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08.07.2022 | News Hebammen | Nachrichten

Zwei Jahre „Hilfetelefon nach schwieriger Geburt“

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Viele Mütter erleben Geburten, die sie stark belasten. Schnelle Unterstützung fehlt häufig. Dabei ist sie dringend nötig, um negative Folgen für Familien zu verhindern. Eine erste Anlaufstelle ist seit zwei Jahren das Hilfetelefon nach schwieriger Geburt.

„Die Geburt während Corona war sehr schlimm für mich. Da war das Hilfetelefon super. Das Gespräch hat mir sehr gut getan”, schreibt eine Mutter an das Hilfetelefon nach schwieriger Geburt. Im Juni vor zwei Jahren startete das in Deutschland einmalige Hilfsangebot mit dem Ziel, Menschen nach einer schwierigen und belastenden Geburtserfahrung eine leicht erreichbare Anlaufstelle zu bieten. Die Hotline ist zweimal in der Woche mittwochs von 12 bis 14 Uhr und donnerstags von 19 bis 21 Uhr unter der Rufnummer 0228-92959970 erreichbar.

Anzahl der Anrufe steigt

In der Zeit von Mai 2021 bis April 2022 führten die Fachberaterinnen des Hilfetelefons 203 Gespräche durch – 55 Anrufe mehr als im ersten Jahr. „Das zeigt, wie dringend Menschen Unterstützung brauchen, wenn sie die Geburt ihres Kindes belastet“, sagt Katharina Desery, Vorstand beim Verein Mother Hood. Sie hat das Hilfetelefon gemeinsam mit Paula Diederichs von der International Society for Pre- and Perinatal Psychology and Medicine, ISPPM, gegründet.

Am häufigsten meldeten sich Mütter. Die meisten erlebten die Geburt ihres Kindes problematisch, weil sie vom Klinikpersonal über medizinische Eingriffe nicht angemessen aufgeklärt wurden. Als besonders belastend empfinden Mütter medizinische Eingriffe wie das sogenannte Kristellern, bei dem Ärzt*innen oder Hebammen das Kind aus dem Bauch heraus drückt. Auch ein Kaiserschnitt, die Anwendung der Saugglocke oder der Dammschnitt zur Beendigung der Geburt belasten Mütter sehr.

Schwierige Geburtserfahrungen auffangen

„Eine belastende Geburt kann das Leben von Mutter, Kind und der ganzen Familie sehr lange negativ beeinträchtigen”, sagt Diederichs. In der Öffentlichkeit fehle die Unterstützung für Mütter oft, das Thema finde wenig Beachtung. Diederichs leitet in Berlin-Mitte eine SchreiBabyAmbulanz und das WIKK-Weiterbildungsinstitut für Ressourcen- und Körperorientierte Krisenbegleitung. Das Institut bietet Weiterbildungen zur Krisenbegleiterin für Schwangerschaft, Geburt und früher Kindheit an.

Nicht allein der Personalmangel in Geburtskliniken beeinflussen das Wohlbefinden der Mutter und letztendlich auch des Kindes negativ. Oft zeigt sich ein fehlendes Verständnis für die psychischen und körperlichen Folgen von unzureichender Geburtsbegleitung: Werden Gebärende zum Beispiel nicht kontinuierlich gut betreut und über medizinische Eingriffe aufgeklärt, fühlen sie sich ausgeliefert, gestresst oder übergangen. „Diese Gefühle verschwinden nicht einfach mit dem Baby auf dem Arm”, erklärt Diederichs.
Die Vereine Mother Hood und ISPPM schätzen, dass rund 20-50% der Frauen die Geburt ihres Kindes als schwierig, belastend oder sogar traumatisch erleben. (jr)

hilfetelefon-schwierige-geburt.de

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