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04.05.2018 | Leitthema

Inhalationstrauma durch Rauchgas bei Bränden

Zeitschrift:
Notfall + Rettungsmedizin
Autoren:
MD Dr. T. Zellner, MD Prof. Dr. F. Eyer
Wichtige Hinweise

Redaktion

F. Eyer, München
T. Luiz, Kaiserslautern
G. Matthes, Potsdam

Zusammenfassung

In Deutschland starben 2014 372 Menschen bei Bränden, davon 80–90 % durch Rauchgas. Die wichtigsten inhalativen Toxine sind Kohlendioxid (CO2), Kohlenmonoxid (CO), Blausäure und Reizgase vom Sofort- und Latenztyp; zusätzlich können thermische Schäden auftreten. Die initiale Behandlung besteht unter Beachtung des Eigenschutzes in der Stabilisierung der Vitalfunktionen und Sauerstoff-Gabe mittels Maske mit Reservoir oder Intubation mit Beatmung mit inspiratorischer Sauerstofffraktion (FiO2) 1,0. Dies darf auch während des (innerklinischen) Transports nicht vernachlässigt werden. Etwa zwei Drittel der Patienten haben eine CO-Intoxikation. Eine hyperbare Sauerstofftherapie ist hier zu erwägen; mögliche Indikationen sind stattgehabte Synkope und/oder Koma, Schwangerschaft, kardiale Ischämie, zerebrale Krampfanfälle oder eine schwere metabolische Azidose. Empfohlen ist eine Sauerstofftherapie bis zur Symptomfreiheit und einem normwertigen Carboxyhämoglobin (COHb) (<3 %), meist bis zu 6 h. Bei bewusstlosen Patienten, die trotz ausreichender Oxygenierung nicht erwachen, kann eine gleichzeitige Blausäurevergiftung vorliegen. Hier sollte Hydroxycobalamin erwogen und ggf. Natriumthiosulfat (getrennter Zugang) verabreicht werden. Im Rauch finden sich oft Reizgase, bei Bronchospastik sollten frühzeitig β2-Sympathikomimetika und ggf. Theophyllin verabreicht werden. Der Einsatz von inhalativen wie auch intravenösen Glukokortikoiden zur Lungenödemprophylaxe wird kritisch diskutiert. Eine Klinikvorstellung sollte bei allen symptomatischen Patienten erfolgen, bei Inhalation von Reizgasen vom Latenztyp ggf. auch prophylaktisch. Innerklinisch muss zusätzlich auf dermale wie inhalative thermische Schäden geachtet werden, bei einem Glottisödem kann eine umgehende Intubation oder Tracheotomie erforderlich werden. Diagnostisch ist die Blutgasanalyse mit Messung des COHb wegweisend. Bei Hinweis auf ein toxisches Lungenödem sollte ein Röntgen-Thorax und bei Verdacht auf thermische Schäden eine diagnostische Bronchoskopie durchgeführt werden. Bei Beteiligung der Augen muss nach sofortiger Augenspülung eine augenärztliche Vorstellung erfolgen. Eine Überwachungszeit von bis zu 48 h ist empfohlen.

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Literatur
Über diesen Artikel