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11.07.2018 | Krankenhaus | Nachrichten

Bayerische Kliniken locken Pflegekräfte

Autor:
Christina Bauer

Bayerische Kliniken versuchen, durch allerlei Anreize Fachkräfte anzulocken – besonders in der Intensiv- und Kinderpflege. Ganz oben auf der Maßnahmenliste stehen kreative Ausbildungskonzepte.

Bewerbung © Alexander Raths / Fotolia (Symbolbild mit Fotomodell)Gut lachen haben Pflegekräfte, die sich an bayerischen Kliniken bewerben, derzeit: Viele Standorte locken mit zusätzlichen Vergünstigungen.

Zwar ist der Fachkräftemangel in bayerischen Kliniken bei weitem nicht so eklatant wie in manch anderer Region Deutschlands, trotzdem rüsten sich die Häuser bereits, um auch künftig personell gut aufgestellt zu sein. Intensive Anwerbestrategien lautet ihr Rezept, wobei es weniger um finanzielle Anreize geht, wie der Blick auf die Zahlen zeigt.

So sind derzeit am Klinikum Nürnberg 22,15 Vollzeitstellen in der Pflege unbesetzt. Angesichts von insgesamt etwa 1500 Vollzeitstellen sei das nicht allzu viel, wie Peter Schuh, Vorstand für Personal und Patientenversorgung, der "Ärzte Zeitung" sagte. "Wir haben die Ausbildungskapazitäten bis zum Anschlag hochgedreht", so Schuh.

Im Bereich Pflege gebe es an der Klinik 400 Ausbildungsplätze, zudem 60 für Pflegefachhelfer und 100 für MFA. Interessant sei für viele Pflegekräfte die zusätzliche Intensivpflege-Ausbildung. Die könnten am Klinikum 24 Pflegekräfte pro Jahr beginnen. Sie könnten sie zudem kostenlos und während der Arbeitszeit absolvieren.

Zuletzt seien noch eigene Ausbildungen für Operationstechnische Assistenten (OTA) und Anästhesietechnische Assistenten (ATA) hinzugekommen. In einer klinikinternen, gut organisierten Ausbildung sieht der Personalvorstand einen zentralen Baustein zur Fachkräftesicherung.

70 offene Stellen in etwa

Am Städtischen Klinikum München arbeiten derzeit 3300 Pflegekräfte. "Aktuell gibt es rund 70 offene Stellen im Pflegebereich – insbesondere in der Kinder- und Intensivmedizin", so Pressereferentin Ann Sophie Schlosser auf Anfrage. Bewerbern würden einige Extras angeboten.

So gebe es Hilfe bei der Suche nach Wohnung oder Kita-Platz, und die Klinik übernehme teilweise Umzugskosten. Etwa für 1000 Wohnungen bestünden Bezugsrechte. An zwei Klinikstandorten sollen bald weitere Wohnungen hinzukommen, an einem Standort zudem eine Kita.

Seit Anfang 2018 gebe es nun auch eine Anwerbeprämie von 8000 Euro. Diese erhielten je zur Hälfte die werbenden und die angeworbenen Mitarbeiter. "Bisher konnten auf diesem Wege 23 neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gewonnen werden, vor allem Gesundheits- und (Kinder- )Krankenpflegekräfte, Hebammen sowie Medizinisch- und Operations-Technische Assistentinnen", so die Referentin.

Die klinikeigenen 500 Ausbildungsplätze seien immer gut nachgefragt. In diesem Jahr sollen zudem 70 Pflegekräfte an der Klinik anfangen, die gezielt in Portugal, Italien und den Philippinen angeworben wurden.

"Abwerbeprämien sind aus unserer Sicht nur eine sehr kurzfristige Maßnahme", so Sabine Karg, Referentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe, Region Südost, im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Zentral sei die hohe Arbeitsverdichtung wegen zu weniger Fachkräfte für zu viele Patienten. "Was die Arbeitsbelastung anbelangt, ist die Pflege an ihrer Grenze, Pflegende sind erschöpft und ausgebrannt", so Karg. Dort müssten Arbeitgeber als erstes ansetzen, aber auch die Politik.

Mit Geldprämien für werbende und geworbene Pflegekräfte lockt derzeit auch das Klinikum Augsburg noch, jedenfalls bis Ende des Jahres. Parallel aber sollen Rahmenbedingungen optimiert werden, wie Referentin Ines Lehmann mitteilte. "Wir versuchen, fast jeden Arbeitszeitwunsch zu erfüllen. Das reicht von der Zehn-Stunden-Woche bis Vollzeit", so Lehmann.

Jede 16. Stelle ist unbesetzt

Von drückendem Fachkräftemangel berichtet das Universitätsklinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München. Wie Referentin Christiane Schoeller mitteilte, seien im Pflege- und Funktionsdienst von 2966 Vollzeitstellen derzeit 187 unbesetzt. Das entspricht etwa einer von 16 Stellen. "Besonders betroffen sind die Bereiche Intensivstation, OP-Dienst, Kinder-Intensiv und IMC-Stationen", so Schoeller.

Das Universitätsklinikum verfüge über knapp 1700 Mitarbeiterwohnungen, großenteils seien dies aber Einzimmerappartments. Zudem bemühe sich das Haus, den Mitarbeitern flexible und familienfreundliche Arbeitszeiten zu bieten. Es gibt eine klinikeigene Kita. Wie im Städtischen Klinikum bekommen Fachkräfte jeden Monat Extra-Geld in Form der München-Zulage von etwa 85 Euro.

In anderen Regionen wirkt sich der Fachkräftemangel offenbar weniger aus. Das Universitätsklinikum Regensburg teilte jedenfalls mit, es gebe dort "nur marginal" Personalmangel. Ebenfalls keine besondere Fachkraftakquise betreibt laut Mitteilung die Südostbayern Kliniken AG mit Standorten unter anderem in Berchtesgaden, Bad Reichenhall und Traunstein. Die Personalsituation sei gut, die Fluktuation gering.

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