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01.01.2021 | Pflege Management | Ausgabe 1-2/2021 Zur Zeit gratis

Pflegezeitschrift 1-2/2021

Interview

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Pflegezeitschrift > Ausgabe 1-2/2021
Welche Rahmenbedingungen fördern und motivieren Mitarbeitende? Wie Nachwuchskräfte für den Pflegeberuf begeistert werden können, ist ein "Dauerthema". Ist Mitarbeitermotivation eine Frage der Generation? Und wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen den Generationen mit ihren spezifischen Wünschen, Einstellungen und Anforderungen? Joachim Prölß, Personalvorstand am Universitätsklinikum Hamburg (UKE), gibt Auskunft.
Herr Prölß, das UKE betreibt die Gewinnung neuer Mitarbeiter recht offensiv und ist mit unterschiedlichen "Formaten" im Markt. Welche Kriterien sind für Sie dabei entscheidend?
Prölß: Das UKE stellt sich bei der Mitarbeitergewinnung seit vielen Jahren die Frage, wie können wir für neue Mitarbeiter attraktiver sein als unsere Mitbewerber. Bei unserer Strategie setzen wir vor allem auf drei große Themenbereiche: Führung und Entwicklungsmöglichkeiten, Vereinbarkeit von Beruf, Familie, Freizeit und Gesundheit der Beschäftigten. Die konkrete Bearbeitung und die Weiterentwicklung dieser Inhalte sind mittlerweile fest in unserer Unternehmenskultur verankert. Hierfür gibt es zahlreiche Beispiele, von umfassenden vertikalen und horizontalen Karrieremöglichkeiten über familienfreundliche Dienstzeitmodelle bis hin zum gerade erst mit dem Personalwirtschaftspreis prämierten Konzept zur Stress- und Traumaprävention bei hoch belasteten Situationen. Man sieht, dass hier immer unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden. Eine Berufsanfängerin möchte wissen, wie schnell kann ich in die Fachweiterbildung. Eine Kollegin Ende 50 fragt uns, wie kann ich gesund in ein paar Jahren in Rente gehen.
Inwieweit spielt die Generationenfrage eine Rolle?
Prölß: Die Frage des Alters und die Länge der Berufserfahrung spielen eine große Rolle. In den Teams arbeiten teilweise vier verschiedene Generationen zusammen. Für die Führungskräfte ist es eine große Anforderung, alle Wünsche und Befindlichkeiten am besten in ein harmonisches, zumindest aber respektvolles Miteinander zu bekommen. Wir setzen aber auch hier klar auf Eigenverantwortung und auf Solidarität, beispielsweise auf gegenseitige Achtsamkeit. Wir suchen also bestenfalls Mitarbeiter, die sich genau darauf einlassen und nicht nur egoistisch "ihr Ding" machen wollen.
Sind Sie als Arbeitgeber durch sich wandelnde Vorstellungen jüngerer Mitarbeiter stärker oder anders gefordert als früher?
Prölß: Die Anforderungen sind generell gestiegen. Wir haben einen rein Arbeitnehmer-dominierten Arbeitsmarkt und müssen uns bei der Personalgewinnung viel mehr ins Zeug legen, aber auch mehr Kompromisse machen, als früher. Junge Ausbildungsabsolventinnen wollen heute ihr Arbeitsverhältnis bei uns mit "Sabbitical"-Monaten starten. Was früher undenkbar war, gehört heute zur Standardvereinbarung. Die Zuschreibungen von Wünschen oder Eigenschaften zu den einzelnen Generationen ist mir manchmal zu plakativ, auch wenn es im Arbeitsalltag hilft, hier Muster zu erkennen. Die Menschen entwickeln sich einfach in ihren Biographien und Lebensspannen. Auch der 60-Jährige war vor 40 Jahren einmal ein "junger Wilder", und manche sind es im Alter immer noch.
Generation Babyboomer und Generation Z - Welten treffen aufeinander? Wie lösen Sie etwaige Konflikte?
Prölß: Die Generation Z, also ab ca. 1997 geboren, muss im Team mit Kollegen arbeiten, die ihre Eltern oder sogar Großeltern sein könnten. Was im Familienverbund schon nicht immer einfach ist, soll jetzt im Arbeitsalltag reibungslos funktionieren? Da prallen natürlich teilweise Welten aufeinander. Es gibt viele individuelle Einflussfaktoren. Wenn sich junge Erwachsene zu Hause gut und spannungsfrei mit den Eltern verstehen, wird sich das wahrscheinlich auch im Arbeitsalltag bemerkbar machen. Ältere Mitarbeiter mit erwachsenen Kindern haben vielleicht mehr Verständnis für die jungen Kollegen. Nach unserer Erfahrung braucht es in den Teams aufmerksame Führungskräfte, die hier durch aktive Führungsarbeit mit einer hochentwickelten Kommunika-tionskultur positiven Einfluss nehmen können und müssen. Die individuellen Sorgen, Wünsche und Nöte zu kennen, Ausgleiche zu schaffen und Konflikte aktiv anzugehen, sind nur einige wenige Schlüsselpunkte dieser Führungsarbeit. Im UKE in Hamburg funktionieren die Mehr-Generationen-Teams meistens ganz hervorragend. Sie sind eine Bereicherung, und zwar sowohl für die jungen als auch für die älteren Kollegen. Als 57-Jähriger möchte ich den manchmal nörgelnden Alten zurufen: "… denkt immer daran, dass ihr auch mal jung wart".

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