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Gebündelte Kompetenz unter einem Dach Verbände fordern: Primärversorgung neu denken

Das „Praxisland“ Deutschland muss sich neu aufstellen, um die ambulante Patientenversorgung zu sichern. Das betont ein multiprofessionelles Bündnis und fordert die gesetzliche Verankerung von Primärversorgungszentren in die Regelversorgung. 

© FatCamera / Getty Images / iStockGebündelte Kompetenz unter einem Dach: Primärversorgungszentren können aus Sicht von DBfK, vdää* und VdPP zu einer besseren und patientenorientierteren Versorgung führen. © FatCamera / Getty Images / iStock

Die ambulante Patientenversorgung in Deutschland steht vor dem Kollaps. In nahezu jedem vierten Landkreis gilt die hausärztliche Versorgung heute bereits als gefährdet. In weiteren zwölf Prozent ist sie stark bedroht. Das geht aus einem Positionspapier hervor, das der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK), der Verein demokratischer Ärzt*innen (vdää*) und der Verein demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten (VdPP) veröffentlicht haben. 

Gemeinsam fordern die Verbände die Einführung und gesetzliche Verankerung von Primärversorgungszentren in die ambulante Primärversorgung. Deutschland dürfe nicht länger ausschließlich „Praxenland“ bleiben, heißt es. Klassische Einzel- und Gemeinschaftspraxen können die Versorgungslücken nicht schließen, sind die drei Verbände überzeugt. Es brauche multiprofessionelle Primärversorgungszentren, die eine koordinierte, patientenzentrierte Versorgung ermöglichen. 

Nutzen multiprofessioneller Versorgung klar belegt

Als Primärversorgungszentren definieren DBfK, vdää* und VdPP wohnortnahe Einrichtungen, die als Anlaufstelle bei allen Formen von gesundheitlichen Beschwerden dienen. Unter einem Dach sollen sie die Kompetenzen unterschiedlicher Gesundheitsberufe bündeln – von  Ärzt*innen,  Pflegefachpersonen – insbesondere Community Health Nurses (CHN) – bis hin zu Apotheker*innen und weiteren Gesundheitsberufen.
Gemeinsam übernehmen multiprofessionelle Teams ein breites Spektrum an Aufgaben wie die Bedarfserhebung, das Medikationsmanagement, Präventionsangebote oder die Vermittlung von Gesundheitskompetenzen.

Der Nutzen dieses multiprofessionellen Ansatzes sei klar belegt. So konnten internationale Studien eine Verbesserung der Versorgungsqualität nachweisen. Es sei höchste Zeit, sich von der Arztzentrierung zu lösen und den Weg für eine patientenzentrierte Versorgung in geteilter Verantwortung freizumachen. Anderenfalls drohten Versorgungsengpässe und Qualitätsverluste. 

Gesetzlicher Rahmen notwendig

DBfK-Präsidentin Vera Lux betont: „Ohne eine gesetzliche Grundlage für Primärversorgungszentren werden wir die Krise der ambulanten Versorgung nicht bewältigen. Pflegefachpersonen müssen in diesen Teams einen definierten Aufgabenbereich in eigener Verantwortung übernehmen können – das ist multiprofessionell ausgerichtete, zeitgemäße Versorgung.“

Neben der Einführung von Primärversorgungszentren fordern DBfK, vdää* und VdPP von Bund und Ländern die Bereitstellung der notwendigen Investitionsmittel. Auch die Kassenärztlichen Vereinigungen müssten sich finanziell beteiligen. Zudem sei ein einheitliches Vergütungssystem notwendig, das unabhängig vom Versicherungsstatus gleiche Behandlungsqualität für alle sicherstelle. (ne)
 

Bildnachweise
Medizinisches Personal mit Puzzleteilen/© FatCamera / Getty Images / iStock