Daten zur generalistischen Pflegeausbildung Pflegeverbände zufrieden, bpa bleibt ablehnend
- 30.07.2024
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Aktuelle Zahlen zur generalistischen Pflegeausbildung sorgen für ein gemischtes Echo: Während Pflegeverbände den Erfolg der Generalistik bestätigt sehen, sprechen die privaten Pflegeanbieter von einem „Irrweg“.
Am 24. Juli hat das Statistische Bundesamt erstmals Zahlen zur 2020 eingeführten generalistischen Pflegeausbildung vorgestellt. Demnach haben im vergangenen Jahr 33.600 Menschen den ersten Ausbildungsdurchgang erfolgreich absolviert. Die überwältigende Mehrheit (99%) entschied sich dabei für den generalistischen Abschluss als Pflegefachfrau bzw. Pflegefachmann.
Generalistik macht Pflegesystem widerstandsfähiger
Für DPR-Präsidentin Christine Vogler zeigen die Zahlen, dass die Absolvent*innen die „Vorteile der generalistischen Pflegeausbildung erkannt“ haben und die Ausbildung bei ihnen sehr gut ankommt. „Diese Ausbildung eröffnet ihnen vielfältige berufliche Perspektiven und stärkt sowohl ihre Karriereentwicklung als auch die Qualität der Pflege“, erklärte Vogler am Montag. Erstmals seien die Absolvent*innen in der Lage, in unterschiedlichen Versorgungsbereichen tätig zu sein. „Dies macht das Pflege- und Gesundheitssystem insgesamt stabiler und widerstandsfähiger.“
Der Pflegeberuf sei „attraktiver denn je“ geworden, so das Fazit der Ratspräsidentin. Die Generalistik sollte deshalb nicht mehr in Frage gestellt werden. Jetzt bestehe die Herausforderung darin, die Ausbildungssituation sowie den Personalmehrbedarf zu bewältigen. Wie viele andere Ausbildungsberufe stecke auch der Pflegeberuf in der „demografischen Falle“.
Ausbildung ist beliebt
Die Pflegekammer Rheinland-Pfalz sieht durch die Zahlen ebenfalls den Erfolg der generalistischen Ausbildung bestätigt. Die Pflegeausbildung sei beliebt, hieß es mit Verweis auf die 2023 um vier Prozent gestiegene Zahl neuer Ausbildungsverträge. Dennoch bleibe es weiterhin eine Herausforderung, eine ausreichende Zahl an Auszubildenden zu finden und diese langfristig an den Pflegeberuf zu binden.
Hier könnten auch die Unternehmen selbst die Weichen neu stellen, unterstrich Kammerpräsident Markus Mai. Andere Rahmenbedingungen, wie z.B. flexible Arbeitszeitmodelle, eine Feedbackkultur und Wertschätzung, mehr Autonomie über die eigenen Arbeitsabläufe und Entscheidungen müssten in den Fokus rücken.
Altenpflege als großer Verlierer
Für den Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) hingegen ist die Altenpflege der große Verlierer der Generalistik. „Dass sich gerade einmal 100 Menschen für einen vertieften Abschluss in der Altenpflege entschieden haben, macht deutlich, dass wichtige Gruppen wie weiterbildungswillige Hilfskräfte oder Berufsumsteiger vergrault wurden“, erklärte Verbandspräsident Bernd Meurer.
Aus Sicht des Arbeitgeberverbands ist die Generalistik nicht geeignet, um das notwendige dynamische Wachstum bei der Ausbildung von Pflegekräften zu generieren. Dass jetzt bereits eine „Beinahe-Stagnation“ der Ausbildungszahlen als Erfolg gewertet werde, zeige, welcher Irrweg die Generalistik sei, so Meurer weiter. (ne)