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2016 | Pflegepraxis | Buch

Kompressionstherapie

Ein Überblick für die Praxis

verfasst von: K. Protz, J. Dissemond, K. Kröger

Verlag: Springer Berlin Heidelberg

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Über dieses Buch

Dieses Buch soll die Verbesserung der praktischen Durchführung der Kompressionstherapie mit den verfügbaren Therapieoptionen unterstützen. Unter Berücksichtigung der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse richtet es sich an alle, die am alltäglichen Versorgungsprozess von Patienten mit Kompressionstherapie beteiligt sind.

Die Kompressionstherapie wurde bereits in den frühesten Epochen der Menschheitsgeschichte für die Unterstützung von Kraft und Ausdauer genutzt und auch heute noch stellt sie eine nebenwirkungsarme Basis der Behandlung der meisten Patienten mit Ödemen dar.

Trotz dieser sehr langen Tradition zeigen aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse, dass die Versorgungsrealität in Deutschland erschreckend ist. Beim Umgang mit bewährten Materialien zeigen sich viele Wissensdefizite und Fehler. Viele der in den letzten 15 Jahren etablierten Therapieoptionen sind nicht bekannt und werden zudem zu selten genutzt.

Dieses Buch stellt nun die aktuellen Entwicklungen, Methoden, Maßnahmen und Produkte vor, die eine individualisierte Kompressionstherapie ermöglichen. Es ist ein praxisnaher Wegweiser durch das weite Themenfeld der Kompressionstherapie, in dem sich für fast jeden Patienten eine passende Versorgung finden lässt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
1. Grundlagen der Phlebologie und Lymphologie
Zusammenfassung
Neben den Arterien stellen die Venen und die Lymphgefäße die wichtigen Leitstrukturen für den Kreislauf dar. Die gesamte Blutmenge, die das arterielle Gefäßsystem in den Körper hinein transportiert (etwa 5 l pro Minute oder 7200 l pro Tag) muss über die Venen und Lymphgefäße wieder zum Herzen zurücktransportiert werden. Das meiste Blut fließt dabei über die Venen und nur ein Bruchteil über das Lymphsystem. Dieser Bruchteil summiert sich über den Tag auf etwa 2–3 l.
Knut Kröger
2. Pathophysiologie des Ulcus cruris venosum
Zusammenfassung
Der Fachbegriff »Ulcus« beschreibt einen tiefen Gewebedefekt, der synonym auch als Geschwür bezeichnet wird. Mit »cruris« (crus = Kreuz) wird dann die Loka lisation am Unterschenkel beschrieben. In Deutschland haben oder hatten mindestens 1 Mio. Menschen ein Ulcus cruris unterschiedlicher Genese. Die Ursachen für die Entstehung des Ulcus cruris können vielfältig sein (► Kap. 3). Die häufigste Ursache in Europa ist die chronisch venöse Insuffizienz (CVI) (► Abb. 2.1). Die resultierende chronische Wunde wird dann korrekt als Ulcus cruris venosum (UCV) bezeichnet.
Joachim Dissemond
3. Abgrenzung des Ulcus cruris venosum zu anderen Differenzialdiagnosen
Zusammenfassung
In den westlichen Industrienationen leidet etwa 1–2 % der erwachsenen Bevölkerung unter chronischen Wunden unterschiedlicher Genese. Die häufigsten Manifestationen chronischer Wunden sind das diabetische Fußulkus (DFU), Wu nden bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK), Dekubitus (»Durchliege-, Druckgeschwür«) und das Ulcus cruris venosum (UCV, »Venengeschwür«, ► Kap. 2).
Joachim Dissemond
4. Indikationen und Kontra indikationen der Kompressionstherapie
Zusammenfassung
Indikationen der Kompressionstherapie sind alle venösen und lymphatischen Erkrankungen, deren Folge Ödeme der Beine sind. Indiziert für die Anlage einer Kompressionstherapie sind: chronisch venöse Insuffizienz (CVI), primäre und sekundäre Varikosis, Thrombophlebitis, postthrombotisches Syndrom (PTS), tiefe Beinvenenthrombose, Lip-/Lymphödeme, Zustand nach invasiver Therapie einer Varikose (z. B. Stripping, Verödung, Lasertherapie), Erkrankungen, bei denen auch eine Thromboseprophylaxe indiziert ist, Stauungszustände infolge von Immobilität (Indikationen).
Knut Kröger, Joachim Dissemond, Kerstin Protz
5. Grundlagen und Wirkweise der Kompression
Zusammenfassung
Die Kompressionstherapie ist die Basis jeder phlebologischen Therapie von Menschen mit venösen oder lymphatischen Erkrankungen. Sie kommt entweder allein oder in Kombination mit interventionellen oder operativen Eingriffen, z. B. Varizenstripping oder -verödung, zum Einsatz.
Kerstin Protz
6. Materialien der Kompressionstherapie
Zusammenfassung
Für die Kompressionstherapie stehen verschiedene Materialien zur Verfügung. Hierzu gehören unter anderem Kurzzug-, Mittelzug- und Langzugbinden, Zinkleimbinden, Fertigbinden-/Mehrkomponentensysteme, Polstermaterialien (z. B. Watte, Schaumstoff, Pelotten), medizinische Kompressionsstrümpfe (MKS), Ulkus-Strumpfsysteme, adaptive Kompressionsbandagen (► Kap. 9) und intermittierende pneumatische Kompressionsverfahren (► Kap. 8).
Kerstin Protz
7. An- und Ausziehhilfen
Zusammenfassung
Kranke, adipöse und insbesondere ältere Menschen sind in ihrer Beweglichkeit und in ihrer Motivation, sich zu bewegen, oftmals eingeschränkt. Dies kann zusätzlich durch Begleiterkrankungen, wie Rheuma und Gelenkversteifungen, aber auch Fettsucht (Adipositas), verstärkt werden. Das An- und Ausziehen der Kompressionsstrümpfe b edeutet für viele Patienten daher im Alltag eine große Herausforderung. An- und Ausziehhilfen erleichtern den Umgang mit den medizinischen Kompressionsstrümpfen (MKS) sowie den Ulkus-Strumpfsystemen.
Kerstin Protz
8. Intermittierende pneumatische Kompressionstherapie
Zusammenfassung
Bei der intermittierenden pneumatischen Kompressionstherapie (IPK) handelt es sich um eine Therapieform, die Wechseldrücke nutzt und synonym auch als apparative intermittierende Kompressionstherapie (AIK) bezeichnet wird. Bei der IPK baut ein elektronisch gesteuertes System in einer oder in mehreren Luftkammern einer Manschette, die für verschiedene Körperteile erhältlich ist, einen Druck auf, der für einen definierten Zeitraum aufrechterhalten wird. Durch abwechselndes Befüllen und Leeren der Luftkammern wird ei n klar definierter und einstellbarer intermittierender Behandlungsdruck erzeugt, der die Wirkweise der Muskelpumpen simuliert.
Kerstin Protz
9. Neue Entwicklungen in der Kompressionstherapie
Zusammenfassung
Eine im deutschsprachigen Raum neue Alternative stellen adaptive Kompressionsbandagen , die auch als Wrap-Verbände bzw. Klettbandagen bezeichnet werden dar. Diese haben sich seit mehreren Jahren bereits auf den internationalen Märkte n und insbesondere in den USA bewährt. Bei den adaptiven Kompressionsbandagen kann der Kompressionsdruck segmental, über mehrere Klettverschluss- Systeme, durch den Patienten oder Therapeuten aktiv eingestellt und bei einigen Systemen auch individuell gezielt reguliert werden.
Joachim Dissemond
10. Entstauungsphase und Erhaltungsphase
Zusammenfassung
Zu Beginn der Kompressionstherapie liegt der Fokus auf der Entstauung des betroffenen Beines. In der Therapiephase, der sogenannten initialen Entstauungsphase, geht es um die Behandlung der chronisch venösen Insuffizienz (CVI) und die Minderung ihrer Symptome, also beispielsweise um eine Ödemreduktion und die Beschleunigung der Abheilung eines Ulcus cruris venosum (UCV).
Kerstin Protz
11. Grundlagen der Kompressions bandagierung mit Kurzzugbinden
Zusammenfassung
Kenntnis der adäquaten Wickeltechnik und Erfahrung im Umgang mit den Materialien sind die Voraussetzungen für die sach- und fachgerechte Anlage eines phlebologischen Kompressionsverbandes (PKV). Diese Kompressionsbandagierung sollte nicht verrutschen, dem Patienten keine Schmerzen bereiten und den für die Therapie notwendigen definierten Druck über die Behandlungszeit aufrechterhalten können (► Abschn. 6.2).
Kerstin Protz
12. Kompressionsdruckmessung
Zusammenfassung
Der tatsächlich erzielte Druck unterhalb einer Kompressionsversorgung ist entscheidend für den Erfolg der Maßnahme. Hierbei ist die Angabe eines spezifischen Drucks, beispielsweise »40 mmHg in der Knöchelregion«, nachvollziehbarer und somit nützlicher als die Verwendung relativer subjektiver Begriffe wie milde, leichte oder kräftige Kompression, die jeder anders versteht (► Abschn. 6.2).
Kerstin Protz
13. Materialpflege
Zusammenfassung
Einige Materialien, die bei der Kompressionstherapie genutzt werden, sind Einmalartikel, beispielsweise Mehrkomponentensysteme und Polsterwatte. Die meisten Produkte sind jedoch wiederverwendbar und bedürfen daher spezieller, angepasster Pflege. Ein sorgsamer Umgang mit den Kompressionsmaterialien verlängert ihre Haltbarkeit, garantiert ihre Funktion und sichert somit den Erfolg der Therapie. Aus hygienischen Gründen sollten diese, so wie Socken oder Unterwäsche, täglich gewechselt und gewaschen werden. Bei der Materialpflege sind grundsätzlich die jeweiligen Herstellerangaben zu beachten.
Kerstin Protz
14. Risiken, Komplikationen und häufige Fehler bei der Kompressionstherapie
Zusammenfassung
Unsachgemäßes Bandagieren löst Schmerzen aus und kann die Ursache für Hautläsionen, Blasenbildung, Schnürfurchen, Gewebeschäden und sogar Nekrosen sowie Druckschäden an peripheren Nerven sein. Gründe können zu hohe oder unr egelmäßige Anpressdrücke oder gar die Strangulation der Extremität sein. Diese Hautläsionen treten bevorzugt an Regionen mit Umfangveränderungen und den Knochenvorsprüngen, wie Sprunggelenk, Fibulaköpfchen, Fußrücken, Achillessehne und Tibiavorderkante, auf.
Kerstin Protz
15. Thromboseprophylaxe
Zusammenfassung
Die Prophylaxe venöser Tromboembolien ist eine wichtige ärztliche und pflegerische Aufgabe bei allen Patienten mit operativen Eingriffen, Verletzungen oder akuten Erkrankungen. Ein eigenes Kapitel über die Prophylaxe bei der Kompressionstherapie ist in den aktuellen Leitlinien aber nicht aufgeführt. In diesem Kapitel wird die Indikation zu einer medikamentösen Prophylaxe vor dem Hintergrund der aktuellen S3-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) be wertet.
Knut Kröger
16. Lymphödem und Lymphtherapie
Zusammenfassung
Das Lymphödem ist ein eigenständiges klinisches Erkrankungsbild. Ein Lymphödem ist immer Folge einer primären oder sekundären Störung des Lymphtransports. Angeborene Fehlanlagen des Lymphgefäßsystems (Aplasie, Atresie, Agenesie) sind als primäre Ursachen anzusehen. Allerdings zeigt nur ein geringer Anteil der Patienten mit solchen angeborenen Fehlanlagen schon bei der Geburt ein kongenitales Lymphödem. Viel häufiger dekompensiert der Lymphtransport in den ersten Lebensjahren oder im frühen Erwachsenenalter, sodass man dann von einem Lymphödema praecox (vor dem 35. Lebensjahr) bzw. tarda (nach dem 35. Lebensjahr) spricht. Die weitaus häufigste sekundäre Ursache des Lymphödems in Deutschland ist die traumatische, iatrogene oder entzündliche Schädigung des Lymphgefäßsystems.
Knut Kröger
17. Kompressionstherapie bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit
Zusammenfassung
Die Kompressionstherapie ist eine wichtige Säule in der Therapie des Ulcus cruris venosum. Das gleichzeitige Vorliegen einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) ist eine bekannte Kontraindikation für eine Kompressionstherapie. Die Erfahrung lehrt, dass dies im klinischen Alltag dazu führt, dass man eher auf eine Kompressionstherapie verzichtet, als sich kritisch mit ihren Möglichkeiten bei einer pAVK als Zusatzerkrankung auseinanderzusetzen. Zu Letzterem soll dieses Kapitel anregen.
Knut Kröger
18. Verordnung von medizinischen Kompressionsstrümpfen
Zusammenfassung
Medizinische Kompressionsstrümpfe (MKS) sind als Hilfsmittel zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verordnungsfähig (§ 33 SGB V). Sie sind in der Produktgruppe 17 »Kompressionstherapie« des Hilfsmittelverzeichnisses der gesetzlichen Krankenversicher ung gelistet. Ihre Verordnung belastet nicht das Arzneiund Heilmittelbudget des Arztes und fällt nicht unter die Richtgrößenprüfung. Eine klare Indikationsstellung ist die Basis für die Verordnung von MKS. Zusätzlich ist abzuklären, ob seitens des Patienten die Motivation und Akzeptanz für diese Behandlung vorliegen und inwieweit er zu dem selbstständigen Umgang mit dem Kompressionsstrumpf in der Lage ist oder auf die Hilfe von Angehörigen oder Betreuungspersonen zurückgreifen kann. Gegebenenfalls ist die zusätzliche Verordnung einer An- und Ausziehhilfe zu erwägen (► Kap. 7).
Kerstin Protz
19. Prävention und Rezidivprophylaxe
Zusammenfassung
Die Therapie des Ulcus cruris venosum (UCV) ist häufig langwierig, mühsam und kostenintensiv. Umso wichtiger ist es, nach der Abheilung ein es UCV das Auftreten eines Rezidivs zu verhindern. Neben dem in ► Kapitel 20 angesprochenen Venensport, den Venentherapeutika und der Hautpflege gibt es hierzu einige grundlegende Empfehlungen.
Knut Kröger
20. Unterstützende Maßnahmen/ Adjuvante Therapie
Zusammenfassung
Der Fokus der Kompressionstherapie liegt auf einer Reduktion der Druck- und Volumenüberlastung im Venensystem. Hierfür ist die Wirkweise der Muskeln, insbesondere in Form der Sprunggelenk- und Wadenmuskelpumpe notwendig. Daher ist die Kompressionstherapie im Zusammenhang mit Bewegung weitaus effektiver. Patienten so llten daher regelmäßig zu Fußgymnastik und Gehübungen angeregt werden. Venensport fordert die Beinmuskelpumpen. Eine halbe Stunde Training am Tag und eine Anpassung der täglichen Verhaltensweisen unterstützt somit die Wirkweise der Kompressionstherapie.
Joachim Dissemond, Kerstin Protz
21. Edukation
Zusammenfassung
Der Therapiefokus bei Patienten mit Ulcus cruris venosum (UCV) liegt auf einer Reduktion der Druck- und Volumenüberlastung im Venensystem. Die kontinuierliche Kompressionstherapie ist somit die Basis für die erfolgreiche Beha ndlung des UCV. Diese Diagnose bedeutet für den Patienten gravierende Einschränkungen in seiner Lebensqualität. Die Erkrankung belastet ihn in mehrfacher Hinsicht: unter physischen, psychischen und sozialen Aspekten. Die Patientenedukation ist im Krankenpflegegesetz verankert und soll es Patienten ermöglichen, ein Verständnis für ihr Krankheitsbild und damit verbundene Therapien zu entwickeln. Ein zentraler Aspekt hierbei ist die adäquate Kompressionstherapie und die damit zusammenhängenden bzw. unterstützenden Maßnahmen.
Kerstin Protz
22. Aktueller Versorgungsstand des Ulcus cruris venosum in Deutschland
Zusammenfassung
Viele Studien zeigen, dass Patienten mit Ulcus cruris (UC), unabhängig von der Ätiologie, in ihrer Lebensqualität sehr eingeschränkt sind, einen hohen pflegerischen sowie medizinischen Aufwand benötigen und das Gesundheitssystem verstärkt in Anspruch nehmen. Somit stellt die Versorgung der Patienten mit UC durch hohe Krankheitskosten auch eine wirtschaftliche Herausforderung dar. Im Zuge des demografischen Wandels und der dadurch bedingten zunehmenden Zahl a n Gefäßerkrankungen älterer Menschen muss mit einem weiteren Zuwachs an Patienten mit dieser Erkrankung gerechnet werden. Trotz dieser Bedeutung des UC gibt es nur wenige Stu dien, welche die Erkrankungshäufigkeit in Deutschland untersucht haben.
Kristina Heyer
Backmatter
Metadaten
Titel
Kompressionstherapie
verfasst von
K. Protz
J. Dissemond
K. Kröger
Copyright-Jahr
2016
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-49744-9
Print ISBN
978-3-662-49743-2
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-49744-9