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11.07.2022 | News Hebammen | Nachrichten

Forderung für Corona-Herbst: Keine einsamen Geburten mehr!

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Der „Expert*innenrat Pflegewissenschaft/ Hebammenwissenschaft und Pandemie“ nennt in seiner ersten Stellungnahme konkrete Empfehlungen zur Vorbereitung auf eine weitere SARS-CoV-2-Welle im Herbst. Dabei mahnt er zur umfassenden Einbindung der Expertise von Hebammen und Pflegenden.

Die Expertise aus Pflege- und Hebammenwissenschaft wurde in der Pandemiebewältigung bisher kaum berücksichtigt. Der vom Deutschen Pflegerat (DPR) im März einberufene Expert*innenrat hat jetzt Empfehlungen an Politik und Verwaltung veröffentlicht, die „klare Steuerungsimpulse“ für das weitere Pandemiegeschehen geben sollen. Aus Sicht des DPR stehen die Sektoren der Pflege und des Hebammenwesens erneut vor großen Herausforderungen, die gemeinsames Handeln und eine zeitnahe Vorbereitung erforderlich machen.

Die auf einer Pressekonferenz vorgestellten zehn Handlungsempfehlungen zeigen, welche Punkte anzugehen sind, um das Gesundheitswesen auf die im Herbst erwartete neue pandemische Welle einzurichten. Sie basieren auf den „internationalen und nationalen pflegewissenschaftlichen und hebammenwissenschaftlichen Diskurs“.

Keine Ausgrenzung, keine geschlossenen Einrichtungen

Pflegebedürftige Menschen und Patient*innen sowie Schwangere, Gebärende, Wöchnerinnen und Neugeborene dürften durch Maßnahmen des Infektionsschutzes nicht wieder ausgrenzt werden, heißt es daher an erster Stelle in den Empfehlungen. Einrichtungen sollen geöffnet bleiben und – abhängig von der Situation – mit gezielten Besuchsmöglichkeiten reagieren. „Dauerhafte Freiheitseinschränkungen in Pflegeeinrichtungen, die Selbstisolation von im eigenen Zuhause lebenden Pflegebedürftigen und ihren Familien, einsame Geburten, verwehrte Besuche im Krankenhaus können wir nicht akzeptieren. Sie sind ethisch nicht vertretbar und bringen selbst erhebliche Gefahren für Gesundheit und Wohlergehen der betroffenen Personen“, sagte der Sprecher des Expert*innenrats, Thomas Fischer.

Ferner fordern die Expert*innen, die pflegerische Versorgung sicherzustellen und Krisenpläne vorzubereiten. Die Expertise von Pflegefachpersonen und Hebammen soll in allen Entscheidungsgremien und Krisenstäben eingebunden werden.

Wissenslücken zu Effekten der Infektionsschutzmaßnahmen

„Auch im dritten Jahr der Pandemie fehlt grundlegendes Wissen, etwa zu Wirksamkeit und unerwünschten Wirkungen von Infektionsschutzmaßnahmen bei pflegebedürftigen oder vulnerablen Personen“, stellt der Expert*innenrat fest. Es sei dringend notwendig, dass diese Wissenslücken schnellstens systematisch durch entsprechende Forschungsprojekte für Hebammen- und Pflegewissenschaftler*innen zu schließen.

Die Empfehlungen der Expert*innenkommission im Überblick

  1. Pflegebedürftige Menschen, Patient*innen und deren Angehörige nicht ausgrenzen
  2. Pflegerische und Hebammen-Versorgung auch in der Pandemiewelle sicherstellen
  3. Pflegefachpersonen und Hebammen autorisieren, Schutzimpfungen durchzuführen
  4. Patient*innen und pflegebedürftige Menschen bestmöglich vor Infektionen schützen
  5. Berufliche Expertise der Pflegefachpersonen und Hebammen in alle Entscheidungsgremien und Krisenstäbe einbinden
  6. Infektionsgeschehen, Krankheitslast und Sterblichkeit im Hinblick auf COVID-19 lückenlos epidemiologisch erfassen
  7. Pflegeforschung und Hebammenforschung fördern, um Entscheidungsgrundlagen zum Umgang mit SARS-CoV-2 zu schaffen
  8. Pflegerische und Hebammen-Versorgungsstrukturen innovativ weiterentwickeln
  9. Eine interdisziplinäre und sektorenübergreifende Zusammenarbeit fördern
  10. Ambulante Hebammenarbeit als systemrelevante, kritische Infrastruktur mitberücksichtigen

Die Langversion der Expert*innenempfehlungen mit ausführlicher Begründung und Literatur finden sie hier


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