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16.06.2022 | Klima | Nachrichten

Hitze und Dürre bedrohen die Gesundheit

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Die Gesundheitsminister der G7 widmen sich dem Klimaschutz. Allerhöchste Zeit, betonen Ärzte. In den Praxen ist Nachhaltigkeit längst Thema.

Sehr hoher Ressourcenverbrauch, viel Einweg: Der Gesundheitssektor zählt zu den großen Klimasündern. 5,2 Prozent des nationalen CO2-Ausstoßes verursacht allein das hiesige Gesundheitswesen – mehr als Flugverkehr oder Schifffahrt.

Medizin kostet Energie. Eine siebenstündige Operation sei so klimaschädlich wie eine 15.000 Kilometer lange Autofahrt, berichtet Nora Zumdick, Bereichsreferentin Gesundheitsmarkt bei der apoBank. Nachhaltigkeit in Arztpraxen und Apotheken ist eines ihrer Themen. Die bundesweit 70.000 Zahnärzte – nennt Zumdick ein anderes Beispiel – stellten Patienten jährlich rund 350 Millionen Becher zur Mundspülung neben den Behandlungsstuhl – Plastikbecher, die anschließend im Müll landeten.

„Aktiver Gesundheitsschutz“

Klimaschutz gehöre weit oben auf die Agenda, so der Appell beim Ärztetag Ende 2021 in Berlin. Tempolimit auf Autobahnen, klimaneutrale Städteplanung, Senkung der CO2-Emissionen durch Krankenhäuser: Ärzte mischen sich immer stärker in die Debatte ein. „Klimaschutz ist aktiver Gesundheitsschutz“, sagt der Arzt und Moderator Dr. Eckart von Hirschhausen. Mediziner seien Multiplikatoren bei dem Thema.

Mit Spannung verfolgen dürften sie deshalb das Treffen der G7-Gesundheitsminister diese Woche in Berlin. Deutschland ist Gastgeber. Außer Pandemien und Antibiotikaresistenzen stehen gesundheitliche Herausforderungen des Klimawandels auf dem Programm. Geplant ist ein gemeinsamer Presseauftritt von Gesundheitsminister Karl Lauterbach und Entwicklungsministerin Svenja Schulze (beide SPD).

„Die Folgen des Klimawandels“, ist auf der BMG-Webseite zu lesen, „die wir heute in Form von steigenden Durchschnittstemperaturen, häufiger auftretenden und länger anhaltenden Hitzeperioden, Dürren und Starkregenereignissen erleben, haben vielfältige Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit.“ Besonders betroffen: Ältere. Allein 2018, so Modellrechnungen des Fachmagazins „The Lancet“, seien mehr als 20.000 der Über-65-Jährigen in Deutschland in Zusammenhang mit Hitze verstorben.

Folgen für Ältere und Chroniker

Folgen hat der Klimawandel auch für Chroniker. Hirschhausen nennt als Beispiel Diabetes. Seine Forderung: Erzeuger von Lebensmitteln müssten auch ihren CO2-Abdruck ausweisen. Das mache es Verbrauchern leichter, gesunde und klimafreundliche Nahrungsmitteln auszuwählen – zumal „Überkonsum“ von rotem Fleisch Diabetes begünstige. „Wir halten pro Mensch 400 Nutztiere, das macht den Menschen und den Planeten krank.“

Die jetzt lebende Generation sei die erste, die mitbekomme, welche Folgen der Klimawandel für die Gesundheit des Menschen habe. „Und wir sind die letzte, die substanziell etwas daran ändern kann.“

Er persönlich sei in einem Gespräch mit der britischen Umweltaktivistin Jane Goodall „wachgeküsst“ worden. Goodall habe ihn gefragt, wenn die Menschen doch so schlau seien, wie sie behaupteten, „warum zerstören wir dann unser eigenes Zuhause“. Hirschhausen spricht vom Klimaschutz als „Jahrhundertaufgabe, für die wir kein Jahrhundert Zeit haben“. Eine Einsicht, die hoffentlich auch die Gesundheitsminister der G7-Staaten teilen. (hom)

ÄrzteZeitung

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