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01.01.2021 | Pflege Aktuell | Ausgabe 1/2021 Zur Zeit gratis

Heilberufe 1/2021

Pflegepolitik in 5 Minuten

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Mehr Aufmerksamkeit

Steigende Corona-Fallzahlen und steigende Belegungszahlen auf den Intensivstationen lassen die Kliniken in Deutschland nicht zur Ruhe kommen. Neben den Pflegefachkräften ganz vorn dabei, aber oft übersehen, sind in der Pandemie die Hygienefachkräfte. Daher haben die Paracelsus-Kliniken in ihren Social-Media-Kanälen und im Internet ihren Hygienefachkräften die Aufmerksamkeit zukommen lassen, die sie sich verdient haben. Denn die Liste der Pflichten einer Hygienefachkraft ist lang - nicht nur in der Pandemie. Das reicht von der Erstellung der Hygiene-, Reinigungs- und Desinfektionspläne über die Kontrolle von hygienischen Vorgaben in den Kliniken bis hin zu mikrobiologischen Untersuchungen und der Dokumentation von Keimen und Erregern. Mandy Spehala, zuständige Hygienefachkraft an der Paracelsus-Klinik in Adorf in Sachsen: "Unsere größte Aufgabe ist es derzeit, im Fall der Fälle die Corona-Infektionsherde zu erkennen, die Infektionsketten nachzuverfolgen und zu durchbrechen."
Ein Film als Appell: Die Paracelsus-Kliniken, die mit 34 Einrichtungen zu den großen privaten Klinikträgern in Deutschland zählen, richten sich mit einer filmischen Innenansicht des derzeitigen Klinikalltages an die Bevölkerung mit der Bitte: Haltet euch an die Regeln. paracelsus-kliniken.​de

Delegierbare Leistungen

Rheumatologische Fachassistentinnen (RFA) können Ärzte bei der Diagnosestellung unterstützen. Dabei sollen die RFA medizinische und delegierbare ärztliche Leistungen übernehmen. Das kann auch den Bereich der Befunderhebung beinhalten, wie die PredAS-Studie zeigt. Forscher der Ruhr-Universität Bochum und der Berliner Charité hatten bei 141 erwachsenen Patienten mit chronischen Rückenschmerzen und Verdacht auf axiale Spondyloarthritis Rheumatologische Fachassistentinnen mithilfe eines strukturierten Fragebogens anamnestische und klinische Befunde erheben lassen. Davon unabhängig erfolgte zusätzlich die Befunderhebung durch einen Rheumatologen. Gemessen wurden außerdem Funktion (BASFI) und Wirbelbeweglichkeit (BASMI).
Das Ergebnis: Die Dokumentation der anamnestischen Angaben sowie der Untersuchung der Wirbelsäulenbeweglichkeit durch die RFA unterschied sich nicht wesentlich von jener des Arztes. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) hat jetzt eine Kommission beauftragt, delegierbare Leistungen zu definieren. Darunter sind laut einem ersten Zwischenbericht: Unterstützung bei der Anamneseerhebung durch strukturierte Bögen, Erfassung von Komorbiditäten anhand strukturierter Fragebögen, Erhebung des Gelenk- und Wirbelsäulenstatus, Telefon- sprechstunde. dgrh.​de

Barmer Pflegereport

Pflege geht auf die Knochen und belastet die Seele. Altenpflegekräfte werden daher von Ärzten häufiger krankgeschrieben als Beschäftigte anderer Branchen. Das geht aus dem im Dezember in Berlin vorgestellten "Pflegereport" der Barmer hervor. "Pflegekräfte haben vor allem lange Fehlzeiten wegen psychischer Probleme und Muskel-Skelett-Erkrankungen", sagte Studienautor Professor Heinz Rothgang von der Universität Bremen.
Erschreckende Fehlzeiten: Laut Report fehlte jede krankgeschriebene Altenpflegefachkraft im Schnitt 18,6 Tage und damit 40% länger als Beschäftigte sonstiger Berufe (13,3 Fehltage). Altenpflegehilfskräfte fehlten krankheitsbedingt sogar mehr als 20 Tage. Der Pflegeberuf sei mitunter derart kraftraubend, dass überproportional viele Beschäftigte nicht bis zur Rente durchhielten. So sei der Anteil der Pflegekräfte mit Erwerbsminderungsrente fast doppelt so hoch wie in anderen Berufen. Die Zahlen des Reports zeigen aber auch: Durch bessere Arbeitsbedingungen könnte man den Notstand in Deutschland abmildern. Wäre die Arbeitssituation der Pflegebeschäftigten besser, gäbe es auf einen Schlag 26.000 Pflegekräfte mehr. barmer.​de

Wer soll sich impfen lassen?

Für viele Menschen sind die neuen Erkenntnisse über die Corona-Impfstoffe ein Silberstreif am Horizont. Aber wie sicher sind sie für vulnerable Gruppen? Wir sprachen mit Prof. Dr. Stefan H. E. Kaufmann, Professor für Mikrobiologie und Immunologie, Direktor Emeritus am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, Berlin, und Emeritus Leiter einer Arbeitsgruppe am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie, Göttingen.
Herr Professor, Gesundheitspolitiker empfehlen, dass Risikogruppen, also auch Bewohner von Altenpflegeeinrichtungen, zuerst geimpft werden sollen. Halten Sie das für vernünftig?
Kaufmann: Generell sollten alle, die sich impfen lassen wollen und können, geimpft werden. Bei den Corona-Impfstoffen stehen wir anfangs vor der Herausforderung, dass nicht ausreichende Impfstoffdosen zur Verfügung stehen werden. Daher ist eine Priorisierung nötig. Der Vorschlag dazu lautet, dass besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen, also Ältere und Menschen mit Nebenerkrankungen sowie Personen, die mit diesen vulnerablen Menschen in engerem Kontakt sind, geimpft werden sollen. Auf der Liste weit oben sind weiterhin Klinikpersonal und Personen mit häufigem Personenkontakt, wie Polizei-, Feuerwehr- und Lehr-Personal. Das scheint mir alles sehr sinnvoll und auch ich denke, dass Personen mit einem erhöhten Risiko, schwerer an Covid-19 zu erkranken, baldmöglichst geimpft werden sollten.
In die klinischen Studien zu den Impfstoffen sind doch vor allem fitte und gesunde Menschen eingebunden. Wie würden Sie Ängsten von Pflegeheimbewohnern bezüglich der Sicherheit des Impfstoffs für ältere Menschen mit Vorerkrankung begegnen?
Kaufmann: Sie haben recht, in erster Linie wurden aus ethischen Gründen gesunde Menschen in die klinischen Studien einbezogen. Bei Menschen mit Vorerkrankung sollte eine medizinische Beurteilung erfolgen, ob ihnen eine Impfung empfohlen werden kann. Im Augenblick ist nicht ganz klar, wie viele Ältere in den klinischen Studien untersucht wurden. Hochrisiko-Patienten wurden wohl nicht getestet. Daher wird es wichtig sein, das Risiko einer Person mit einer Vorerkrankung einzuschätzen und dann eine Impfempfehlung auszusprechen. Ich rate also, dass baldmöglichst ärztliche Beurteilungen eingeholt werden, welchen Personen aus der Risikogruppe eine Impfung empfohlen werden kann. Wahrscheinlich sind dies in erster Linie ältere Menschen, die ansonsten gesund sind.
Und was raten Sie Pflegekräften? Sich schnell impfen zu lassen?
Kaufmann: Gesunde Pflegekräfte sollten sich baldmöglichst impfen lassen. Schließlich besteht in Pflegeeinrichtungen immer ein gewisses Gefährdungspotential. Dies dient in erster Linie dem eigenen Schutz. Im Augenblick haben wir überzeugende Hinweise nur darauf, dass die Impfstoffe gegen schwere Erkrankung schützen; leider wissen wir nicht, ob und wie sehr sie gegen eine Infektion schützen. Daher ist ein Schutz der Bewohner, mit denen die Pflegekräfte in Kontakt kommen, nicht gewährleistet. Schließlich kann nur eine Blockade der Infektion die Übertragung verhindern. Dessen sollten sich auch geimpfte Pflegekräfte bewusst sein. Schutzmasken, Hygiene und Abstandsregeln können also erst einmal nicht aufgegeben werden.

Trauer um Liliane Juchli

Die professionelle Pflege hat eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten verloren. Im Alter von 87 Jahren verstarb am 30. November 2020 die große Pflegepionierin Sr. Liliane Juchli im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Wie keine andere hat die Schweizer Ordensfrau die Geschichte der Pflege mitgeschrieben und die Professionalisierung der Berufsgruppe vorangetrieben. Immer wieder kritisierte Juchli den allgegenwärtigen Effizienzgedanken, der das Arbeitsleben von Pflegenden heute prägt. Ganzheitliche Pflege wurde erst durch Juchli zum Credo. Mit dem Pflegemodell der "Aktivitäten des täglichen Lebens" begründete sie in den 1980er Jahren ein neues und bis heute gültiges Pflegeverständnis. Ihr Lehrbuch - im Pflegejargon "der Juchli" - war lange das Standardwerk der Pflegeausbildung und hat Generationen von Pflegenden in ihr Berufsleben begleitet.

Pflegende gefährdet

Laut Bundeskriminalamt gab es 2019 eine Steigerung bei häuslicher Gewalt mit mehr als 141.000 Opfern, 81% davon Frauen. "Beruflich Pflegende sind mehrfach betroffen. Sie sind zu 80% weiblich. Sie sind aber auch beruflich häufig Opfer von Gewalt - insbesondere in Form von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Und sie sind in einer Schlüsselrolle, wenn es um das Erkennen von Gewaltanwendung geht - etwa bei ihren Patientinnen oder Bewohnerinnen", so Swantje Seismann-Petersen, stellv. Vorsitzende des DBfK Nordwest e.V. dbfk.​de

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