Skip to main content
main-content

2018 | Onkologische Pflege | Buch

Arbeiten trotz Krebserkrankung

Hilfreiche Tipps für neue Herausforderungen

verfasst von: Dr. Sandra Otto

Verlag: Springer Berlin Heidelberg

insite
SUCHEN

Über dieses Buch

Arbeiten trotz Krebs? Ja, weil sich Betroffene durch den Job wieder als wertvollen Teil der Gesellschaft erfahren und Selbstwirksamkeit spüren. Welche Aspekte dabei zu berücksichtigen sind und wie dies praktisch umsetzbar ist, schildert das vorliegende Buch aus Sicht einer wiederholt von Brustkrebs Betroffenen.
Krebspatienten erhalten einen umfassenden Überblick zum aktuellen Forschungsstand und zu sozialrechtlichen Fragen. Auch Ärzten, Arbeitgebern, Kollegen und Angehörigen wird ein objektiver Blick auf die Problematik eröffnet. Alle Beteiligten erhalten eine wertvolle Unterstützung, um eine individuelle Entscheidung zu treffen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
1. Ich will wieder den normalen Wahnsinn
Zusammenfassung
Krebs ist in der Mitte der westlichen Industriegesellschaft angekommen. So stellt beispielsweise der Brustkrebs die häufigste Krebsdiagnose für Frauen im erwerbsfähigen Alter in der westlichen Welt dar. Innovationen in der Krebstherapie verlängern die Überlebensprognose und ein Leben mit, nach und trotz einer Krebsdiagnose. Noch immer herrscht eine große Verunsicherung bei Betroffenen, Ärzten, Therapeuten und Arbeitgebern über eine Wiederaufnahme bzw. Beibehaltung einer Berufstätigkeit. Demgegenüber definiert sich unsere Gesellschaft über den Beruf. Eine sinnstiftende Tätigkeit leistet einen Beitrag für die Lebensqualität von (ehemaligen) Krebspatientinnen und Krebspatienten. Das vorliegende Buch liefert eine Entscheidungsunterstützung in diesem Prozess.
Sandra Otto
2. Job und Krebs – Der aktuelle Forschungsstand
Zusammenfassung
Eine regelmäßige berufliche Tätigkeit schafft ein positives Gefühl der Selbstbestätigung, das jenseits der Gehaltsabrechnung liegt. Die Alltagsstruktur, das Gefühl des Gebrauchtwerdens, das gemeinsame Füreinander einstehen im Team. Die persönliche Weiterentwicklung vermissen Betroffene erst, wenn dieser Teil der Lebenswelt unvermittelt durch eine Krebsdiagnose wegbricht. Trotz vieler therapeutischer Maßnahmen beeinflusst die Therapie mitunter nachhaltig die Leistungsfähigkeit der Betroffenen. Ein Umdenken bei Patienten, Arbeitgebern, Kollegen, dem sozialen System ist erforderlich. Denn: Wir (ehemaligen) Krebspatienten stellen mit unserem fachlichen Know-how, dem Kampfgeist und einem effizienteren Blick auf die Lebens- und Arbeitszeit eine wertvolle Ressource dar. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung in Deutschland leisten wir mit einer weiteren Berufstätigkeit einen wertvollen Beitrag für die gesamte Gesellschaft.
Sandra Otto
3. Was beeinflusst Ihre Lebensqualität?
Zusammenfassung
Unvermittelt werden Betroffene mit viel freier Zeit jenseits der Therapien konfrontiert. Die Psyche vermag das Immunsystem im Verlauf einer Krebstherapie zu stabilisieren. Hingegen das Anstarren der „weißen Wand“ verstärkt die Panik und Angst mit der Krebsdiagnose. Es gilt, das negative Gedankenkarussell zu durchbrechen. Eine sinnstiftende Tätigkeit lässt die Krebserkrankung in den Hintergrund treten. Betroffene spüren sich selbst wieder. Je eher diese Tätigkeit den eigenen Fähigkeiten und Neigungen entspricht, Betroffene fordert – nicht überfordert (!) – desto stärker treten das Leben und der Mensch wieder in den Vordergrund. Die Erkrankung wird nicht zum alles beherrschenden Thema. Verschiedene Studien belegen mittlerweile den ablenkenden Effekt von körperlichen Schmerzen und psychischen Einschränkungen, die eine autotelische erfüllende Aufgabe bewirken kann. Erst im Kontrast von erlebter Wirkungszeit erleben Betroffene die freie Zeit wieder als Kraftquelle.
Sandra Otto
4. Positive Aspekte einer Erwerbstätigkeit
Zusammenfassung
Der Beruf steht nicht nur als Hauptursache für Frust und Stress, sondern als zentralste Quelle für Erfolgserlebnisse, Struktur und Kontrolle der eigenen Leistungsfähigkeit. In der westlichen Industriegesellschaft stellt die Arbeit ein Grundbedürfnis dar. Sowohl aus der Erwerbslosenforschung als auch bei der Befragung von Krebspatienten zeigen sich Unzufriedenheit und psychische Probleme durch das Fehlen einer sinnstiftenden Tätigkeit. Mittlerweile belegen Studien an ehemaligen Krebspatienten den positiven Einfluss einer entgeltlichen Berufstätigkeit für die Lebensqualität. Erst durch eine idealerweise entgeltliche Tätigkeit wird das Freizeitglück bewusst als knapp und Quelle der Zufriedenheit spürbar und erlebbar. Zudem signalisiert eine Rückkehr in den Beruf einen Abschluss mit der Erkrankung für das Umfeld und die Betroffenen selbst.
Sandra Otto
5. Langzeitfolgen einer Krebserkrankung – Wie ein Job dabei helfen kann, diese zu beherrschen
… und nicht von diesen beherrscht zu werden
Zusammenfassung
Jede Krebstherapie hinterlässt psychische und physische Spuren, die sich häufig erst nach dem Abschluss der Akutbehandlung zeigen. Eine der häufigsten Nebenwirkungen stellt die Fatigue (französisch für Müdigkeit) dar. Die Fatigue erleben fast alle Krebspatienten in unterschiedlichem Ausmaß und Dauer. Weiterhin steigt mit der zunehmenden Überlebenszeit das Risiko von anderen Krebserkrankungen in Folge der Ersttherapie. Konzentrationsprobleme, körperliche Schmerzen, Verdauungsprobleme sind nur einige der weiteren Begleiterscheinungen. Trotzdem kehren immer mehr Betroffene in den Beruf zurück bzw. orientieren sich neu. Eine berufliche Tätigkeit wirkt ablenkend und fokussiert auf das normale Leben jenseits von Krebs. Betroffene reagieren dabei gelassener und zielfokussierter im beruflichen und privaten Bereich.
Sandra Otto
6. Rahmenbedingungen für eine Erwerbstätigkeit: Zwischen Krebs, Job (und Alltag)
Zusammenfassung
Eine Krebserkrankung bedeutet einen Bruch in der Erwerbsbiographie. Betroffene, Arbeitgeber, Kollegen, Sozialversicherungssysteme und die Gesellschaft stehen vor der Herausforderung, in ein Arbeitsleben „Danach“ zu integrieren. Studien zeigen, wie wichtig eine offene Kommunikation zwischen Betroffenem und Arbeitgeber/Vorgesetzten von Beginn an ist. Zudem ermöglicht ein regelmäßiger Austausch mit den Kollegen persönlich und über die modernen Kommunikationsmedien, den Kontakt zum Berufsalltag nicht vollständig zu verlieren. Krebspatienten bleiben nicht außen vor. Trotzdem müssen von Krebs Betroffene Veränderungen in finanzieller und beruflicher Hinsicht akzeptieren lernen. Befragungen von Führungskräften über die Kontinente hinweg spiegeln die Unsicherheiten wider, denen sich Arbeitgeber ausgesetzt sehen. Die Rückkehr eines Krebspatienten in die Berufstätigkeit darf nicht zu Lasten des Unternehmens und der Kollegen erfolgen. Teilweise schmerzhafte Anpassungsprozesse sind zu akzeptieren.
Sandra Otto
7. Strukturierte Rückkehr nach dem Hamburger Modell
Zusammenfassung
In Deutschland ermöglicht das Hamburger Modell ein Austesten der Erwerbstätigkeit unter geschützten Bedingungen für Betroffene und Arbeitgeber gleichermaßen. Unter Einbeziehung Ihres Hausarztes, der Kranken- und gegebenenfalls Rentenversicherung entwickeln Sie gemeinsam mit Ihrem Arbeitgeber einen für alle Beteiligten lebbaren Weg zurück in den Beruf. Die Wiedereingliederung kann dabei bis zu 6 Monate in Anspruch nehmen. Während dieser Zeit erhalten Sie weiterhin Krankengeld bzw. Übergangsgeld. Allerdings kann die Maßnahme von allen Beteiligten jederzeit abgebrochen oder modifiziert werden. Daneben können Betroffene auch individuelle Vereinbarungen mit dem Arbeitgeber treffen. Zudem unterstützt die Deutsche Rentenversicherung bei der Einrichtung des Arbeitsplatzes oder einer beruflichen Neuorientierung. Unabhängig vom Vorgehen stellt diese Phase eine Herausforderung in finanzieller, zeitlicher und gesundheitlicher Hinsicht für die Betroffenen dar.
Sandra Otto
8. Orientierungsfindung – (m)ein Beispiel
Zusammenfassung
Beispielhaft am eigenen Vorgehen zeigt die Autorin ihren Weg zurück in die Berufstätigkeit auf. Während nach der Ersterkrankung die Rückkehr zügig mit dem Hamburger Modell beschritten wurde, zwang das Rezidiv zum Innehalten und der Neudefinition der beruflichen Perspektiven und eigenen Ziele. Unter Ansatz der SWOT-Analyse und der „Fly-on-the-Wall-Perspektive“ analysierte die Autoren ihre Chancen und Risiken, die Stärken und Schwächen. Parallel dazu standen die Träume und realistischen Ziele. Im Zentrum steht die Frage: Was können Sie Ihrem Arbeitgeber und der Gesellschaft bieten bzw. zurückgeben? Darüber hinaus nutzte die Autorin die Auszeiten für therapiebegleitende Maßnahmen und dem Auffinden sinnstiftender Aufgaben jenseits einer entgeltlichen Tätigkeit. Am Ende entstand eine Balance zwischen Leben, Arbeiten, Wunsch und Wirklichkeit.
Sandra Otto
9. Wiedereinstieg in den Beruf mal zwei
Zusammenfassung
Die Ersterkrankung zwang die Autorin zum Aussteigen auf Zeit. Gleichzeitig baute sich der Druck auf, allen zu beweisen, was trotz Krebs noch und wieder möglich war. Parallel mit der Rückkehr in den Berufsalltag probierte die Autorin viele Optionen aus, die Zeit und Geld kosteten. Letztendlich kam trotzdem das Rezidiv. Das erneute Auftreten der Krebserkrankung führte zum radikalen Umdenken und Neuausrichten. Die Autorin gab die Führungsposition auf. Sie wurde aufgrund des Auslaufens des Krankengeldes befristet verrentet und arbeitet heute in Teilzeit. Dabei gestaltet sich der Alltag zwischen Beruf, Behandlungen, den Folgen der Krebstherapien und den eigenen Lebenszielen nicht immer einfach. Jeder Tag kann eine Herausforderung bereithalten.
Sandra Otto
10. Ein klares „Ja!“ für eine sinnstiftende Tätigkeit
Zusammenfassung
Immer mehr Studien bestätigen den positiven Effekt einer Berufstätigkeit oder anderen sinnstiftenden Beschäftigung für (ehemalige) Krebspatienten. Allerdings beschränken sich die Analysen auf Krebsfälle ohne Rezidiv bzw. chronische Erkrankungen. Weiterhin fehlen langfristige Betreuungen am Arbeitsplatz, die über die Monate der Wiedereingliederung hinausgehen. Die Leistungsfähigkeit von (ehemaligen) Krebspatienten schwankt mitunter täglich. Dies wird von den Sozialversicherungssystemen noch zu wenig gewürdigt. Gleichzeitig fühlen sich Arbeitgeber und Vorgesetzte mit der Situation der Integration von Krebspatienten in den Arbeitsalltag zu wenig unterstützt. Einschlägige Erfahrungen im großen Stil fehlen noch immer. Unabhängig davon ist eine Berufstätigkeit trotz bzw. nach Krebs möglich. Jede Betroffene findet dabei den eigenen Weg, der sich nicht in eine Studie oder ein Schema einfügen muss.
Sandra Otto
Backmatter
Metadaten
Titel
Arbeiten trotz Krebserkrankung
verfasst von
Dr. Sandra Otto
Copyright-Jahr
2018
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-54883-7
Print ISBN
978-3-662-54882-0
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-54883-7