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13.06.2022 | Pflegeheim | Nachrichten

Hausarztmangel gefährdet Pflegeheime

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Der Mangel an Hausärzten in Deutschland wird zum Problem für die Bewohner von Pflegeheimen. Steht ihnen kein Hausarzt mehr zur Seite, können die Einrichtungen ihren Versorgungsvertrag nur eingeschränkt erfüllen. Darauf weist das Wohlfahrtswerk Baden-Württemberg hin.

© Wohlfahrtswerk für Baden-WürttembergDas Richten und die Gabe von Medikamenten zählt zu den Aufgaben der Behandlungspflege.

Für die Heim-Bewohner insbesondere in den ländlichen Regionen spitzt sich die Lage zu: Es entsteht eine kritische Versorgungslücke, wenn ein Hausarzt fehlt, der Medikamente verordnet und bei gesundheitlichen Veränderungen gerufen werden kann. Denn ohne ärztliche Verordnung dürfen die Pflegekräfte eines Pflegeheims keine Behandlungspflege leisten. Basis für den Versorgungsvertrag mit den gesetzlichen Pflegekassen ist, dass das Heim die Vorgaben eines landesweit gültigen Rahmenvertrags gemäß § 75 Abs. 1 SGB XI einhält. In Baden-Württemberg werden Heime darüber verpflichtet, medizinische Behandlungspflege zu erbringen. Dass es an der Voraussetzung dafür mangeln könnte, weil keine ärztliche Betreuung existiert, ist im System nicht vorgesehen, heißt es.

Haus in Heimsheim betroffen

In dieser schwierigen Situation befindet sich aktuell das Haus Heckengäu, ein Pflegeheim des Wohlfahrtswerks für Baden-Württemberg in Heimsheim. Eine Hausarztpraxis wurde zum 01.04.2022 geschlossen. Nach Ankündigung der Schließung startete das Haus bereits im Januar die Suche nach einem neuen Hausarzt für 20 Bewohner – bislang vergeblich. Nach Absagen der verbliebenen Praxen wandte sich die Einrichtungsleitung Mitte Januar an die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW), zu deren Auftrag die Sicherstellung der medizinischen Versorgung zählt. Im Mai kam die ernüchternde Antwort: Die KVBW konnte keine Praxis ausfindig machen, die weitere Patienten aus dem Haus aufnimmt.

Seit März vergibt das Haus frei werdende Plätze nur an Interessenten, die ihren Hausarzt „mitbringen“. Der Hausarztmangel hat für die Versorgung pflegebedürftiger Menschen bislang völlig unbeachtete Konsequenzen. „Schon länger ist die ärztliche Betreuung ein Problem bei Interessenten für die Kurzzeitpflege, die ja meist kurzfristig eine Versorgung benötigen und teils weiter entfernt vom Wohnort für bis zu zwei Monate im Heim versorgt werden“, so Ingrid Hastedt, Vorstandsvorsitzende des Wohlfahrtswerks für Baden-Württemberg. Dass ein Mangel der ärztlichen Versorgung nun auch einen wohnortnahen Umzug zur Langzeitpflege verhindere, sei bitter.

Laut KV werde derzeit an neuen Konzepten gearbeitet, um die Problematik aufzulösen. Das Wohlfahrtswerk hat sich als Entwicklungspartner angeboten, um diese Innovation voran zu treiben. „Wir wollen nicht das Hausarztsystem in Frage stellen. Aber wir benötigen eine handhabbare Lösung, um unsere Bewohner bedarfsgerecht versorgen zu können“, erklärt Hastedt.

wohlfahrtswerk.de

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