonen täglich mit ethischen Dilemmata ringen und zwischen fachlicher Notwendigkeit und praktischer Machbarkeit abwägen. Beruflich Pflegende dürften mit den Folgen des Ressourcenmangels nicht allein gelassen werden, heißt es. Vielmehr seien sie darin zu stärken, mit Ressourcenknappheit ethisch reflektiert umzugehen.

Es braucht ethisch transparente Entscheidungsprozesse

Ein zentrales Plädoyer der Empfehlung lautet daher: Verdeckte Rationierungen sind zu benennen und in transparente, ethisch begründete Entscheidungsprozesse zu überführen. Unerlässlich dafür ist aus Sicht der Kommission die Einbeziehung von Pflegebedüftigen, An- und Zugehörigen sowie ein strukturiertes Vorgehen auf Organisationsebene. Nur so lasse sich einer ungerechten oder gar diskriminierenden Ressourcenverteilung entgegenwirken. Aufgabe von Politik und Pflegeorganisationen sei es, die strukturellen Voraussetzungen für eine faire und qualitativ hochwertige Pflege zu schaffen. 

Die Ethikkommission für Berufe in der Pflege Niedersachsen wurde 2023 eingerichtet. Sie fungiert als Anlaufstelle für professionell Pflegende bei ethischen Fragen und gibt Empfehlungen für aktuellen Probleme in der Pflegepraxis. (ne)


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