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Forderungspapier Medizinische und pflegerische Notfallversorgung gemeinsam denken

Krisen bei Pflegebedürftigen zeigen täglich die Grenzen des Versorgungssystems auf. Viele Klinikeinweisungen wären vermeidbar. Ein neues Forderungspapier skizziert, wie eine integrierte Notfallversorgung gelingen kann.

© Jovanmandic / iStockViele Krankenhauseinweisungen bei Senioren wären vermeidbar. Dafür braucht es allerdings eine enge Verzahnung von medizinischer und pflegerischer Notfallversorgung, so Expert*innen.

Das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) und der Intensivmediziner Prof. Dr. Christian Karagiannidis sprechen sich für eine engere Verzahnung von medizinischer und pflegerischer Notfallversorgung aus. Hintergrund ist, dass multimorbide Patient*innen und Pflegebedürftige häufig in Notfallsituationen geraten, auf die das derzeitige System nicht ausreichend vorbereitet ist. 

Eine Reform der Notfallversorgung sei dringend erforderlich, um Fehlsteuerungen zu vermeiden und die stationäre Notfallversorgung zu entlasten, heißt es in einem am 23. Februar veröffentlichten gemeinsamen Forderungspapier. Kritisch sehen die Autor*innen jedoch, dass die Notfallreform des Bundes sowie die Vorschläge des “Zukunftspakts Pflege” für eine pflegerische Notfallversorgung derzeit getrennt diskutiert werden. 

Die Reformvorhaben nebeneinander zu regeln, sei weder aus dem Blickwinkel der Betroffenen noch mit dem Ziel einer intelligenten Gesamtsteuerung sinnvoll. Zur Gestaltung der Reform haben die Autor*innen daher fünf Forderungen formuliert. Diese sollten noch im laufenden Gesetzgebungsverfahren Berücksichtigung finden: 

  1. Aufbau einer integrierten medizinisch-pflegerischen Notfallversorgung
    Angesichts zunehmender Pflegenotfälle soll eine pflegerische Notfallversorgung Sektoren-übergreifend und integrativ aufgebaut werden. Community Health Nurses könnten hier eine Schlüsselrolle spielen. 
  2. Ersteinschätzung von Pflegenotsituationen über die Leitstellen 
    Pflegerische Notfälle sollen über die etablierten Leitstellensysteme (112/116117) erfasst werden. Fälle, die keine medizinische Versorgung erfordern, sollen an eine Pflegenotfallnummer weitergeleitet werden, die die pflegerische Notfallversorgung aktiviert.  
  3. Aufbau regionaler Interventionsteams
    Wo telefonische oder telepflegerische Beratung nicht ausreicht, sollen Interventionsteams zum Einsatz kommen.
  4. Aufbau von Regional- oder Primärversorgungszentren sowie Notfallpflegeangeboten  
    Wenn eine häusliche Versorgung nicht möglich ist, sollen pflegerische Notfälle in Regional- bzw. Primärversorgungszentren oder Notfallpflegeangeboten versorgt werden – z. B. in Kooperationen mit Pflegeeinrichtungen.
  5. Pflegefachliche Begleitung aller Pflegebedürftigen
    Die Einrichtung einer pflegefachlichen Begleitung für alle Pflegebedürftigen soll Notfällen vorbeugen. Dazu sind auch Schnittstellen zur elektronischen Patientenakte (ePA) einzurichten. 

Die Vorschläge der Expert*innen stützen sich u.a. auf Erfahrungen aus einem Wiesbadener Pilotprojekt. Durch eine Kooperation zwischen Rettungsdienst und kommunaler Altenhilfe konnten in der hessischen Stadt zahlreiche Krankenhauseinweisungen vermieden und schnelle Hilfe für Menschen mit Unterstützungsbedarf organisiert werden. (ne)

Bildnachweise
Senior erhält zu Hause Infusion/© Jovanmandic / iStock