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21.12.2017 | Originalien | Ausgabe 5/2018

Notfall +  Rettungsmedizin 5/2018

Point-of-care-Gerinnungsdiagnostik beim Schwerverletzten

Möglicher Nutzen der Blutgasanalyse im Schockraum − Eine Monozentrische Untersuchung

Zeitschrift:
Notfall + Rettungsmedizin > Ausgabe 5/2018
Autoren:
DEAA Dr. P. Hilbert-Carius, G. O. Hofmann, R. Stuttmann, V. Hofer

Zusammenfassung

Hintergrund

Die aktuellen europäischen und deutschen Traumaleitlinien fordern eine frühe Diagnose und Therapie einer traumatischen Gerinnungsstörung. Vor diesem Hintergrund scheinen Point-of-Care-Verfahren (POC-Verfahren) von besonderem Interesse zu sein. Besonders viskoelastische Testverfahren scheinen hier sinnvoll, sind jedoch nicht routinemäßig in vielen Traumazentren verfügbar. Hingegen verfügen die meisten Traumazentren über eine POC-Blutgasanalyse (POC-BGA) im Schockraum und somit über die Möglichkeit, auch Hämoglobin innerhalb von Minuten zu bestimmen.

Fragestellung

Wir untersuchten mittels POC-BGA ermittelte Laborparameter bezüglich eines Zusammenhangs mit Standardlaborparametern der Gerinnung, um diese möglicherweise für die initiale Gerinnungstherapie nutzen zu können.

Methode

In einer retrospektive Analyse der primär zugewiesenen Traumapatienten im Zeitraum von 2010 bis 2015 bestimmten wir den Korrelationskoeffizienten nach Spearman (rho) zum Nachweis möglicher Zusammenhänge zwischen Schockraum-Hb (SR-Hb) und allen Standardgerinnungsparametern. Alle Labor- und POC-BGA Parameter wurden direkt nach Schockraumaufnahme abgenommen. In einem zweiten Ansatz wurden alle Patienten mit bekannter Antikoagulanzientherapie und einem ISS < 16 ausgeschlossen. In einem dritten Schritt erfolgte die Ermittlung von Hb-Werten, die Hinweise auf niedrige (≤2 g/l bzw. 70 %) oder kritische (≤1,5 g/l bzw. 50 %) Fibrinogen- bzw. Quick-Werte geben.

Ergebnis

Von 670 aufgenommen Traumapatienten konnten 495 Patienten (45,9 ± 20,1 Jahre), 75 % männlich, ISS (28,8 ± 14,4), in die Untersuchung eingeschlossen werden. Mittels Spearman-Test konnte ein hochsignifikanter Zusammenhang (p < 0,001) zwischen dem SR-Hb und den untersuchten Globaltests, d. h. Quick, PTT, INR, Thrombinzeit, Fibrinogen sowie der Thrombozytenzahl und den D‑Dimeren nachgewiesen werden. Bei Ausschluss der Patienten unter Antikoagulation und ISS < 16 verbesserte sich die Korrelation. Bei einem Hb von <5,5 mmol/l (~8,8 g/dl) waren überwiegend niedrige, bei einem Hb von <4,0 mmol/l (~6,5 g/dl) meist kritische Gerinnungswerte für Fibrinogen und Quick nachweisbar.

Schlussfolgerung

Bei Traumapatienten zeigt sich zwischen POC-BGA-bestimmtem Schockraum-Hb und allen Standardgerinnungsparametern eine deutliche Korrelation. Aus diesem Grund ermöglichen die BGA im Schockraum anhand des Hb und der klinische Blick auf den Patienten frühzeitig die Abschätzung einer möglicherweise bestehenden Gerinnungsstörung. Bei Hb-Werten ≤5,5 mmol/l (~8,8 g/dl) und schwerverletztem Patient erscheint eine bestehende Gerinnungsstörung sehr wahrscheinlich und es sollte über eine mögliche Gerinnungstherapie nachgedacht werden.

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Literatur
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