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Malnutrition Awareness Week  Mangelernährung hat viele Gesichter

Mangelernährung betrifft nicht nur Menschen mit Untergewicht. Darauf verweisen Ernährungsmediziner anlässlich der Malnutrition Awareness Week. Besonders gefährdet sind ältere Menschen und chronisch Kranke. Auch Adipositas schließt eine Mangelernährung nicht aus. 

© bilderstoeckchen / stock.adobe.comÄltere Patient*innen sind besonders gefährdet für Mangelernährung. 


Millionen Menschen in Deutschland sind mangelernährt. Zu den besonders gefährdeten Gruppen gehören laut Deutscher Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) ältere Menschen. „Mit dem Älterwerden schrumpfen die körperlichen Reserven, die Verwundbarkeit nimmt zu“, erklärt der Heidelberger Geriater und 2. Vizepräsident der DGEM, Jürgen Bauer.

Folgen von Energie- und Eiweißmangel 

Fehlt dem Körper Energie- und Eiweiß, baut er Muskelmasse ab - mit gravierenden Folgen wie allgemeiner Schwäche, Stürzen und dem Verlust der Selbstständigkeit. Allein im Krankenhaus verliert ein älterer Patient innerhalb von drei Tagen bis zu 1 Kilogramm Muskelmasse, so Bauer. 

Gewichtsverlust bei Älteren nicht unterschätzen

Gewichtsverlust im Alter dürfe nicht unterschätzt werden: „Ein Kilo weniger im Jahr wirkt harmlos – ist es aber nicht.“ Jede ungewollte Gewichtsabnahme im höheren Alter sei medizinisch abzuklären. Gefährdet sind laut Bauer insbesondere ältere Menschen, die unter Appetitverlust und Depressionen leiden oder die sozial isoliert sind. Auch die zunehmende Altersarmut trägt aus Sicht des Experten zur Verschärfung der Problematik bei.

Übergewicht schützt nicht vor Mangelernährung

Wie die Fachgesellschaft betont, schließt auch Übergewicht eine Mangelernährung nicht aus. So weisen bis zu 30 Prozent der Menschen mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes trotz ausreichender Kalorienzufuhr einen ausgeprägten Mangel an Vitaminen und Spurenelementen auf. Ein wachsendes Problem sieht die DGEM zudem im gleichzeitigen Auftreten von Übergewicht und Muskelschwund bei Menschen mit Typ-2-Diabetes. Dem Erhalt von Muskelmasse werde hier zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei schwäche ein Abbau von Muskelmasse nicht nur den Körper, sondern wirke sich auch negativ auf die Stoffwechsel-Situation aus.     

Mangelernährung ist vermeidbar

DGEM-Präsident Gert Bischoff weist auf die gesundheitspolitische Dimension des Problems hin. Er betont: Durch ein systematisches Screening und eine leitliniengerechte Ernährungstherapie könnten jährlich über 50.000 Todesfälle verhindert werden. „Mangelernährung ist kein unausweichliches Schicksal – sie ist vermeidbar, wenn die Strukturen stimmen.“ 

Die DGEM fordert daher verpflichtende Ernährungsteams in allen Krankenhäusern sowie ein flächendeckendes Screening bei Aufnahme. (ne)
 

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Seniorin in Krankenhausbett (Symbolbild mit Fotomodell)/© bilderstoeckchen / stock.adobe.com