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12.05.2022 | Internationaler Tag der Pflegenden | Nachrichten

"Politik ist im Schneckentempo unterwegs"

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Die Arbeitssituation für Deutschlands Pflegefachpersonen wird immer angespannter. Der BV Pflegemanagement macht deutlich: Die Zeit für Lippenbekenntnisse ist vorbei. Das bekommt auch die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung zu spüren.

© BechtelPeter Bechtel, Vorstandsvorsitzender des BV Pflegemanagement, kritisiert das "Schneckentempo" der Politik in puncto Pflege.

Die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Claudia Moll, hat angekündigt, trotz immenser gesellschaftlicher Herausforderungen durch Ukrainekrieg und Pandemie, die ehrgeizigen Ziele zum Thema Pflege im Koalitionsvertrag „jetzt angehen“ zu wollen. „Der Fachkräftemangel und damit die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und die Weiterentwicklung des Pflegeberufs stehen weiterhin ganz oben auf der Agenda“, erklärte sie anlässlich des Tages der Pflegenden.

Erste Erfolge seien spürbar, reichten aber nicht. „Wir werden deshalb die Arbeitsbedingungen weiter verbessern“, so Moll. 

„Wenig bis nichts“ kommt in der Pflege an

Die Ungeduld in der Pflege ist groß. So erinnerte die Präsidentin des Deutschen Pflegerates, Christine Vogler, die Ampelkoalition eindringlich an ihre Zusagen im Koalitionsvertrag und zeigte sich ernüchtert von den bisherigen Ergebnissen. Auch der Bundesverband Pflegemanagement kann von „ersten spürbaren Erfolgen“ derzeit „wenig bis nichts“ erkennen.

Die Ankündigung Molls, empfinde man als Schlag ins Gesicht: „Erst jetzt angesichts des Internationalen Tages der Pflegenden zur der weisen Erkenntnis zu gelangen, dass für die Pflege durchgestartet werden muss und gleichzeitig geradezu prophylaktisch auf die vielen anderen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen hinzuweisen, kommt einem Affront gleich." In der Konsequenz handele es sich um das politische Eingeständnis, dass „wir etliche Jahre zu spät dran sind“ und einer Entwicklung hinterherlaufen, die nicht mehr einzuholen ist“, heißt es. 

Es geht auch um Mitbestimmung

Zudem betont der Verband, dass es nicht nur um Bezahlung und Arbeitsbedingungen, sondern auch um Sitz und Stimme für die Pflege bei die Profession betreffenden Entscheidungen gehe. Die Diskussionen der vergangenen Tage hätten gezeigt, dass dies im Bundesgesundheitsministerium noch nicht angekommen sei. In seiner Frankfurter Erklärung hatte der Bundesverband Pflegemanagement zuletzt eine "konsequente Einbindung der Pflege in die politische Entscheidungsfindung" gefordert. 

Pflege finde nicht nur am 12. Mai, sondern 365 Tage im Jahr und das über 24 Stunden sowohl im professionellen Bereich, aber auch bei pflegenden Angehörigen.

„Die Politik ist bei diesen Themen seit Jahren im Schneckentempo unterwegs und die Realität im Vergleich dazu mit Überschallgeschwindigkeit“, so das Fazit des Vorstandsvorsitzenden Peter Bechtel. (ne)

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