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07.06.2022 | News Hebammen | Nachrichten

Notfall während der Geburt

Fruchtwasserembolie: Eine Vorhersage bleibt schwierig

verfasst von: Claudia Baier

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Die Fruchtwasserembolie ist eine gefürchtete Komplikation während der Geburt. Das Wissen um Risikofaktoren könnte ein schnelleres Handeln ermöglichen. Eine chinesische Studie hat potenzielle Zusammenhänge untersucht.

Hinweis: Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Die Pathogenese der Fruchtwasserembolie ist auch heute noch nicht vollständig verstanden. Als am wahrscheinlichsten gilt im Moment eine mechanische Obstruktion des mütterlichen Kreislaufs, ausgelöst durch Fruchtwasser, dass in den Blutkreislauf eintritt. Hier kommt es wahrscheinlich zu einer Reaktion des mütterlichen Immunsystems gegen fetale Antigene, die in einer systemischen Entzündungsreaktion mündet. Die Mortalitätsrate ist hoch, nicht zuletzt, weil das Wissen über die Pathogenese so gering ist.

Ein Team aus China hat Daten zur Müttergesundheit in der Provinz Zhejiang ausgewertet, um mögliche Risikofaktoren für einen tödlichen Verlauf zu identifizieren. Dort wurden im Zeitraum von 2006 bis 2019 insgesamt 149 Fälle einer Fruchtwasserembolie erfasst. 80 davon verliefen tödlich. Bemerkenswert ist, dass die Müttersterblichkeit im beobachteten Zeitraum zwar kontinuierlich gesunken, die Inzidenz für tödlich verlaufende Fruchtwasserembolien aber weitestgehend gleichgeblieben ist.

Im Schnitt vergingen vom Einsetzten der ersten Symptome bis zur Diagnosestellung 85,5 Minuten (0 bis 627 min). 20% der Betroffenen (16/80) verstarben innerhalb der ersten Stunde, weitere 60% (48/80) ein bis zwölf Stunden nach Eintritt der Krankheit. 

Geburtsmodus trägt zum Risiko bei

Aufgrund der erhobenen Daten identifizierte das Team um Chengya Zhu (Zheijang-Universität in Hangzhou) folgende Faktoren, die mit einem tödlichen Verlauf einer Fruchtwasserembolie assoziiert sind: postpartale Blutungen (adjustierte Odds Ratio, aOR 5,3), Mekonium-Kontamination des Fruchtwassers dritten Grades (aOR 6,5) und Herzstillstand (aOR 64,8). Ein Alter der Gebärenden über 35 Jahre scheint hingegen kein Risikofaktor zu sein.

Zahlreiche vorangegangene Studien haben den Kaiserschnitt als Risikofaktor für eine Fruchtwasserembolie identifiziert. Das Risiko für einen tödlichen Verlauf scheint laut den chinesischen Daten bei der spontanen vaginalen Geburt allerdings zwölfmal höher als beim Kaiserschnitt zu liegen (aOR 12,3), bei der instrumentellen vaginalen Geburt immerhin noch dreimal höher (aOR 2,8). Die Forschenden mutmaßen, dass durch enge Überwachung im operativen Setting erste Anzeichen wie ein Abfallen der Sauerstoffsättigung und des Blutdrucks schneller erkannt werden und demzufolge schneller eingegriffen werden kann.

„Fruchtwasserembolie bleibt unvorhersehbar“

Aufgrund der relativ geringen Fallzahl dieser Studie bleibt eine Einschätzung der Aussagekraft und eine allgemeine Gültigkeit dieser Daten schwierig. Sie unterstreichen dennoch das Dilemma für Behandelnde im Falle einer Fruchtwasserembolie: eine schnelle Diagnose ist schwierig und die Handlungsmöglichkeiten sind begrenzt.

„Eine Fruchtwasserembolie ist unvorhersehbar“, schlussfolgert auch das Team um Zhu. „Aufgrund des rapiden Verlaufs sollten charakteristische Anzeichen rechtzeitig erkannt, eine frühe aktive Behandlung eingeleitet und so schnell wie möglich mit der Behandlung des Schocks begonnen werden, um die hämodynamische Stabilität der Mutter wiederherzustellen.“ Dazu bedarf es laut Zhu aber weiterer Erhebungen, um Rückschlüsse für die Prävention und Behandlung ziehen zu können.

Das Wichtigste in  Kürze

Frage: Welche Risikofaktoren begünstigen einen tödlichen Verlauf bei einer Fruchtwasserembolie?

Antwort: Zu den Risikofaktoren gehören eine vaginale Entbindung, postpartale Komplikationen sowie Herzstillstand.

Bedeutung: Um einen tödlichen Verlauf einer Fruchtwasserembolie zu verhindern, ist es wichtig, die ersten Symptome schnell zu erkennen und entsprechende therapeutische Maßnahmen einzuleiten.

Einschränkung: Studie beschränkt sich auf relativ wenige Fälle und ein geografisch eng umgrenztes Gebiet in China.

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