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Best Practice Das Wunderwerk: So geht Hebammenbetreuung im ländlichen Raum

  • 24.04.2025
  • Hebammen
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  • Online-Artikel

Die Verbandsgemeinde Asbach liegt, geprägt von einzelnen kleineren Ortschaften, sehr ländlich im Landkreis Neuwied. Die Gemeinde wächst stetig, aber für werdende Mütter wird es immer schwieriger, eine Hebamme zu finden. Also musste eine kreative Lösung her.

Aufgrund zahlreicher Insolvenzen von Einrichtungen des DRK und der Schließung der Geburtsstation im Krankenhaus in Bad Honnef, habe man sich Sorgen um die zukünftige gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung der Verbandgemeinde mit ihren knapp 24.000 Einwohnern gemacht, berichtet der Asbacher Verbandsgemeindebürgermeister Michael Christ. Die Gesundheitsversorgung sei ein wichtiger Faktor für die Attraktivität einer Region und so habe man seitens der Verbandsgemeinde (VG) ein umfassendes Gesundheitskonzept erarbeitet. Mitte 2022 sei man daraufhin auch auf die Hebammen der Region zugegangen, um für ein gemeinsames Projekt zu werben.

Raum und Ausstattung stellt die Gemeinde

Die Resonanz auf das Gesundheitskonzept war groß und bereits im Mai 2023 konnte die Hebammenpraxisgemeinschaft Wunderwerk in einer von der VG gestellten und komplett ausgestatten Wohnung eines Seniorenheims ihre Eröffnung feiern. Der Gesellschaftszweck bleibt auf die gemeinsame Nutzung der Räumlichkeiten und deren Ausstattung beschränkt. Sechs Hebammen bieten Betreuung im häuslichen Umfeld, aber auch ambulant vor Ort in den Praxisräumen und mit einem umfangreichen Kursprogramm an, erzählt Lara Mönter. Sie ist eine von ihnen und zudem mit organisatorischen Aufgaben rund um das Wunderwerk betraut, für die sie zusätzlich - wie auch ihre Kollegin Lisa Ehrenhofer - neun Stunden pro Woche bei der VG fest angestellt ist.

Die ursprüngliche Idee, ein Geburtshaus zu gründen, sei als Kommune nicht zu verantworten gewesen, erklärt Christ. Das hätte sich aus Gesprächen mit Hebammen und der ortsansässigen Gynäkologin sowie einem eigens in Auftrag gegebenen Rechtsgutachten ergeben. Einerseits sei die Entfernung zu den Geburtskliniken zu weit und andererseits gäbe es in der VG nicht genug ansässige Hebammen, erörtert Mönter. Nur eine der sechs Hebammen des Wunderwerks komme tatsächlich aus der VG Asbach. Die anderen wohnten in angrenzenden Gemeinden und seien dort auch noch zusätzlich weiterhin tätig. Alle Hebammen des Wunderwerks arbeiten selbstständig und rechnen ihre Leistungen separat und ausschließlich direkt mit den Frauen ab. Täglich betreue eine der Hebammen die Hebammenambulanz des Wunderwerks und sei Ansprechpartnerin für Frauen, die bislang keine häusliche Hebammenbetreuung gefunden hätten, so Mönter. Die Ambulanz stehe dann Frauen in der Schwangerschaft, im Wochenbett und bis zu neun Monate nach Geburt offen. Eine Terminbuchung ist online möglich. Die Hebammenambulanz ist außerdem mit dem kostenlosen Bürgerbus der VG erreichbar.

Das Erfolgsrezept: Ein breites Angebot für junge Familien

Es habe etwas gedauert, bis das Angebot in allen Winkeln der VG bekannt war, erzählt Mönter, aber nach dieser Anlaufphase sei das Wunderwerk von den Frauen und Familien in der Region sehr gut angenommen worden. Die Zahlen sprechen für sich: In den ersten 20 Monaten seit seiner Eröffnung haben über 500 Frauen und Kinder an Kursen teilgenommen, es wurden fast 400 Termine gebucht. Etwa 200 Familien konnten von den Hebammen des Wunderwerks bislang häuslich übernommen oder vermittelt werden. Für 54 Familien war keine häusliche Betreuung möglich, da die Kapazitäten entweder nicht ausgereicht hätten oder sie nicht aus dem Gebiet der VG kämen, erklärt Mönter. Diese hätten aber über die Ambulanz weiterhin die Möglichkeit, regelmäßig betreut zu werden. Familien aus der Gemeinde hätten Vorrang, da das Wunderwerk ausschließlich aus Finanzmitteln der VG gestemmt werde, sagt Christ. Derzeit würden ca. 75% aus der VG und 25% auch aus angrenzenden Gemeinden kommen.

Die Vermittlung von Hebammen für die häusliche Betreuung, das breite Kursangebot von der Geburtsvorbereitung über Aquafitness bis zur Rückbildung, Babymassage und Krabbelgruppen sowie die Hebammenambulanz als offene Anlaufstelle, scheinen ein echtes Erfolgsrezept zu sein.

Zur Nachahmung empfohlen

Die Nachfrage steige kontinuierlich - und so ist das Wunderwerk ein gelungenes Projekt, das durchaus auch anderen Gemeinden als Beispiel dienen könnte. Großes Plus sei die finanzielle Unterstützung durch die VG, sagt Mönter, die nicht nur die Räumlichkeiten, die Ausstattung inklusive CTG, Bili Blitz (aus LEADER-Fördermitteln), Soft Level Laser, Verbrauchs- und Kursmaterialien, sondern auch zwei Hebammen mit insgesamt 18 Stunden pro Woche für administrative Aufgaben finanziere. Zudem erhält eine Hebamme von der VG 250 Euro Betreuungsprämie für jede Familie, die aus Asbach komme, bestätigt Martina Knopp, Abteilungsleiterin bei der VG Asbach und Projektkoordinatorin für das Wunderwerk. Natürlich müsse man sich als Gemeinde solch ein Projekt mit einem jährlichen Budget von etwa 50.000 Euro leisten können, aber man müsse es sich auch leisten wollen, sagt sie.

Auch Bürgermeister Christ empfiehlt seinen Kolleg*innen aus anderen ländlichen Gemeinden in Deutschland, die vor ähnlichen Problemen stehen, das Projekt zur Nachahmung. Dazu müssten allerdings nicht nur die rechtlichen Rahmenbedingungen auf die örtlichen Gegebenheiten hin überprüft werden, sondern es bedürfe auch vielen engagierten Personen, so wie in Asbach, die das Projekt mit Leben füllen. Und unbedingt auch der politischen Rückendeckung im Rat, um die Finanzierung auch dauerhaft zu gewährleisten. Dann kann das Wunderwerk auch anderen Orten Wunder wirken!

Weiterführende Informationen unter: wunderwerk-hebammen.de/

Kontakt zur Verbandsgemeinde Asbach:
Martina Knopp
martina.knopp@vg-asbach.de

Bildnachweise
Die Wunderwerk-Hebammen der Verbandsgemeinde Asbach/© Kathrin Theile/ Wunderwerk Asbach