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06.10.2017 | Krankenhaus | Nachrichten

Klinikclowns finden ihre Bezahlung nicht lustig

Autor:
Christina Bauer

Seit vielen Jahren besuchen Klinikclowns kleine Patienten. Sie lenken ab, heitern auf und sind längst auch bei älteren Menschen im Einsatz. Der jahrelange, zuweilen frustrierende Kampf für eine faire Finanzierung ihrer Arbeit fordert viel Energie und Durchhaltevermögen.

© Christoph FuhrWorkshop in Bayern: Auch Klinikclowns müssen für ihren Arbeitsalltag trainieren.

Von "Ärztinnen" wie Dr. Zottl oder Dr. Lala Schubidu lassen sich kleine Patienten gern behandeln. Die beiden Klinikclowns bringen keine Spritze oder Untersuchung, sondern freundliche Ansprache und eine Dosis Heiterkeit.

"Ein Clown fordert nichts, er nimmt die Situation, wie sie ist", sagt Elisabeth Makepeace, Vorsitzende des Vereins Klinikclowns Bayern und des bundesweiten Dachverbands. Eine solche Intervention ist im therapeutischen Sinne keineswegs "umsonst". Denn gute Laune ist heilsam. Längst weisen darauf Studien hin. Heiterkeit kann helfen, schneller gesund zu werden. Stresshormone werden reduziert, Wohlfühlhormone ausgeschüttet, das Herz-Kreislauf-System angeregt und das Immunsystem stimuliert. Selbst wo es keine Heilung gibt, kann wohldosierter Humor die Situation erträglicher machen. Es gibt Clowns, die Patienten bis zum Lebensende begleiten.

Klinikclowns besuchen immer öfter erwachsene Patienten

Seit 20 Jahren haben sich die Spaßmacher im deutschen Gesundheitswesen etabliert. 1997 gründete sich etwa der Verein Klinikclowns Bayern, mit damals landesweit 188 Einsätzen. Das Ganze begann, wie überall sonst auch, bei den Kleinsten. Die Clowns traten an, um kranke Kinder aufzuheitern. Einer ihrer ersten Einsatzorte war das Deutsche Herzzentrum (DHZ) in München. Das macht damit bis heute gute Erfahrungen, wie DHZ-Psychologin Maria Kux berichtet. "Nach einer Operation trauen sich viele Kinder erst mal nicht, aus dem Bett aufzustehen. Ein Clown motiviert sie dann doch dazu, und sie sehen: Das kann ich schon!"

Im Grunde sei der Besuch eine Art spieltherapeutische Intervention. Pädiatrische Stationen sind bis heute das primäre Clown-Einsatzgebiet. In Bayern sind sie jede Woche in bis zu 25 Kinderkliniken und -stationen von Agatharied bis Weiden im Einsatz. Inzwischen sind die Clowns aber auch in Geriatrischen Stationen und Seniorenheime zu Gast. Sogar dementen Senioren können sie die ein oder andere Erinnerung wiederbringen. Ein vor Jahrzehnten gelerntes Lied können die alten Menschen oft noch mitsingen, wenn sie sich schon nicht mehr an die Gesichter von Angehörigen erinnern. So laden in Bayern inzwischen 51 Stationen und Heime regelmäßig Rotnasen ein. "Wir wollen die Lebensqualität in den Mittelpunkt stellen, nicht die Symptomatik", erklärt Professor Johannes W. Kraft, Chefarzt am Klinikum Coburg. An der von ihm geleiteten Fachklinik für Geriatrie und Rehabilitation sind die Clowns seit fast zehn Jahren jede Woche zu Gast. Manche frühere Patienten, so Kraft, erinnern sich sogar nach Jahren noch an deren Besuch.

In den letzten Jahren schauen die Spaßmacher nun immer öfter bei erwachsenen Patienten vorbei. "Auch ein schwer kranker Erwachsener ist in einer Ausnahmesituation", sagt Makepeace. "Der Clown versucht, ihm da ein wenig herauszuhelfen." Besuche in Pflegeheimen für behinderte Menschen gibt es ebenfalls, sie sind bisher aber eine Ausnahme.

In anderen Ländern unterstützt der Staat die Clowns

Für die Clowns ist das, was sie tun, ihr Beruf, oder zumindest ein Teil davon. Viele sind ausgebildete Schauspieler, für die Clown-Einsätze haben sie sich nochmals weitergebildet. Finanziell sind sie oft von Spenden oder Sponsoren abhängig. Daher demonstrierte der Dachverband Clowns in Medizin und Pflege 2014 in Berlin für eine staatliche Förderung.

In anderen Ländern sitzt der Staat bei der Finanzierung mit im Boot, etwa in England und den Niederlanden. Die Bundestagspetition für eine entsprechende Gesetzesänderung erzielte immerhin etwa 4800 Unterschriften, letzten Endes aber reichte das nicht für eine Zusage.

Im Juli 2017 sprachen die Verantwortlichen mit dem GKV-Spitzenverband und der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Ihr Ziel ist eine gesetzliche (Mit-)Finanzierung von Clown-Besuchen bei chronisch kranken Kindern über die GKV. Es gab auch Gespräche mit Bundestagsabgeordneten mit dem Ziel eines Zuschusses für Senioren-Besuche. Der Entscheidungsprozess ist langwierig.

Seit 2011 gibt es ein europaweites Netzwerk, die European Federation of Hospital Clown Organizations (EFHCO). Die meisten Clown-Einsätze (148 300) hat danach Österreich, über die Organisation Rote Nasen. Die gibt es auch in Deutschland. Ihre Arbeit läuft parallel zu der des Dachverbands, der im vergangenen Jahr 52 850 Clown-Einsätze verzeichnete.

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