Palliativregisteranalyse Krebs: Viel Schmerz am Lebensende
- 19.02.2026
- Palliativpflege
- Nachrichten
Das Gros der Krebspatientinnen und -patienten leidet in der letzten Lebenswoche an Schmerzen, wobei die Belastung bei bestimmten Entitäten besonders hoch ist. Das zeigt eine große Registerdatenanalyse aus Schweden. Wurden Schmerzen strukturiert erfasst, stieg die Chance, diese vollständig zu lindern.
Für einen Großteil der Menschen, die in Schweden sterben, werden Angaben aus einem sogenannten End-of-Life-Fragebogen in das Swedish Register of Palliative Care (SRPC) überführt. Ausgefüllt werden diese Bögen nach dem Tod der jeweiligen Person von Angehörigen der Gesundheitsberufe (etwa vom Pflegepersonal). Auf diese Weise sind für etwa 80% derjenigen, die in Schweden an Krebs versterben, Angaben im SRPC zu Symptomen und Versorgung in der letzten Lebenswoche verfügbar [1, 2].
Ein Team um Ellis Slotman von der Universität Twente in Enschede, Niederlande, hat solche SRPC-Einträge aus den Jahren 2011 bis 2023 genutzt, um sich anzusehen, wie es um die Schmerzbelastung und -versorgung krebskranker Menschen in den letzten Lebenstagen bestellt ist [2]. Dabei zeigte sich: Von den 215.317 registrierten Personen (medianes Alter zum Zeitpunkt des Todes: 76 Jahre; Anteil Frauen: 49%), hatten die meisten (82%) in ihren letzten Lebenstagen an Schmerzen gelitten.
Schmerzen, die als „stark“ („severe“) eingestuft worden waren, betrafen am seltensten jene mit ZNS-Tumoren (21%) und am häufigsten Personen mit Sarkomen (Knochen- bzw. Weichgeewebetumoren; 40%) sowie Prostata- und Pankreaskarzinomen (38% und 39%). Über alle Entitäten hinweg lag die Prävalenz für starke Schmerzen bei 35%.
Eine vollständige Schmerzlinderung war im Mittel für 77% aller an Krebs Verstorbenen dokumentiert. Wenn das Team nach einzelnen Entitäten differenzierte, fand sich der geringste Anteil bei Personen mit Sarkomen (72% mit vollständiger Linderung), gefolgt von jenen mit Lungenkarzinomen und hämatologischen Malignomen (je 74%) sowie Prostatakarzinomen (75%). Der größte Patientenanteil mit vollständiger Analgesie entfiel mit 84% auf Menschen mit ZNS-Tumoren.
Zusammenhänge mit der Versorgung
Ellis Slotman und ihr Team haben in ihrer Untersuchung verschiedene Analysen zu Zusammenhängen von Versorgungsmerkmalen und der Schmerzlinderung durchgeführt. Hier zeigte sich zum Beispiel, dass eine vollständige Schmerzlinderung wahrscheinlicher war, wenn Patientinnen und Patienten in einer palliativen Einrichtung oder unter häuslicher Palliativversorgung verstarben (81% versus 72%; adjustierte Odds Ratio [aOR]: 1,98). Auch, wenn aus den SRPC-Daten hervorging, dass bei den Verstorbenen eine strukturierte Schmerzbeurteilung mittels einschlägiger Instrumente (visuelle Analogskala [VAS], numerische Rating-Skala [NRS] etc.) erfolgt war, fiel die Wahrscheinlichkeit für eine vollständige Schmerzkontrolle größer aus (aOR 1,27).
„Diese Ergebnisse unterstreichen die entscheidende Bedeutung
- individualisierter Strategien im Schmerzmanagement,
- der Ausbildung in Palliativversorgung sowie
- der strukturierten Schmerzerfassung
für die Optimierung der Versorgungsqualität am Lebensende bei Krebserkrankungen.“ So lautet das Fazit von Slotman et al. Die Forschenden geben zudem zu bedenken, dass eine unzureichende Schmerzversorgung in ihrer Untersuchung untererfasst sein könnte (weil Behandelnde den Fragebogen ggf. nicht wahrheitsgemäß ausfüllen, aus Angst, die Feststellung einer unzureichenden Schmerzlinderung könnte ihnen Scherereien bereiten).
Quelle: Springer Medizin