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07.01.2019 | Onkologie | Nachrichten

Fördert der Dauerstress im Job das Krebsrisiko?

Autor:
Dr. Christine Starostzik

Die tägliche Hektik und psychische Belastung im Job ist einer chinesischen Metaanalyse zufolge ein wichtiger Risikofaktor für die Malignomentwicklung. Signifikante Zusammenhänge zwischen Arbeitsstress und Krebserkrankungen zeigten sich für drei Krebsarten.

Stress kann Menschen auf vielfältige Weise schaden. Der Blutdruck steigt, Herz und Gefäße leiden, Kopf- und Rückenschmerzen breiten sich aus, das Diabetesrisiko und die Infektionsneigung nehmen zu und es kann u. a. zu Tinnitus und Impotenz kommen. Ob die psychische Belastung im Berufsleben auch Einfluss auf die Entstehung von Krebserkrankungen nehmen kann, haben jetzt erneut chinesische Wissenschaftler untersucht. Im Rahmen einer Metaanalyse haben Tingting Yang vom Henan Provincial People’s Hospital in Zhengzhou und Kollegen die Ergebnisse von neun geeigneten Beobachtungsstudien aus Europa und Nordamerika zusammengefasst. Insgesamt wurden die Daten von 281.290 Studienteilnehmern aus sieben Ländern analysiert, von denen 9090 eine Krebserkrankung entwickelt hatten.

Teilnehmer mit hohem Arbeitsstress hatten in der multivariaten Analyse im Vergleich zu solchen, die keinem beruflichen Stress ausgesetzt waren, ein um insgesamt 17% höheres Krebsrisiko. Wurden die Tumoren im Einzelnen bewertet, ergab sich für drei Krebsarten ein signifikant erhöhtes Risiko: + 24% für den Lungenkrebs, + 36% für das Kolorektalkarzinom und + 112% für das Ösophaguskarzinom. Keine klaren Zusammenhänge zwischen Arbeitsstress und Krebserkrankung ließen sich dagegen für den Prostatakrebs, den Brustkrebs oder das Ovarialkarzinom erkennen.

Weitere Krebsarten waren nur in einer Studie untersucht worden. Hier war das Risiko für ein Blasenkarzinom signifikant um 37% erhöht und für ein Magenkarzinom um 53%. Zusammenhänge zwischen Stress und Krebserkrankungen der Niere, des Pankreas, des Gehirns, der Verdauungsorgane, viren- oder hormonassoziierten Tumoren sowie Non-Hodgkin-Lymphom konnten in dieser Studie nicht nachgewiesen werden.

Allerdings unterschieden sich in Subgruppenanalysen, in denen auch Lebensstilfaktoren berücksichtigt wurden, die Ergebnisse für Europa und Nordamerika: Während der signifikante Zusammenhang zwischen Stress und Kolonkarzinom nur für Nordamerika galt (RR 1,51 vs. 1,16 in Europa), verhielt es sich beim Ösophaguskarzinom umgekehrt (Europa: RR 2,82 vs. Nordamerika: 1,44). Zudem ergab sich für Männer ein höheres Risiko beim Lungen- und Kolorektalkarzinom als für Frauen.

Um die Zusammenhänge zwischen Arbeitsstress und der Entwicklung von Krebserkrankungen genauer zu untersuchen, so Yang und Kollegen, seien nun prospektive Studien mit größeren Stichprobenumfängen erforderlich.

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