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14.10.2021 | Onkologische Fachpflege | Onlineartikel

Die optimale Kompression bei brustkrebsbedingtem Lymphödem

Autor:
Joana Schmidt

Armlymphödeme nach einer Mammakarzinombehandlung können Frauen in ihrem Alltag stark einschränken. Welche Art der Kompression hier am besten wirkt, zeigt eine randomisierte Studie.

© Arteria PhotographyLymphödeme als Folge einer Brustkrebsoperation können Frauen in ihrem Alltag stark einschränken. Optimale Entstauung verhilft ihnen wieder zu mehr Lebensqualität. 

Etwa 21% der Frauen, die sich einer Brustkrebstherapie unterziehen, entwickeln Lymphödeme, was mit einer verminderten Lebensqualität einhergeht. Derzeit gibt es keine chirurgischen oder pharmakologischen Behandlungen. Die konservative Therapie beinhaltet den Einsatz einer Kompressionsmanschette, die tagsüber getragen wird. Eine zusätzliche nächtliche Kompression könnte die Prognose verbessern, zeigt eine kanadische Analyse.

Für die dreiarmige Studie rekrutierte ein Team um Prof. Margaret McNeely von der Universität Alberta in Edmonton Frauen mit Lymphödem, deren primäre und adjuvante Brustkrebsbehandlung abgeschlossen war. Patientinnen mit aktiven Mammakarzinomen wurden ausgeschlossen. Die Teilnehmerinnen wurden in drei Gruppen randomisiert: Eine erhielt die Standardversorgung, einen tagsüber zu tragenden Kompressionsärmel mit oder ohne Handschuh, eine zweite nutzte zusätzlich nächtliche Kompressionsverbände und eine dritte kombinierte die Tageskompression mit einer unelastischen Kompressionsmanschette für die Nacht (Nighttime Compression System Garment).

Nachtkompression: Hoher Nutzen, hohe Adhärenz

114 Frauen wurden über 24 Wochen nachbeobachtet. Primärer Endpunkt war die Veränderung des Armvolumens nach zwölf Wochen. Von der 13. bis zur 24. Woche verwendeten alle Gruppen über Nacht Kompressionsmanschetten. Die Adhärenzraten unterschieden sich nur leicht zwischen den Teilnehmerinnen mit nächtlichen Verbänden und denen mit nächtlicher Manschette (95% vs. 96%). Beide Arten der Kompression in der Nacht zusätzlich zur Standardversorgung waren dieser allein signifikant überlegen, sowohl bezüglich der absoluten Reduktion des Armvolumens in Millimetern als auch bei der prozentualen Reduktion.

Die Forscher beobachteten auch signifikante Verbesserungen der Lebensqualität in allen Gruppen, jedoch ohne signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen. „Der Nutzen und die hohe Adhärenz, die sowohl in der Gruppe mit den nächtlichen Verbänden als auch in der mit den nächtlichen Manschetten beobachtet wurden, unterstützen die Kompression in der Nacht als Strategie zur Behandlung von Lymphödemen“, resümieren McNeely und Kollegen. Zwar seien die Manschetten die teurere Alternative für die Patientinnen, allerdings seien sie auch effizienter und einfacher anzuwenden, was eine langfristige Adhärenz fördere.

Das Wichtigste in Kürze

Frage: Wie wirksam ist nächtliche Kompression als Selbstmanagementstrategie für Frauen mit chronischem brustkrebsbedingtem Lymphödem?

Antwort: Die Studie zeigte eine signifikante Verringerung des Armvolumens bei Frauen mit Lymphödemen durch zusätzliche nächtliche Kompression.

Bedeutung: Der Nutzen und die hohe Adhärenz unterstützen die Kompression in der Nacht als wirksame, ergänzende Strategie zur Behandlung von Lymphödemen.

Einschränkung: Die Anzahl an Studienteilnehmerinnen war gering.© Arteria Photography

Literatur
Bildnachweise