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04.11.2018 | Intensivstation | Nachrichten

Kritik an Personaluntergrenzen

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) lehnt die für Intensivstationen festgelegten Personaluntergrenzen weiter entschieden ab. Stattdessen fordert sie praxisorientierte Vorgaben für die Personalschlüssel.

 „Die ab Januar 2019 geltenden neuen Richtwerte des Bundesministeriums für Gesundheit gehen in die ganz falsche Richtung“, erklärte jetzt DIVI-Präsident Professor Stefan Schwab. Schwab rief die Politik dazu auf, sich an den Vorgaben aus der Praxis zu orientieren. Evidenzbasierte Standards für die Personalausstattung haben die Intensiv- und Notfallmediziner bereits vor Jahren beschrieben.

Die aktuelle Version der Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung (PpUGV) sieht vor, dass in der Nachtschicht eine Intensivpflegekraft 3,5 Patienten, in der Tagschicht 2,5 Patienten betreuen soll. Dagegen fordert die DIVI für alle Schichten einen Betreuungsschlüssel von maximal zwei Patienten für eine Intensivpflegekraft. Die vom BMG vorgesehenen Werte seien auf Intensivstationen mit schwerstkranken Patienten qualitativ nicht vertretbar.

Debatten über eine „Überbesetzung“ haben schon begonnen

Kritisch sieht die DIVI auch die aktuelle Festlegung der Werte über den sogenannten Quartilansatz. Diese würden  sich am Grenzwert von 25 Prozent der Häuser mit der schlechtesten Personalausstattung orientieren. „75 Prozent der Häuser liegen momentan über diesem Wert“, erläuterte Thomas van den Hooven, DIVI-Präsidiumsmitglied und Pflegedirektor am Universitätsklinikum Münster. Er befürchtet, dass eine einzelne Pflegekraft künftig noch mehr Patienten betreuen muss: „Darunter leidet die Versorgung und es werden mehr Pflegende der Intensivstation den Rücken kehren“. Debatten über eine „Überbesetzung“ hätten in vielen Häusern bereits begonnen.

Die DIVI vermisst bei allen Bemühungen um die Pflege realistische und rasch umsetzbare Konzepte gegen den gravierenden Fachkräftemangel: „Ohne diese Konzepte kann man so viel Grenzen festlegen, wie man will. Wenn kein Personal da ist, um diese zu erfüllen, greifen alle Maßnahmen buchstäblich ins Leere.“ (ne)

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