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26.06.2024 | Hebammen | Interview | Online-Artikel

Hebammenunterricht

Wissen zu Schwangerschaft und Geburt kindgerecht vermitteln

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Interviewt wurde:
Martina Katerkamp
Das Interview führte:
Ute Petrus

Martina Katerkamp ist freiberufliche Hebamme in Melsungen. Im Jahr 2010 absolvierte sie beide der vom Deutschen Hebammenverband angebotenen Fortbildungen zum Thema „Hebammen an Schulen“ und bietet heute regelmäßig Unterrichtseinheiten an. Im Interview berichtet Sie über Ihre Arbeit mit den Schüler*innen.

© privatMartina Katerkamp © privat

An wie vielen Schulen bietest du Hebammenunterricht an?

Katerkamp: In Melsungen gibt es drei Grundschulen und in allen biete ich Hebammenunterricht an. Die kleine Grundschule in Stadtteil Röhrenfurth bucht mich sogar jedes Jahr. Dazu kommen noch weitere Grundschulen in benachbarten Kleinstädten und Dörfern. Insgesamt sind es fünf Schulen, die ich regelmäßig besuche.

Wie sind die Schulen auf dich aufmerksam geworden?

Katerkamp: Lehrerinnen, die ich in deren Schwangerschaften oder Wochenbetten betreut habe, haben mich kontaktiert. Angefangen hat aber alles mit meinen Kindern, die in Melsungen in die Grundschule gegangen sind. Mittlerweile wissen die Lehrerinnen von meinem Angebot.

Du hast die Fortbildungen „Hebammen an Grundschulen“ und „Hebammen an weiterführenden Schulen“ des Deutschen Hebammenverbandes (DHV) durchlaufen. Was war an diesen Fortbildungen hilfreich?

Katerkamp: Am besten haben mir die praktischen Übungen gefallen und dass man die Praxis auch üben konnte. Wir haben gelernt, was altersgerecht ist und wie man dies den Kindern näherbringen kann.

Welche Vorschläge hast du für die weitere Gestaltung der Fortbildungen?

Katerkamp: Gut wären Anregungen, um die Geburt zu spielen. Ganz wichtig wären Hinweise, wie ich die Kinder zu mehr Achtsamkeit untereinander bringen kann, ohne dass die Lehrerin ständig ermahnend einschreiten muss. Ich beobachte, dass die Kinder immer unruhiger werden und wenige Schülerinnen und Schüler halten ganze 45 Minuten die Aufmerksamkeit, sodass schon nach kürzeren Zeiträumen Pausen eingelegt werden müssen. Letztendlich sind das pädagogische Themen!

Es gibt auch viele ausländische Kinder in den Klassen, die oft kein oder wenig Deutsch verstehen, gerade unter den ukrainischen Geflüchteten. Neulich hatte ich eine vierte Klasse, in der nur drei muttersprachlich deutsche Kinder waren, alle anderen kamen aus vielen verschiedenen Ländern. Dort sprachen aber alle gut Deutsch und der Umgang untereinander und der Respekt vor den verschiedenen Kulturen war faszinierend. Alle haben gut mitgemacht, das hat großen Spaß gemacht.

Was macht dir am meisten Spaß am Unterricht?

Katerkamp: Mir machen die praktischen Übungen am meisten Spaß – wenn die Schüler*innen laut werden, zum Beispiel bei der Ei-im-Glas-Übung, richtig vor Begeisterung schreien und nachher auch verstehen, was ich Ihnen mit dieser Übung zeigen will, nämlich dass das Kind im Bauch so geschützt ist wie das Ei im Glas.

Was sind die Herausforderungen im Unterricht?

Katerkamp: Herausfordernd sind vor allem unruhige Kinder und wenn wir ständig Pausen machen müssen. Das sprengt dann mein geplantes Programm.

Sprichst du vorab mit den Lehrerinnen und Lehrern?

Katerkamp: Früher habe ich das mit einem persönlichen Treffen gemacht, jetzt aber nicht mehr, da es doch viel Zeit in Anspruch nimmt. Heute gibt es ein kurzes Telefonat mit der Frage, ob es etwas zu beachten gibt. Natürlich erfrage ich die Klassengröße, wie viele Jungs und Mädchen es gibt und solche Dinge.

Wie viel Unterricht bietest du in einer Einheit an?

Katerkamp: Ich biete vier Schulstunden à 45 Minuten an, das splitte ich in zweimal 90 Minuten an zwei Tagen. Ganz selten biete ich auch nur 90 Minuten an, wenn es kurzfristig schwierig mit der Finanzierung wird.

Welche Empfehlungen kannst Du Kolleginnen und Kollegen geben, die an Schulen Hebammenunterricht anbieten wollen?

Katerkamp: Es ist wichtig, viele praktische Dinge in den Klassen anzubieten. Die Kinder müssen es erleben, haptisch! Dann haben sie mehr Spaß. Dafür gehe ich auch in die Klasse, um den Kindern Spaß am Thema zu vermitteln, ich will keinen Frontalunterricht machen. Nach meiner Erfahrung sollte immer eine Lehrkraft dabei sein. Das ist ganz wichtig, sonst tanzen sie dir auf der Nase herum. Außerdem weiß die Lehrerin dann auch, was ich in meinen Stunden gemacht habe. Und es ist auch eine rechtliche Absicherung.

Ich finde am Hebammenunterricht wichtig, dass die Kinder über sich selbst und ihre eigene Geburt etwas erfahren. Die Kinder fragen zu Hause: Wie war meine Geburt? Wie bin ich ernährt worden? Die Kommunikation mit den Eltern wird so nebenbei auch gefördert.

Der DHV empfiehlt, für 45 Minuten Unterricht ungefähr so viel zu verlangen wie für einen Wochenbettbesuch. Das sind im Moment circa 40 €. Bekommst du diesen Betrag für deinen Unterricht?

Katerkamp: Ja, die Schulen wissen, dass ich für zwei Stunden 90 € nehme. Ich muss mich vorbereiten und auch zu der Schule fahren. Den Preis habe ich im Laufe der Jahre auch immer wieder angepasst.

Das Interview führte Ute Petrus

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