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20.12.2017 | Intensivstation | Onlineartikel

Intensivstation und ambulante Intensivpflege

Autor:
Franz Eggert

Auf der Intensivstation eines Krankenhauses werden schwerstkranke Patienten überwacht und behandelt. Ein Teil der Patienten schwebt akut in Lebensgefahr, zum Beispiel nach einem Unfall. Andere Patienten werden auf der Intensivstation vorsorglich überwacht, etwa nach umfangreichen Operationen. So soll sichergestellt werden, dass bei einer Verschlechterung des Zustands schnell reagiert werden kann.

Der medizinische und pflegerische Aufwand ist auf der Intensivstation besonders hoch. Dieser Aufwand setzt sich zusammen aus Intensivüberwachung, Intensivtherapie und Intensivpflege. Die Definition von Intensivpflege ist demnach die besondere Pflege von schwerstkranken Patienten.

Manche Patienten können nach der Behandlung auf der Intensivstation auch zu Hause weiterbetreut werden. Dies wird dann als außerklinische Intensivpflege, ambulante Intensivpflege oder auch häusliche Intensivpflege bezeichnet.

Intensivstation: typische Erkrankungen von Patienten

Was sind typische Erkrankungen von Patienten auf einer Intensivstation? Häufig treten auf: Störungen der Herz-Kreislauffunktionen, der Atmung, des zentralen Nervensystems, des Wasser- und Elektrolythaushalts, des Säure-Basen-Gleichgewichts oder der Nierenfunktion. Die Lebensbedrohlichkeit ist meist entweder akut oder absehbar.

Interdisziplinäre Intensivstation oder fachspezifische Intensivstation

Intensivstationen sind entweder fachspezifisch oder interdisziplinär organisiert. In fachspezifischen Bereichen werden Patienten mit einheitlichen Erkrankungen behandelt. Beispiele dafür sind pädiatrische Intensivstationen (vor allem für die Betreuung schwerer Erkrankungen des Neugeborenen), neurochirurgische Intensivstationen (etwa für Patienten mit akutem Schädel-Hirn-Trauma) und herzchirurgische Intensivstationen (etwa für die postoperative Betreuung herzchirurgischer Patienten).

Auf gemischten Intensivstationen werden dagegen Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen behandelt. Der Fokus kann anästhesiologisch-chirurgisch (zum Beispiel Patienten nach chirurgischen Eingriffen), internistisch (zum Beispiel medikamentöse Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen) oder interdisziplinär sein.

Personalschlüssel: Wie viele Fachkräfte sind für die Intensivstation vorgesehen?

Auf Intensivstationen arbeiten Fachärzte, Pflegekräfte sowie Hilfskräfte zusammen. Hilfskräfte sollen das Pflegepersonal entlasten, indem sie etwa Aufgaben übernehmen, die nicht unmittelbar der Patientenversorgung dienen. Die Anzahl der Intensivbetten eines Krankenhauses richtet sich nach der Bettstärke des Hauses insgesamt. Fachleute empfehlen, dass mindestens fünf Prozent aller Betten auf die Intensivstation entfallen sollten - mehr dazu im Kapitel "Einführung in die Intensivmedizin" des Lehrbuchs "Anästhesie und Intensivmedizin für die Fachpflege". Eine Ausnahme gilt für die Versorgung von Frühchen. In der Neonatologie muss jederzeit eine Eins-zu-Eins-Betreuung durch Pflegekräfte sichergestellt sein. Dabei müssen mindestens 40 Prozent eine Fachweiterbildung absolviert haben.

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) empfiehlt als Richtwert, dass für zwei Patienten eine Pflegekraft pro Schicht anwesend sein soll. In besonderen Fällen ist eine höhere Präsenz sinnvoll. Für acht bis zwölf Intensivbetten werden sieben Stationsärzte empfohlen. Leitungspositionen sind in diesen Angaben jeweils nicht berücksichtigt.

Intensivpflege: Beobachtung, Überwachung, Pflege

Der Intensivmediziner Reinhard Larsen schreibt, dass wohl "keine Krankenhausgruppe (...) höheren Anforderungen ausgesetzt" ist "als das Pflegepersonal von Intensivstationen". Die wichtigsten Aufgaben von Pflegerinnen und Pflegern auf der Intensivstation sind:

  • die allgemeine und spezielle Pflege von Intensivpatienten (etwa hinsichtlich Körperpflege, Ernährung, Mobilität) und
  • die Beobachtung und Überwachung von Patienten.

Ein eng vernetztes Arbeiten zwischen Arzt und Pflegekraft ist auf der Intensivstation besonders wichtig. Viele ehemals ärztliche Aufgaben werden heutzutage regelmäßig von Pflegekräften übernommen. Auch werden laut einer Umfrage unter leitenden Pflegekräften nur noch wenige Therapieentscheidungen ausschließlich von Ärzten alleine getroffen. 

Universitäts-Klinik Heidelberg, Chirurgie, Intensivstation (Symbolbild) © Mathias Ernert, Universitäts-Klinik HeidelbergIntensivstation des Universitätsklinikum Heidelberg (Archivbild)

Vitalwerte im Blick: Herzfunktion überwachen, Sauerstoffgehalt im Blut kontrollieren

In der Verantwortung der Fachpflegekräfte liegt es beispielsweise, Vitalwerte von Patienten zu beobachten. Pflegende überwachen mindestens die Herzfunktion mithilfe von EKG-Werten (Elektrokardiogramm), den Sauerstoffgehalt im Blut mithilfe von Pulsoxymetrie. Auch Körpertemperatur und Blutdruck werden kontrolliert.

Verschlechtert sich die Situation, ergreift das Pflegepersonal selbstständig Maßnahmen, um die Patienten zu stabilisieren. Oft liegt etwa die Dosierung von kreislaufwirksamen Medikamenten (Katecholamine) in der Hand der Pflegenden. Dies gilt innerhalb zuvor abgestimmter Grenzen.

Weitere Aufgaben: Bestimmen von Beatmungswerten, Venendruck, Blutentnahmen

Abhängig von Krankheitsbild und aktuellem Zustand des Patienten werden häufig weitere Vitalparameter und Daten wie Beatmungswerte, zentraler Venendruck oder der bispektrale Index (zur Abschätzung der Narkosetiefe) erhoben. Hinzu kommen teilweise stündliche Blutgasanalysen und Blutentnahmen für Laboruntersuchungen. Pflegekräfte entnehmen selbstständig Blut bei ihren Patienten und reagieren auf das Ergebnis von Blutanalysen.

Um die Intensivüberwachung und -therapie des Patienten durchführen und begleiten zu können, ist die Arbeit mit einer Vielzahl von medizinischen Geräten unumgänglich. So fällt die Aufbereitung, Funktionsprüfung und Überwachung von Geräten wie beispielsweise Beatmungsmaschinen (Beatmungspflege), Perfusoren, Defibrillatoren, Monitoren bis hin zu extracorporalen membranösen Oxygenatoren, kurz ECMO, überwiegend in pflegerische Verantwortung.

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Die Themen: Risiko Fremdblut: Das Patient Blood Management-Konzept; Organversagen: Die neue Sepsis-3-Definition; Weg von der Maschine: Weaning – Atmen neu lernen


Glasgow-Koma-Skala und andere Scores: Wie geht es dem Patienten?

Trotz der umfangreichen Möglichkeiten des Monitorings darf der Blick auf den Patienten nicht verloren gehen. Um dies möglichst einheitlich zu gewährleisten, werden Scores verwendet. Scores erfassen verschiedene Parameter des Krankheitsgeschehens und ordnen diese festgelegten Punktwerten zu. Die "Glasgow-Koma-Skala" beispielsweise ist ein spezifischer Score zur Beurteilung des neurologischen Zustandes des Patienten.

Der TISS (Therapeutic Intervention Scoring System) hingegen gibt Auskunft über den allgemeinen Zustand von Patienten. Aber auch zur Beurteilung des therapeutischen oder pflegerischen Aufwandes können Scores angewandt werden. Bei der Benutzung von Scores darf jedoch nicht vergessen werden, dass diese nur einen Teilaspekt und nicht den Patienten in seiner Gesamtheit betrachten. So ist auch auf der Intensivstation das Verfassen eines Pflegeberichtes und die strukturierte Übergabe an den folgenden Dienst von großer Wichtigkeit.

Weiterbildung Intensivpflege: Bedingung für Arbeit auf der Intensivstation?

Die Weiterbildung Anästhesie- und Intensivpflege dauert zwei Jahre. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung. Abhängig von Bundesland und Träger wird eine ein- bis zweijährige Erfahrung in der Intensivpflege erwartet. Allerdings: Um als Gesundheits- und Krankenpfleger auf einer Intensivstation zu arbeiten, ist die Weiterbildung für Anästhesie- und Intensivpflege in der Regel keine Bedingung.

Außerklinische Intensivpflege: Wann ist ambulante Intensivpflege möglich?

Intensivpflege ist auch im häuslichen Setting möglich. So werden Patienten versorgt, die auch außerklinisch eine Fortführung der Intensivtherapie benötigen. Dies betrifft zum Beispiel Patienten, die dauerhaft von Beatmungsmaschinen abhängig sind. Sie werden 24 Stunden pro Tag zuhause (Beatmungspflege 24), in Beatmungsheimen oder -Wohngemeinschaften pflegerisch versorgt. Die Versorgung wird von ambulanten Intensivpflegediensten geleistet.

Literatur

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