Skip to main content
main-content

05.11.2021 | Palliativpflege | Nachrichten

Symptomerfassung: Immer auch Patient*innen fragen!

Autor:
Friederike Klein

Die Symptomerfassung in der Palliativmedizin erfolgt häufig über das Pflegepersonal. Aber auch die Erfassung der von den Betroffenen selbst berichteten Beschwerden ist in dieser Situation wichtig. 

Das zeigt der Vergleich der Symptomeinschätzung von palliativmedizinischen Pflegekräften zum Zeitpunkt der Erstvorstellung in der Palliativsprechstunde des Westdeutschen Tumorzentrum Essen und den Angaben der Patient*innen zu den Symptomen bei Vorstellung in der onkologischen Sprechstunde in den letzten sechs Monaten davor. 

In der retrospektiven Kohortenanalyse konnten Sandy Müller und Kollegen von der Universitätsmedizin Essen Fremd- als auch Selbstbeurteilungen von 109 erwachsenen Patient*innen mit histologisch verifizierten soliden Tumoren [1]. Die Symptome waren von den Pflegekräften anhand des validierten MIDOS2-Instruments eingeschätzt worden, die Patient*innen hatten die Intensität von elf Symptomen anhand von Likert-Skalen angegeben.

Das mittlere Alter der 109 Patient*innen lag bei 61,6 Jahren. Am häufigsten litten sie unter gastrointestinalen, Lungen- und Mammakarzinomen. Von der Metastasierung bis zur Erstvorstellung in der Palliativsprechstunde waren 26,8 Monate vergangen, der Tod trat im Mittel nach etwa sieben Monaten ein. Die häufigsten Gründe für die Vorstellung in der Palliativsprechstunde waren Schmerzeinstellung (34,8%) und sozialdienstliche Anbindung, z.B. an eine spezialisierte ambulante Palliativmedizin (22%).

Allgemeines Befinden oft falsch eingeschätzt

Die Pflegekräfte unterschätzten die Beeinträchtigung des allgemeinen Befindens der Patient*innen signifikant, berichtete Müller. Der Mittelwert lag bei den Patient*innen bei 1,93, bei den Pflegekräften bei 0,86 (p<0,001).  Auch das Symptom Schwäche war nach Angaben der Betroffenen stärker ausgeprägt als von der Pflegekraft eingeschätzt (Mittelwert 1,81 vs. 1,57; p=0,027). Analog gaben Patient*innen eine höhere Intensität des Symptoms Appetitmangel an als Pflegekräfte (Mittelwert 1,27 vs. 1,01; p=0,013). 

Die höhere Intensität von beeinträchtigenden Symptomen bei Selbsteinschätzung korrelierte mit Laborwerten, die auf einen fortschreitenden Tumorprogress hinwiesen wie erniedrigtes Gesamteiweiß, erhöhte Inflammationsneigung (C-reaktives Protein erhöht) und Zellverfall (Laktadehydrogenase erhöht). 

Müller betonte, dass die Ergebnisse ihrer Untersuchung die Bedeutung der Fortführung der patientenberichten Ergebnismessung im palliativmedizinischen Setting unterstreichen.

Basierend auf: Session Best Abstract V365 Selbst- und Fremdeinschätzung, DGHO-Jahrestagung 2021, 1.-4.10.2021

Literatur

Weiterführende Themen

Online fortbilden

ANZEIGE

Neue Kurse zur Myelofibrose und Polycythaemia vera!

MPN-Erkrankungen konfrontieren betroffene Patienten mit vielen Problemen und Fragen. Für diese Patienten sind Sie als Pflegekraft eine wichtige Bezugsperson.

ANZEIGE

Neue Kurse zur Myelofibrose und Polycythaemia vera!

Das neue Online Training von Novartis und Springer Pflege unterstützt Sie dabei! Mehr

ANZEIGE

Neue Kurse zur Myelofibrose und Polycythaemia vera!

Novartis Pharma GmbH
Roonstraße 25, 90429 Nürnberg

Bildnachweise