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Erschienen in: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie 6/2019

10.09.2019 | Themenschwerpunkt

Pflegen auf Distanz?

Eine qualitative Interviewstudie mit „distance caregivers“

verfasst von: Amelie Zentgraf, Pirkko Marit Jann, Janina Myrczik, Karin van Holten

Erschienen in: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie | Ausgabe 6/2019

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Zusammenfassung

Hintergrund

Angehörige sind sowohl in der stationären als auch in der häuslichen Gesundheitsversorgung wichtige Akteure. Infolge steigender Mobilität pflegen viele auch über geografische Distanzen hinweg.

Ziel der Arbeit

Der Beitrag beleuchtet Chancen und Herausforderungen der Pflege und Betreuung auf Distanz aus der Perspektive von Distance caregivers. Die Datenerhebung erfolgte im Rahmen des binationalen Forschungs- und Entwicklungsprojekts „Distance Caregiving“, das mit einem interdisziplinären Team aus Deutschland (EH Ludwigsburg) und der Schweiz (Careum Hochschule Gesundheit Zürich) verschiedene Dimensionen von Distance caregiving untersuchte. Empirische Befunde liegen bisher hauptsächlich für den angloamerikanischen Raum vor. Dieser Beitrag liefert bislang fehlende, empirische Erkenntnisse für Deutschland und die Schweiz.

Material und Methode

Die Grundlage bilden 49 leitfadengestützte, teilnarrative Interviews (Deutschland: n = 35; Schweiz: n = 14) mit Distance caregivers, die zum Zeitpunkt der Datenerhebung eine mindestens 60 Jahre alte Person betreuten. Die Datenanalyse erfolgte softwaregestützt (MAXQDA 10) mittels deduktiver und induktiver strukturierender Inhaltsanalyse nach Mayring.

Ergebnisse und Diskussion

Distance caregivers leisten substanzielle und vielfältige Betreuungs- und Pflegeaufgaben. Eine zentrale Herausforderung hierbei ist die fehlende zeitnahe und verlässliche Information über das Versorgungsgeschehen vor Ort. Dies kann zu emotionaler Belastung führen. Distanz schafft aber auch Freiraum für pflegende Angehörige. Ein funktionierendes Netzwerk mit klaren Absprachen und transparenter Kommunikation ist entscheidend.
Fußnoten
1
Eine kurze quantitative Befragung mit Fokus auf den eigenen Gesundheitszustand, die Zufriedenheit sowie Belastung und Stress erfolgte zum Abschluss des Interviews. Der standardisierte Fragebogen kombinierte Fragen aus verschiedenen validierten Erhebungsinstrumenten [7, 15, 22], nämlich Short-Form(SF)36 (deutsche Fassung) zum eigenen Gesundheitszustand, Time-Stress-Skala und Zufriedenheitsskala vom Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) sowie ein Item aus dem Zarit Burden Interview. Die Analyse dieser Daten zeigt, dass die Interviewpartner/-innen ihren Gesundheitszustand hauptsächlich als sehr gut bis gut einschätzten (31,1 % bzw. 35,5 %). Jedoch fühlten sich 60 % in dem Monat vor der Befragung immer bzw. oft unter Zeitdruck und knapp die Hälfte (48,9 %) war durch die Betreuung des Angehörigen ziemlich oder extrem belastet.
 
2
Die Zitate wurden zur besseren Lesbarkeit leicht geglättet. Interviewausschnitte mit dem Kürzel CH sind aus dem Schweizer Sample, Interviewausschnitte mit dem Kürzel DE aus dem Deutschen Sample.
 
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Metadaten
Titel
Pflegen auf Distanz?
Eine qualitative Interviewstudie mit „distance caregivers“
verfasst von
Amelie Zentgraf
Pirkko Marit Jann
Janina Myrczik
Karin van Holten
Publikationsdatum
10.09.2019
Verlag
Springer Medizin
Erschienen in
Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie / Ausgabe 6/2019
Print ISSN: 0948-6704
Elektronische ISSN: 1435-1269
DOI
https://doi.org/10.1007/s00391-019-01607-2

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