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07.02.2022 | Onkologie | Nachrichten

Neuer Parameter für Patientensicherheit nach Krebs-OP

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Forschende der Universitätsklinika Heidelberg und Würzburg schlagen eine neue Kenngröße für die Bewertung der Qualität von Krebsoperationen vor. Diese „Risiko-standardisierte Krankenhaussterblichkeit" errechnet sich aus Routinedaten des Gesundheitssystems und berücksichtigt individuelle Risikofaktoren.

Mehr Sicherheit bei Krebs-OPs © Universitätsklinikum HeidelbergMehr Sicherheit bei Krebs-OPs: Ein neuer Marker ergänzt die vom G-BA festgelegte Mindestmengenvorgabe.

Komplexe operative Eingriffe sollen in Deutschland nur in Kliniken durchgeführt werden, die jährlich eine Mindestanzahl entsprechender Operationen durchführen. Das Ziel: ein Höchstmaß an Sicherheit und medizinischer Versorgungsqualität zu gewährleisten. Die OP-Mindestmengen legt der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) fest. Damit ist die Anzahl der jährlich in einem Krankenhaus durchgeführten Operationen der Maßstab für die Qualität der Behandlung. Allerdings können damit Unterschiede in der Behandlungsqualität zwischen Krankenhäusern mit ähnlicher Fallzahl nicht abgebildet werden. Eine Adjustierung an relevante Risikofaktoren der behandelten Patient*innen erfolgt nicht.

Individuelle Risikofaktoren berücksichtigen

Um die chirurgische Qualität genauer zu messen, haben die Mediziner*innen der Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) und des Viszeralonkologischen Zentrums am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) einen Marker für die Behandlungsqualität vorgestellt, der relevante individuelle Patientenrisikofaktoren sowie die Qualität des einzelnen Krankenhauses berücksichtigt: die Risiko-standardisierte Krankenhaussterblichkeit (Risk Standardized Mortality Rate, RSMR).

Daten von fast einer halben Million Patient*innen ausgewertet

Die Basis der RSMR ist die Anzahl der Patient*innen, die in Folge bestimmter Operationen in einem Krankenhaus versterben und das jeweilige Risikoprofil der Behandelten (z. B. wichtige Begleiterkrankungen). Für ihre Analysen nutzten die Mediziner*innen bundesweite Krankenhausabrechnungsdaten, die über das Fallpauschalensystem erhoben wurden. In diesem System werden sogenannte diagnosebezogene Fallgruppen (diagnosis related groups, DRG) eingeordnet und abgerechnet. Gespeichert sind hier Daten zur Erkrankung, Haupt- und Nebendiagnosen, operative Maßnahmen und Entlassungsdaten. Insgesamt werteten die Forschenden Daten von knapp einer halben Million Patient*innen aus ganz Deutschland aus, die zwischen Januar 2010 und Dezember 2018 im Rahmen einer Krebserkrankung operiert wurden. Anschließend verglichen sie die Ergebnisse mit dem Volumen-basierten Bewertungsmodell.

„Die international besetzte Arbeitsgruppe zeigte, dass deutschlandweit nahezu kein Krankenhaus mit sehr niedriger Fallzahl ein sehr gutes Behandlungsergebnis erzielt, jedoch auch mindestens die Hälfte aller Kliniken mit sehr hohen Patientenfallzahlen nicht zwingend die bestmögliche Behandlungsqualität erreichen", berichtet Professor Dr. Hauke Winter, Chefarzt der Thoraxklinik Heidelberg am Universitätsklinikum Heidelberg und Leiter der Abteilung für Thoraxchirurgie. Hohe Fallzahlen führen also nicht automatisch zu einer niedrigen Patientensterblichkeit. Dagegen konnten auch einige Krankenhäuser mit mittleren Fallzahlen gute Operationsergebnisse erzielen. „Dies liegt daran, dass die Operationsqualität vielschichtig ist und nicht nur von der Patientenmenge abhängig ist. Letztere beeinflusst zwar die Erfahrungen und Routine des Personals, für den Erfolg der Operation spielen aber auch Faktoren wie die Aus- und Weiterbildung, die tatsächliche Verfügbarkeit

eines multidisziplinären Teams und ein gutes Komplikationsmanagement eine wesentliche Rolle", sagt Professor Dr. Armin Wiegering, stellvertretender Direktor und leitender Oberarzt der Chirurgischen Klinik I des UKW.

Konkrete Behandlungsqualität als Maßstab

Der neue Parameter berücksichtigt daher nicht nur reine Fallzahlen, sondern die konkrete Behandlungsqualität eines Krankenhauses nach Krebsoperationen. Gemäß RSMR führen mehr Krankenhäuser eine sicherere Behandlung durch, als nach dem Mindestmengenparameter. Dies bedeutet in der Praxis, dass in einem nationalen Zentralisierungsmodell nach RSMR mehr Krankenhäuser in Deutschland mit guten Ergebnissen existieren. Ein Vorteil für Patient*innen wäre übrigens, dass die Fahrt zum Wunsch-Krankenhaus nach dem RSMR-Parameter kürzer ausfallen würde als nach Mindestmengen-Parameter.

Die Studie wurde im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht (doi 10.1200/JCO.21.01488). Sie ist auf planbare Eingriffe bei Krebspatient*innen beschränkt, die etwa fünf Prozent aller Operationen in Deutschland ausmachen.

(SK)

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