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14.11.2017 | Politik | Nachrichten

DIP: Mit Milliarden gegen die Pflegekrise

Rasche und spürbare Lösungen für die Dauerkrise in der Pflege fordert das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung (DIP) von der künftigen Regierung. Dazu sei ein Masterplan notwendig, für den gilt: Klotzen statt kleckern. 

Topf voll Geld © Tatjana Balzer / stock.adobe.comKlotzen statt Kleckern: 12 Milliarden Euro jährlich sollen die Reformen kosten, die die DIP-Forscher vorschlagen.

„Die Menschen in Deutschland wollen schnellstmöglich umfassende Reformen in der Pflege und sind für spürbare Verbesserungen auch bereit, mehr zu zahlen“, erklärte Professor Frank Weidner, Leiter des DIP, gestern in Köln. Die künftige Regierung müsse die Dauerkrise in der Pflege endlich beenden und schon in den laufenden Verhandlungen die Weichen stellen. Die Forscher des DIP schlagen einen dreischrittigen Masterplan vor. Dessen Ziel ist es, die Vergütung in der Pflege um bis zu 30 Prozent anzuheben und in der neuen Legislatur bis zu 100.000 neue Pflegestellen zu schaffen.

Wer was erreichen will, muss klotzen statt kleckern

Weidner betonte: „Deutschland braucht einen Masterplan Pflege! Wer da was erreichen will, muss jetzt klotzen und nicht kleckern“. Die aktuelle Kassenlage gäbe das her.

Konkret sehen die Kölner Pflegeforscher folgende Schritte vor:

  • Zunächst soll bereits im Koalitionsvertrag ein Masterplan Pflege verankert werden. Schwerpunkte: Bessere Rahmenbedingungen für die Pflege mit einem Anstieg der Vergütungen um bis zu 30 Prozent sowie bis zu 100.000 zusätzlichen Stellen. Dafür sei auch die Zahl der Auszubildenden erheblich zu steigern. Außerdem sollen Mittel für Forschung, Innovation und hochschulische Pflegeausbildung eingeplant werden.
  • In einem zweiten Schritt ist 2018 zeitnah ein runder Tisch Masterplan Pflege einzurichten. Bis Ende 2018 soll dieser unter anderem die notwendigen Gesetzesänderungen auf den Weg bringen.
  • Im dritten Schritt werde der Masterplan 2019 umgesetzt mit einem spürbaren Anstieg der Vergütungen ab Mitte 2019 und der Schaffung neuer Pflegestellen ab 2020.

Die Kosten für ihren Masterplan schätzen die Pflegeforscher auf rund 12 Milliarden Euro jährlich ab dem Jahr 2020. Finanziert werden sollen sie zu gleichen Teilen von den Kranken- und Pflegeversicherungen durch entsprechende Beitragssatzsteigerungen/-umschichtungen sowie durch zusätzliche Steuermittel von Bund und Ländern.

Woher sollen die zusätzlichen Pflegekräfte kommen?

Den Einwand, es gäbe zurzeit gar kein Personal, um zusätzliche Stellen in der Pflege zu besetzen, lassen die Pflegeforscher nicht gelten. „Dieses Argument wird in der Debatte immer wieder gerne instrumentalisiert“, sagte Professor Michael Isfort, Leiter der Abteilung Pflegearbeit und -beruf im DIP. Hier würden Ursache und Wirkung miteinander verwechselt. Aber: Potenziale in der Pflegeausbildung seien in der Vergangenheit nicht hinreichend genutzt worden und mit ursächlich für die Zuspitzung der Beschäftigungsbedingungen. Bei konsequenter Umsetzung des Masterplans rechnen die Forscher rasch mit einer Verringerung der Teilzeitquote sowie der Rückgewinnung von Kräften aus der „stillen Reserve“. Mittel- und langfristig würden sich auch Ausbildung und Beschäftigung in der Pflege deutlich beleben. (ne)